Ambivalenz gegenüber Pädophilen?
Ein bekennender Pädophiler wird Kirchenverwaltungsrat und Aktuar einer Pfarrei. – Zeichen der Toleranz oder Symptom einer inneren Kirchenproblematik?

In einem Bericht auf sf-tagesschau-online lese ich von einem bekennenden Pädophilen, der neu als Kirchenverwaltungsrat und Aktuar der Pfarrei St. Johannes in Murg (SG) tätig ist und die Website der Pfarrei betreibt – sowie eine eigene Pädophilen-Webite. Auf letzeter macht er offenbar kein Hehl aus seinen Neigungen und verteidigt ausführlich die Gefühlswelt von Pädophilen, während er den Umgang der Medien mit seinesgleichen scharf kritisiert, wie der Blick schreibt. Beat Meier, einer der schlimmsten Kinderschänder der Schweiz, der jahrelang seine Stiefsöhne missbraucht hat, ist nach dem neuen Kirchenverwaltungsrat ein Opfer eines Justizirrtums.
Der Kirchenratspräsident hat mit alledem kein Problem. Er weiss, dass der Mann zu seiner Veranlagung steht, dass die Bevölkerung es auch weiss, hält er hingegen nicht für nötig. Die wurde vor der Wahl des Mannes nicht informiert. Man kann es ja auch übertreiben mit der Information, denn schliesslich hat sich der Mann nix zuschulden kommen lassen.
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So weit, so skandalös. Doch was mich weit mehr beschäftigt, ist der Tenor in vielen Kommentaren zum Artikel, die allerdings in der Zwischenzeit gesäubert wurden.
Darin war erstaunlich viel Nachsicht mit dem Verhalten der Murger Kirchenoberen auszumachen, samt Sympathie mit dem Mann, der offen zu seinen Neigungen stehe und schliesslich auch keine Straftat begangen habe.
Wie soll man den ganzen Vorfall nun wirklich werten?
Gilt das Prinzip der freien Berufswahl und Ausübung von Ämtern nach der Unschuldsvermutung für Jedermann in allen Positionen? Lindert bzw. beseitigt das freie Bekennen zu einer Neigung die gesellschaftlich angebrachten Vorbehalte gegenüber solchen Personen?
Wenn ein Pädophiler in seiner Neigung selbst kein Problem sieht, sondern seine Gefühlswelt als harmonisch und intakt empfindet , das öffentlich kommuniziert, sich also immerhin der Diskussion stellt, ist denn damit genügend gewährleistet, dass er sich nach den Regeln dieser Gesellschaft auch tatsächlich verhält?
Wir alle lieben Kinder. Aus dieser schwammigen Erkenntnis wächst oft ein Gefühl, scheinbar zu “verstehen”, was in einem Pädophilen vorgeht. Und es ist auch ein Grund dafür, dass Pädophile oft tief in sich das Gefühl kultivieren, ihre Regungen wären durchaus natürlich.
Das Verhalten der Kirchenverwaltung in Murg zeigt die üblichen Differenzen, wenn es um die Gewichtung verschiedener sexueller Neigungen geht. In einem Kommentar wurde es sinngemäss sehr schön festgehalten:
Pädophilie wird ganz offensichtlich ganz regelmässig “natürlicher” gesehen als Homosexualität oder Sex vor der Ehe, geschweige denn eine Scheidung. Ein Treffen zwischen Pfarrer und Kind scheint auch deutlich weniger problematisch zu sein als eines zwischen reformierten Pfarrern (und Pfarrerinnen!) und katholischen Priestern…
Da ist viel Bitterkeit zu spüren und Resignation. Und sie kann leicht aufkommen. Doch dann will man sich auch wehren, wenn man selbst Menschen kennt, die unter sexuellem Missbrauch als Kind bis heute leiden und denen es den Magen umdreht, wenn sie von der Kirche in Murg lesen. Und dabei geht es nicht nur um den neuen Aktuar der Pfarrei. Es geht um den vermissten Schutz, der wieder erlebt und gefühlt wird. Man war allein mit der Situation und ist es, solche Berichte beweisen es, irgendwie immer noch.
