Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


5 Minuten Betroffenheit über unser Unvermögen

∞  15 Februar 2012, 12:16

Da hält eine junge Lady, ein Teenager aus Kanada vor einem UN-Kongress zu Umweltfragen eine Rede und hält den Damen und Herren Politikern den anklagenden Spiegel der Jugend vor, die danach fragt: Was tut ihr eigentlich? Was redet ihr und was macht ihr?

Es kommt all das zum Ausdruck, was wir Erwachsenen im besten Fall gönnerhaft das Recht der Jugend auf Utopien nennen. Doch die betroffenen bis höchst aufmerksamen Gesichter im Saal zeigen deutlich, dass das Mädchen einen Nerv trifft:

Sie hat recht. Also: Reinhören und sehen!

Direkt auf youtube: The girl who silenced the world for 5 minutes


  1. LD · 15. Februar 2012, 23:31 · #

    Nur sind das nicht ihre eigenen Worte, nicht die Worte eines Kindes. Kinder drücken sich in diesem Alter nicht so aus! Diese Rede ist offensichtlich von Erwachsenen geschrieben worden. Dass sie ihr ganzes Taschengeld dafür zusammengekratzt hat, um 5’000 km zu reisen und diese Rede zu halten, klingt nicht glaubwürdig. Dieses Video illustriert die Manipulation der “öffentlichen Meinung” sehr gut.

    Das erinnert mich an den “Augenzeugenbericht” des 15-jährigen Mädchens vor dem US-Kongress, das in einem Spital in Kuwait das angebliche Massaker von irakischen Soldaten an Kleinkindern und Säuglingen mitansehen musste und selber nur durch Zufall überlebt hat (siehe YouTube). In Wahrheit war sie die Tochter der kuwaitischen Botschafters in den USA (man achte auf ihr fast perfektes Englisch!). Diese Rede war die ultimative Legitimation der USA zum Einmarsch im Irak 1991 unter George Bush sen. Siehe auch Nation of Lies. Zum Vergleich ein Video von Mädchen in diesem Alter.

    Die ganze Welt ist ein Theater mit vielen Rattenfängern!

  2. Thinkabout @LD · 18. Februar 2012, 12:14 · #

    Es ist gut möglich, dass die Rede von Erwachsenen geschrieben wurde – oder in einem Projekt von Erwachsenen begleitet und in einer Gruppe erarbeitet.

    Dennoch steht die junge Dame leibhaftig da hin und hinterlässt Wirkung. Diese Art der Manipulation der öffentlichen Meinung lasse ich mir gern gefallen. Sie findet auf der anderen Seite der Skala ebenfalls statt – in einer Weise, die mich einiges unheimlicher anrühren dürfte, wüsste ich in jedem Fall davon.

    Das Beispiel des Augenzeugenberichts aufzuführen, ist okay – aber nicht als Vergleich zu diesem Vorgang, von dem hier erzählt wird. Das sind verschiedene Kategorien, finde ich. Und: Wenn Menschen unterschiedlich sind, dann gilt das ganz bestimmt erst recht für Entwicklungsstadium und Persönlichkeit im Teenager-Alter.
    Niemand muss meinen, dies wäre eine spontane Anklage ohne entsprechende Vorbereitung. Den Wahrheitsgehalt und die Authentizität der angesprochenen Missstände schmälert das im Übrigen überhaupt nicht.

  3. LD · 20. Februar 2012, 22:00 · #

    “Diese Art der Manipulation der öffentlichen Meinung lasse ich mir gern gefallen.”
    Dem kann ich so nicht zustimmen. Meinungs-Manipulation finde ich grundsätzlich ein Ärgernis und werte sie als einen Versuch zur Beleidigung meines Intellekts, ganz gleich welche Ziele damit verfolgt werden. Manipulation trifft bei mir immer einen Nerv – jedoch einen, den lieber niemand treffen sollte.

    Inhaltlich teile ich die hier vorgetragenen Anklagepunkte “des Mädchens” durchaus. Gier, Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung und die damit verbunden Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft und unseren Lebensraum stellen vor allem auch langfristig ein existenzielles Problem für die gesamte Menschheit auf dem Planeten Erde dar. Doch gerade deshalb sollte man berechtigte Anliegen nicht mit manipulativen Mitteln in Misskredit bringen und des Anscheins der Unglaubwürdigkeit auszusetzen.

    Gerade, wenn es um eine ehrliche, offene, transparente und konstruktive Lösungsdiskussion gehen soll, ist jegliche Art von Manipulation kontraproduktiv.

  4. Thinkabout @LD · 20. Februar 2012, 22:22 · #

    Oha, das ist ein interessantes Thema!

    WAS bitte, ist denn am Ende an diesem Beispiel wirklich manipulativ? Werden Fakten verdreht? Wird die öffentliche Meinung suggestiv zurecht gebogen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man, hört man ihr zu, auf Schritt und Tritt findet: Sie hat recht. Und sich alsbald in den Gesichtern wiederfindet, die dem Mädchen zuhören. Wirklich zuhören, meine ich.

    Es mag ja sein, dass da ein Kniff darin liegt, dieses Mächen spontan erscheinen zu lassen, eigenständig, während sie doch Stellvertreterin ist in einer Aktion, hinter der eine Gemeinschaftsarbeit steht? Also, ich kenne mehrere Mädchen in deren Alter: Wenn die das hören, finden sie, dass dieser Teenager für sie selber spricht. Manipulativ daran ist einzig, dass man schlau genug war, diese Bühne zu besetzen und es dann auch zu verbreiten. So manipulativ eben wie jedes Medium – wie ich selbst als Blogger, wenn ich mit dem Kalkül, was warum andere interessieren könnte, meine Artikel auswähle und gestalte.

    Was, bitteschön, hindert uns anhand dieses Vortrags, die von Dir gesuchten und gewünschten Lösungsdiskussionen wirklich zu führen? Denn am Ende, lieber LD, haben wir in uns diese Stimme, die sagt: Sie hat recht. Die Menschen, die mit ihr im Namen unserer Jungen sprechen, haben recht.


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