Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Aber ja

∞  13 Dezember 2007, 20:25

Am 18.10.04 schrieb ich:

Aber ich würde es gerne tun.
Aber ich traue es mir nicht zu.
Aber…
Ich bin ein “Aber-“Mensch.
Kann ziemlich langweilig sein mit einem Typen, der sich die negativen Antworten immer gleich selbst gibt.



Was dieses “es” bezeichnet, ist dabei individuell und nicht so wichtig. Egal, für was “es” steht, das “Aber” kommt von allein, wenn man mal in den Zustand des Haderns eingespurt hat.

Doch nichts gibt so wenig Halt wie der Vorbehalt. Er lässt einen kaum aufrecht stehen sondern stets das nächste Bänkchen suchen. Nicht für die stille Rast oder die Kontemplation in gesuchter und nicht gefürchteter Leere, sondern weil die Mutlosigkeit weiche Knochen beschert. Es lässt sich leicht Klagen – und schwer daraus heraus finden.

Ich habe meinen eigenen voraus springenden negativen Gedanken zum Teil konkrete Schritte entgegen gesetzt – anderen springe ich noch hinterher…

Aber – und dieses Aber wendet sich nun gegen den beschriebenen Hader – seit Oktober 2004 schreibe ich tatsächlich täglich. Ohne zu fragen, was das soll. Der Antrieb dazu reicht völlig aus. Eine Sinnfrage darüber hinaus stellt sich nicht.

Das ist Luxus. Freude. Erfüllung manchmal. Meist wenigstens ein Ventil, ein mögliches Nadelöhr, durch das sich die inneren Umtriebe durch Beschreibung nicht verwandeln, aber beruhigen lassen, und manchmal gar abbauen – wenn Worte zu echtem Erkennen führen, als führte ich mich selbst durchs Nadelöhr.

  1. Caro · 13. Dezember 2007, 20:34 · #

    Zum Thema “Nadelöhr” muss ich natürlich noch ein Kamel liefern – mit dem klangvollen Namen “Chemdah”.

    Und weisst Du was?
    Schön, dass es einen schreibenden Thinkabout gibt!

  2. WerkRaumLebensArt · 14. Dezember 2007, 12:47 · #

    ja aber ist das eine, um nicht von Gewohntem abzuweichen , auf seinem Bänklein zu sitzen, ins Weite zu schauen und dem Sehnen ja nicht begegnen zu müssen, denn was hätte man sonst noch zum Sehnen
    dann ja aber gibts doch da noch die Hinterfrager – wieso denn so, warum denn dies, weshalb denn jetzt, warum denn das – was machts für Sinn, was wills mir sagen – oh all diese Fragen

    und wieder kommt mir folgender Prolog von Rainer Maria Rilke in meinen Hinter-Sinn
    “... und ich möchte sie, so gut ich es kann, bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen sie jetzt nicht nach den Antworten, die ihnen nicht gegeben werden können, weil sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.”

    nun das tägliche schreiben, ohne die Sinnfrage dahinter im Nacken zu spüren … neidvolle aber nicht missgünstige Bewunderung…
    etwas tun weil man es will, weil man weiss, es ist richtig, egal was andere sagen denken tun, so ohne jeglich schlechtes Gewissen …
    Luxus. Freude. Erfüllung. Ventil. Ja all dies. So frage ich mich – schon wieder doch wieder – was wenn ich wie sie einfach schreiben, davon leben könnte. Oder leben könnte nur im schreiben. Ich bin ja schon froh und dankbar hab ich einen Job, der mir dies nicht einfach nur schreiben können, nicht schwer macht.


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