Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Am Flughafen bleiben

∞  28 September 2007, 20:39

Ich liebe diesen Touch des Subversiven im stillen gegensätzlichen Verhalten zum Strom der Menschen, zur Idee eines Ortes, zur Motivation der Mehrheit.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren zum Flughafen. Wie viele tausend andere Menschen auch. Aber Sie fahren nicht hin, um zu verreisen oder jemanden abzuholen. Sie gehen hin, um inmitten von all diesem Kommen und Gehen – zu bleiben. Sie sind der einzige Mensch, der kein Ziel hat. Es vielleicht gar nicht braucht. Oder schon angekommen ist. Oder noch gar nicht weiss, wo er hin will.
Sie kommen nicht an und reisen nicht ab. Um Sie herum eilen die Leute – oder sie flanieren mehr, um die Zeit tot zu treten, bis die Reise beginnt.

Vielleicht beschleicht Sie das Gefühl, viel eher am Rand zu stehen denn in der Mitte all dieses Treibens. Sie sind wie aussen vor. Allerdings führt das dazu, dass Sie die Menschen zu beobachten beginnen, als beobachteten Sie sich selbst. Wie ist das, wenn ich selbst unterwegs bin? Ich kenne ja dieses Gefühl, das Schweben, das Beklemmung wie Freiheit sein kann, das zwischen zwei Orten Sein oder eben nicht Sein, das Unbestimmte, Ungebundene vielleicht, das doch in ein Ankommen münden soll. Wer wird nicht erwartet? Zumindest von Erwartungen… Am Ende werden wir immer eingeholt. Die Frage ist nur, ob wir dann noch die selben sind.

Und die Einsamen, die nicht abgeholt werden und stattdessen zielstrebig zum Ausgang steuern oder suchend verloren ihren Schritt verlangsamen: Wer ist wirklich einsam? Wie reist es sich in der inneren Einsamkeit? Wie entflieht man der Gruppe, um für sich und zu sich reisen zu können?

Mit jedem Menschen ziehen tausend Geschichten vorbei. Hier sind sie irgendwie zu spüren. Zu fühlen. Selbst das Reinigungspersonal bewegt sich auf einem Flughafen anders als in anderen öffentlichen Gebäuden. Oder schauen wir nur anders hin? Hier, wo sich eh Welten begegnen oder zumindest kreuzen?
Sie tun es auf einem kalt glänzenden, reflektierenden Boden. Sauberkeit ist, wenn wir keine Spuren hinterlassen…



Bildquelle: Katrin Wengle bei profi-ranking.de
Neue Abflughalle Flughafen Zürich
Ablage: Themen lyrisch-meditativ und Achtsamkeit


  1. Tina · 29. September 2007, 06:28 · #

    Wunderschön, Deine meditativen Betrachtungen vom Reisen, Thinky! Dieser Eintrag läd dazu ein, sich gedanklich mal neben Dich zu setzen und Dich in Deinen Überlegungen zu begleiten….

    Dann seh ich das bunte Treiben, das Kommen und Gehen, das Glück dableiben zu dürfen, willkommen zu sein – ebenso wie die Sehnsucht weit wegfliegen zu wollen, um Neues zu erleben, erstrebenswerte Chancen zu nutzen….

    Letztendlich sind wir doch alle allein unterwegs, mit ungewissem Ziel, immer auf der Suche, mit Träumen und Sehnsüchten im Gepäck – ohne Gewissheit und Garantie, wie unser Weg verlaufen wird….Immer verbunden mit der Chance, Begleiter und Freunde zu finden, die uns ein Stück des Weges begleiten….

    Ich würde gerne Spuren hinterlassen, die nicht am nächsten Morgen weggewischt werden können…


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