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24.Februar 2015, 6:53

Frauen bestehen (fast) alles

credit: istockphoto.com/hxdbzxy

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Die Mens, die Pille, Schwangerschaft, Geburt, die Abänderung. Hätten Männer auch nur eine dieser körperlichen Herausforderungen zu meistern, das Gejammer nähme kein Ende. Immer wieder staune ich, wie hart Frau im Nehmen sein kann.

Und tatsächlich wissen wir Männer herzlich wenig über alles, was im Körper einer Frau und damit auch in ihrer Psyche im Laufe eines Lebens vorgeht. Wir stören uns zwar mit Recht daran, darauf reduziert zu werden, selbst ganz einfach gestrickt zu sein und Knöpfe zu haben, die Frau nur zu drücken braucht – aber, ganz ehrlich, gegenüber dem Wesen einer Frau sind wir Männer so trivial konstruiert wie ein Skelett verglichen mit einem menschlichen Nervensystem.

Wir reissen manchmal Witze über die weibliche Hysterie, über Aufgeregtheiten, die für uns keine sind, aber wir können umgekehrt nicht im Ansatz so tief in menschliche Themen eintauchen, wie es Frauen vermögen.

Da ist es dann nicht gar so leicht zu verstehen, dass Frau nichts Bessers für sich entdeckt hat, als genau die gleichen doofen Jobs auszuüben, die wir selbst als das Nonplusultra unserer Existenz betrachten. Gerade erst las ich, dass das Modell der arbeitenden Eltern (meistens der Mutter) wohl wider besseres Wissen gesellschaftlich hoch gehalten wird, von Politik und Gemeinschaft – dass nämlich Job und Familie vereinbar seien, und das womöglich ohne irgendwelchen Abstriche.

So manche Frau, aber auch manch ehrlicher Mann muss sich die letzten Jahrzehnte oft gewundert und gefragt haben, ob sie oder er womöglich auf einem anderen Planten lebe oder gänzlich den Durchblick vermissen lasse – so fremd musste einem vorkommen, was da einher palavert wurde von der Vereinbarkeit von Job und Familie, und das immer hübsch mit dem inneren Anspruch der Frau, in allem selbstverständlich perfekt zu sein, als Frau, Mutter und Businesswomen. Wenn Sie sich dann auch noch vorstellen, dass der Mann das gemütliche Bier am Feierabend vor dem Fernseher kennt,  dann wird endgültig klar, wie eng es für die Frauen werden muss – und für die Familie als solche.

4 Gedanken zu „Frauen bestehen (fast) alles

  1. Gerhard

    Jetzt trägst Du aber ganz schön dick auf:
    “gegenüber dem Wesen einer Frau sind wir Männer so trivial konstruiert wie ein Skelett verglichen mit einem menschlichen Nervensystem.”
    “aber wir können umgekehrt nicht im Ansatz so tief in menschliche Themen eintauchen, wie es Frauen vermögen.”

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    1. Thinkabout Artikelautor

      nun, Gerhard, ich bin der erste, der sich ärgert, wenn wir auf “Knöpfe” reduziert werden. Aber schauen wir genauer hin, müssen wir feststellen: Die Zahl der Männer, die eine wirkliche Männerfreundschaft kennen, in der es tatsächlich um alles gehen kann in den Gesprächen, ist sehr selten. Und wie wir Probleme in Beziehungen angehen, ist ziemlich anders, als es Frauen anpacken. Dann sind da noch die rein äusserlichen Zeichen:
      Ein Paar hat ein Kind verloren und berichtet darüber in einer Reportage. Zu 90% spricht die Frau. Wir haben es sehr schwer, uns einen emotionalen Zugang zu uns selbst zu öffnen. Das ist, meiner Meinung nach, sehr wohl Fakt.

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  2. Gerhard

    Das, was Du JETZT sagst, ist mehr greifbar und im Realen verwurzelt. Die zwei Statements, die ich rausgegriffen habe, waren zu pauschal – und auch sachlich nicht richtig.
    Ich persönlich kenne z.b. Männerfreundschaften, in denen über alles gesprochen werden kann und auch wird. Einfach dadurch, daß wir einst, vor über 15 Jahren, gemeinsam eine Therapiegruppe besucht hatten.
    Das Beispiel mit der Reportage stimmt wohl so im allgemeinen. Wenn das so ist, liegt die Tragik doch darin, daß das Trauma im Mann tief drinnen brodelt, wo es eigentlich nur Schaden anrichten kann, während die Frau MEIST offen trauern kann. Als mein jüngerer Bruder sterbenskrank wurde, erlitt mein älterer Bruder einen Gehörsturz, der ihm seitdem blieb. Ich bekam zeitweilig eine Depression. Wer will darüber richten, wie jemand, Mann oder Frau, auf einen Verlust reagiert?

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    1. Thinkabout Artikelautor

      Lieber Gerhard,

      Es geht nicht um ein Richten. Es ist eine Feststellung, eine Beobachtung, und darin liegt sehr wohl ein Leid.
      Dazu gibt es noch eine Anekdote, die ich durchaus auch typisch, gerade für Männer halte:
      Ein Freund von mir, der eine Gesprächstherapie machte, reagierte darauf so, dass er sofort eine Männergruppe gründen wollte, mit dem Anspruch, das Gelernte weiter zu geben.
      Auch ich habe so eine Freundschaft, in der Mann über alles reden kann. Aber sie sind sehr selten. Und wir merken viel früher an als Frauen, dass wir etwas Besonderes haben, weil dieses Besondere manchen nicht geschieht.
      Sie haben ganz andere Lebensstrategien mit auf den Weg bekommen.

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