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01.Juli 2015, 0:40

Asthma – Staunen über den Körper

Wie oft habe ich mein Asthma schon verflucht? Nein, ich will es nicht zulassen, diesen Hader. Ich kann es ja nicht ändern. Aber positiv stellen kann ich mich dazu. Und in der schwierigen Erfahrung, wenn die Luft wegbleibt, auch ein Staunen lernen:  Wer Mangel kennt, aber nur teilweise, der weiss vielleicht ein bisschen besser zu schätzen, wie viel Seligkeit im Normalen liegt…

Ich spiele gerne Tennis. Regelmässige Leser wissen das längst, und womöglich nerve ich gar oft genug damit. Aber es ist nun mal mein Lieblingssport, und er hält mich einigermassen fit, da ich einfach nicht der Typ für einsame Joggingrunden bin, bei denen mich höchstens mal ein kläffender wadenbeissender Köter begleitet… Nun, beim Tennis ist es so, dass die Belastungen eher intervallmässig auftauchen. Aus dem Stand in die Bewegung, womöglich gar in den Sprint. Das ist exakt das Muster, bei dem Leistungsasthma am schnellsten ausbrechen kann – und das Fiese daran ist, dass ich nie im voraus genau weiss, wie anfällig ich gerade auf einen Ausbruch bin? Also prophylaktisch immer die Pulle mit dem Kortisonspray nehmen? Das kann es eigentlich nicht sein – womit mir halt dann manchmal diese Erfahrungen blühen:

Wie viel Sauerstoff als Lebensenergie und Kraftstoff unser Blut in die Muskulatur pumpt, in alle Extremitäten unseres Körpers, ist ein Wunder. Und wenn mich Asthma behindert, spüre ich das. Ich spüre nicht nur die Enge in der Brust und die allgemeine Atemnot, ich registriere auch die Kraftlosigkeit in den Beinen, so dass ich mich dann gar nicht richtig zum Ball stellen kann. Es fühlt sich an wie die Übersäuerung einer überstrapazierten Muskulatur – nur ist es in meinem Fall dann so, dass ich sie gar nicht erst beanspruchen kann, wie ich möchte.

Womit ich zum Anfang zurück komme: Ja, das ist zwar ein Frust, und es kann irgendwie auch Angst machen. Aber es ist auch die Chance zum Staunen über die Power, die unser Organismus laufend für uns bereitstellt, wenn wir – völlig unbewusst – atmen. Unser Kraftwerk würde sehr viel mehr Pflege und Wartung verdienen. Und damit meine ich nicht das Doping, das ich ihm zuführen muss, um normale Leistung erbringen zu können.

 

3 Gedanken zu „Asthma – Staunen über den Körper

  1. Gerhard

    Wissen Deine Gegner, daß Du aus Angst vor dem Asthma vielleicht nicht nach jedem Ball sprintest?
    Manch einer, der das nicht weiß, denkt sich vielleicht das Verkehrte: Zu faul, zu alt, was auch immer.

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    1. Thinkabout Artikelautor

      Oh, in einer solchen Situation mache ich mir diese Gedanken nicht mehr… Ich stelle allerdings fest, dass ich vor dem Match den Spray, wenn ich ihn denn nehme, “heimlich” nehme. Es soll sich niemand “geniert” fühlen – oder wettkampfmässig gedacht, darauf gebracht werden, ich könnte Probleme bekommen.

      Wenn die Luft da ist, bin ich zudem recht flott unterwegs, so dass es dann erst recht ein Bruch ist, gerade so, wie bei jemandem, der über rein gar keine Grundkondition verfügt.

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  2. Gerhard

    Im Sport muß man manchmal Niederlagen hinnehmen, die völlig einer aktuellen Katastrophe geschuldet sind.
    Ich kann mich an einen Jugendlichen erinnern, der mich schlug und danach mit seinen Kumpeln darob feixte – ich hatte aber da gerade den Tod meines Bruders zu verkraften und konnte eigentlich nicht spielen, lies mich aber dazu vom Mannschaftsführer überreden.
    Auch kann ich mich erinnern, mal gegen einen Topspieler leicht gewonnen zu haben. Ich erfuhr später, daß er starb und deshalb vermutlich da schon krank gewesen war. Davon wusste ich überhaupt nichts in der aktuellen sportlichen Begegnung.

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