Ressort: Reloaded(Weitere Infos)

06.Dezember 2014, 12:45

Bloggen ist immer Schreiben über sich selbst

Man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten,

hat Max Frisch einmal gesagt. Und diese Haut wächst nach…

Also schreibe ich immer vom Gleichen? Knapp 3000mal in gut fünf Jahren? Natürlich Jein. Es gibt ja sooooo viel Interessantes. Ist man am Weltgeschehen einigermassen interessiert, so gibt es täglich eine Gelegenheit, gegen irgend einen Gauner oder eine Ungerechtigkeit die verbale Faust zu heben oder sich gelassen über etwas zu amüsieren. Aber in der subjektiven Auswahl seiner Themen ist jeder Mensch immer sehr eng mit “dem Gleichen” beschäftigt. Was uns umtreibt, so können wir feststellen, ist sehr oft das Immergleiche. Das Zipperlein, das in uns anschlägt, ist oft an der immer gleichen Stelle nervös und lässt sich von einer handvoll Impulsen locken.


Und die Versuchung ist dann am Grössten, ganz laut zu rufen, wenn im Innern eine Phase der trockenen Stille vorherrscht: Ich würde mich gerne kontemplativer mit mir selbst beschäftigen. Aber dafür gibt es intensivere und flachere Zeiten. Das geht uns allen wohl so. Und manchmal ist dann das Schreiben “über die Welt” eben eine Art Looping, oder eine gewanderte Schleife auf dem Weg zu dem, was in mir selbst wirklich ansteht.

Zeitweise ist ein solches Blog eine ziemlich herausfordernde Kiste. In einer Zeit, die man vielleicht gar nicht mehr so genau erinnern kann, hat man mal damit begonnen, ein virtuelles Tagebuch zu schreiben. So habe ich das irgendwie tatsächlich verstanden, wohl wissend, dass es das nicht wirklich ist. Einem Tagebuch vertrauen Sie und ich ganz andere Sachen an – oder ich kann es auch so formulieren: Ich vertraue sie dem Tagebuch anders an. Das ist auch gut so. Jeder, gerade die, welche öffentlich schreiben, sollten ein Gefühl dafür behalten, was privat bleiben soll und was öffentlich sein darf. Und doch wird sich jeder Blogger bewusst: Er verrät etwas über sich. Und das ist eine echte Herausforderung. Da kann man hinein wachsen (vielleicht auch wieder heraus). Es gilt, ein Gefühl dafür zu bekommen, was man wie öffentlich sagen kann und auch wirklich will. Und während man sich darin übt und dabei begreift, dass man sich beim Schreiben auch nicht selbst verraten sollte, also auch als Thinkabout Kurt bleibt, wird klar: Ich kann auch über den Verriegelungsmechanismus eines Einmachglases schreiben – ich häute mich dabei. Und wann immer Sie dann auf “Veröffentlichen” gedrückt haben, sind Sie in einer bestimmten Weise, vielleicht nur für den flüchtigen Moment einer Ahnung, ohne diesen Teflon, an dem die Gleichgültigkeit oder die übertriebene Neugier der Mitmenschen sonst scheinbar abperlt.

[Text vom 27. November 2009 – So Vieles, was ich zur Grundmotivation des Schreibens und Bloggens sagen kann, bleibt sich gleich… der Text ist dementsprechend unverändert gültig für mich.]

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