Verbrechen stellen die Gesellschaft immer auf eine Probe: Eine Straftat muss gesühnt werden – und irgendwie am Ende auch vergeben. Opfer aber müssen auch dann mit der Tatsache fertig werden, schutzlos gewesen zu sein. Dazu bleibt auch noch haften, sich immer wieder erklären zu müssen, unverstanden zu bleiben, ganz abgesehen davon, dass man höchstens mit anderen Opfern teilen kann, was man erfuhr. Sie wünschen sich nichts so sehr, wie doch “normal sein zu können” – oder es wieder zu werden. Normal empfinden, normale Sicherheit, Anerkennung fühlen, frei von jedem Stigma.
Wenn ein bekennender Pädophiler frei von solchen Nöten ist, so mag man das verstehen oder nicht. Eltern werden hierzu bestimmt eine eigene Meinung haben…
[Blidquelle: swissinfo mit weiterem Artikel zum Thema: Verjährung für pädophile Taten soll bleiben]
Update vom 11. August, 19h05:
Sex mit 15-jährigem Jungen zugegeben
Mittlerweile ist im Blick eine Nachfolgestory erschienen. Darin wird auf einen Text in der Taz aus dem Jahre 2002 verwiesen, in dem der Mann portraitiert wird – und dieser eine sexuelle Beziehung eingesteht, die er als 43-jähriger mit einem 15 jährigen Jungen eingegangen ist (den er schon kannte, seit dieser zehn war) – und die zwei Jahre gedauert hat.
Er habe schon immer Jungen in der Nähe gehabt und sei in einen verliebt gewesen. Auch die Buben hätten ihn zärtlich geliebt, heisst es schon zuvor.
Wie gesagt, das allergrösste Problem ist das fehlende Unrechtsbewusstsein: Es wird spätestens jetzt für alle, die unter solchen Konstellationen schon gelitten haben, zur Qual, solche Dinge nur lesen zu müssen.
Und hier ist einer längst in einer selbstgerechten heiligen Mission unterwegs, wenn er sagt, anscheinend vom Blick aus einem Brief an den Dorfpfarrer zitiert (der ihn, immerhin, zum Rücktritt aufgefordert hat):
«Ich steige dir nicht auf den Opferaltar». Er werde sich aber dem Volk stellen. «Wenn es mich steinigen will, dann mag es Gottes Wille sein.»
Und darum ist hier in dieser Form auch Schluss. Einfach aufhören zu phantasieren, Leute. Und nicht mehr darüber diskutieren, ob ein Pädophiler denn auch pädophil werde. Sondern allenfalls darüber, wie schädlich das tatsächlich ist. Dann ist nämlich die Gesellschaft als Ganzes gefragt und damit ihre Bereitschaft, einem solchen Tun entschlossen entgegen zu treten oder schwammig von guten Absichten der Betroffenen auszugehen…
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Nachtrag: Der Artikel Idaplatz ist in die Sektion “ERZÄhlt” verschoben worden.

zentao · 9. August 2008, 20:20 · #
ich will niemanden verurteilen,meiner Meinung nach sind Pädophile Männer, die in sexeller hinsicht immer noch bei den Sexspielen vom Kindergarten sind und bis jetzt noch nicht Erwachsen sind. Pädophile Männer haben auch Angst vor Frauen. Aber diese Sorte Mann(Kind) hat überhaupt keine Einsicht und sollte Unbedingt von allen Jops mit Kindern ferngehalten werden. Das Verurteilen von diesen Menschen bringt nicht viel, weil die Ursache wie so oft in der Kindheit liegt. Diese Menschen brauchen dringend Hilfe, es ist ein tiefes Problem von Begierde. Das ist auch eine Sucht, wie die anderen Süchte auch.
Liebe Grüsse zentao
Caro · 9. August 2008, 22:15 · #
Meiner Meinung nach sollte man in dieser Situation nicht die Position des Pädophilen beleuchten, sondern die der Opfer. Denn sie sind wehrlos, werden in unserer Gesellschaft zu einem ungesunden Authoritätsverständnis erzogen, das ihnen ein Nein gegenüber Personen, die eine gewisse Macht oder Authorität ausüben, vernunmöglichen: Vater, Onkel, Nachbar, Lehrer – Personen im Umfeld einer Kirchgemeinde, mit denen sie im Zusammenhang mit dem Kommunions-Unterricht in Kontakt treten können.
Alleine schon das Betrachten eines Kindes mit unnatürlichen Hintergedanken verletzt dieses, auch oder erst recht, wenn man diesem erklärt, man habe als Arzt oder als Vater das Recht darauf.
Zu Murg: Auch, wenn sich der Herr keiner Straftat bewusst ist – ich gehe davon aus, dass er gewisses pädophiles Material konsumiert. Und damit definiert er einen Markt, dessen Nachfrage gesättigt werden will. Und dies ganz sicher nicht mit Zeichentrickfiguren oder animierten Knetmasse-Figuren.
Ich weine um jedes missbrauchte Kind dieser Welt und wünsche mir von Herzen ein statuiertes Exempel.
Thinkabout · 9. August 2008, 22:16 · #
Nun, Zentao, diese Männer sind sehr wohl erwachsen, was ihren Sexualtrieb betrifft. Und ihre Sexspiele haben überhaupt nichts mit Kindergarten oder Sandkasten zu tun. Tatsache ist, dass sich hier vielmehr eine ausgewachsene Katastrophe in den Porzellanladen von Kindergefühlen auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit verirrt – und unreparablen Schaden anrichtet.
Wahrscheinlich ist es darüber hinaus so, dass nirgends eine so klare Ansage angebracht ist, wie bei dieser Art Straftaten: Es geschieht unsägliches Unrecht! Punkt. Denn nur so werden sich Kinder eher getrauen, daran zu glauben, dass Erwachsene keine Autorität über ihren Körper besitzen. Und sich wehren bzw. zu erkennen geben, was geschieht.
Marianne · 9. August 2008, 22:21 · #
Pädophile Taten sollten nie verjährt werden. Kinder, die Opfer solcher Täter, leiden ein Leben lang an dem, was ihnen angetan wurde. Wer je einem Kind in seine unschuldigen, vertauensvollen Augen geblickt hat, kann unmöglich einem Menschen verzeihen, der dieses Vertrauen missbraucht hat. Mit Sucht oder Krankheit kann und darf nicht alles schön geredet werden. Auch und gerade, wenn heutzutage fast alles “irgendwie” erklärt und für normal befunden wird. Der Schutz der Opfer geht unbedingt vor.
Titus · 9. August 2008, 23:46 · #
Als ich diesen Artikel vor kurzem lass, kam mir spontan die so genannte Verwahrungsinitiative in den Sinne (eine der wenigen Initiativen, welche vom Volk angenommen wurde). Es ist widersprüchlich: Die einen sperrt man lebenslänglich weg und den anderen lässt man den üblichen Freiraum.
Ohne Pädophile in Schutz nehmen zu wollen, sind sie selber bei sachlicher Betrachtung auch Opfer. “Von Natur aus” wird niemand zum Pädophilen. Wie Zentao meine ich auch, dass Pädophile Hilfe brauchen. Und: Sie sollen nicht aus der Gesellschaft ausgegliedert werden, sollen aber auch nicht in grossen Menschenmengen verkehren dürfen (wo sie in Versuchung geraten).
Können und/oder dürfen präventive Massnahmen wie z. B. eine psychologische Behandlung zwingend angeordnet werden (strafrechtlich steht er ja sauber da)? Vor allem aber: Bei ihm weiss man es, er hat oder wurde geoutet. Was ist mit all den anderen? Wie erkennt man sie, ohne gleich zu (vor)verurteilen (im Sinne von “darf ein Vater noch seine Kinder umarmen, ohne gleich als Pädophiler dazustehen)?
Es ist eine ziemliche Gratwanderung…
Hoffnung sehe ich darin, dass in Zukunft jene Faktoren ausgeschalten werden, die jemanden zu einem Pädophilen werden lassen. Darüber wissen wir in der breiten Öffentlichkeit sehr wenig (viele Eltern sind ja an sich schon mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, wie bringt man ihnen noch dieses “Kapitel” bei?).
Schliesslich noch eine andere Frage: Ist das nur ein Thema, dass bei Männern vorkommt? Falls ja, woran liegt das (geht auch in den Bereich der oben angesprochenen “Faktoren”, die jemanden zu einem Pädophilen werden lassen)?
Marianne · 10. August 2008, 10:49 · #
@titus
Sie haben ja in vielem recht. Wahrscheinlich sind die Eltern auch schuld, wenn ein Mann zum Pädophilen wird. Zu strenge Mütter, die alles, was ein Kind tut, gleich als abnormal abstempeln. Bei denen ein Kind immer und überall blitzsauber sein muss. Die bis ins Teenager-Alter kontrollieren: wäscht er sich sauber? Was tut er allein in seinem Zimmer? etc. etc.
Nur, jeder Mensch kann an sich arbeiten. Seinen Charakter verbessern, seine Manieren. Und jeder Mensch kann sich, wenn er denn will, von seinen Eltern lösen. Selbstständig werden. Hilfe suchen, wenn er Hilfe braucht. Nur denken: ich bin pädophil,
was soll’s? ist sicher auch nicht der richtige Weg.
Warum gibt es nicht, wie AA für Trinker, AP für Pädophile? Wäre doch einen Versuch wert.
Petra · 10. August 2008, 14:20 · #
Ich habe mir mal die Seite dieses bekennenden Pädophilen angeschaut. Was mich sehr gestört hat, ist einfach das fehlende Unrechtsbewusstsein dieses Mannes.
Ein Kind, welches noch keine eigene selbst entwickelte Sexualstruktur entwickelt hat, wird einfach unter dem Deckmantel der überkommenden Gefühle “missbraucht”. Erklärungen, wie: ich war doch nur nett zu ihm (dem Kind) oder: das Kind wollte es doch auch, finde ich einfach nur mehr als schwach und dienen als Deckmantel für eigene Unzulänglichkeiten.
Ich frage mich, was den Mann dazu gebracht hat, eine solche Selbstdarstellung, die kritische Bemerkungen über sein Tun nicht zulässt, in eine Webseite zu verpacken.
Die Opfer leiden meist jahrelang unter diesem Missbrauch, ehe sie in der Lage sind, sich dieses Zustandes bewusst zu werden und meistens auf eigene Kosten therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Die Täter sitzen auf Staatskosten und nach Absitzen ihrer Strafe (sofern sie denn rechtskräftig verurteilt werden) geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Oft sind es sogar hoch intelligente Menschen, die ihr Handeln immer wieder in irgendeiner Form rechtfertigen (wie in diesem Fall – ich kenne leider auch noch ein paar andere Fälle).
Kinder sind schutzbedürftig und das “Nicht-wahr-haben-wollen” oder das “Nicht-hinsehen-wollen” , wenn es um Missbrach geht, sind in meinem Augen ähnlich schlimm.
Wegsperren auf Staatskosten hilft nicht wirklich, therapeutische Begleitung hilft nur, wenn sich die Person auch über ihre fehlgeleitete Veranlagung bewusst ist und aktiv daran zu arbeiten bereit ist. Kastration oder Behandlung mit Medikamenten ist lächerlich, weil das alles im Kopf anfängt.
Ein schwieriges Thema…
Titus · 10. August 2008, 16:52 · #
@ Petra
Jetzt habe ich mir diese Seiten auch noch angeschaut, finde aber keine Erklärungen wie “ich war doch nur nett zu ihm” oder “das Kind wollte es doch auch” (habe ich etwas übersehen?).
Eher das Gegenteil ist der Fall:
“Ich empfinde Kinder als erotisch. Ein Kind kann in mir Gefühle auslösen, die scheinbar ein “normaler” Erwachsener nicht empfindet. Was also ist mit mir? Ich bin nicht “normal”. Nicht der Norm entsprechend, ein Fremdkörper in der Gesellschaft! Oder gar eine Gefahr? Wie verhalte ich mich in dieser „normalen“ Gesellschaft?”
Er unterstreicht auf seinen Seiten aber eine wichtige Nuance: Er EMPFINDET Kinder erotisch. Weiter ist zu lesen: “Wir dürfen einem Kind – einem Menschen – nichts Schlechtes antun! Darunter verstehe ich auch ganz klar das Auslebenwollen von eigensüchtigen Wunschgedanken und Lustbegierden unter der (falschen!) Vorstellung, das Kind würde das in gleicher Weise wollen und empfinden!”
Wofür er sich einsetzt, ist, dass man zwar etwas empfinden kann resp. dürfen können soll. Dies jedoch eigennützig auszuleben hält er für verwerflich. Es geht somit um die Frage, weshalb er Kinder als erotisch empfindet resp. ob er das denn “darf”. Es geht bei ihm “nur” um Gedanken.
Wenn ich ihn richtig gelesen/verstanden habe, dann wäre z. B. der Gedanke einer Mutter, ihr bald erwachsener Sohn wäre ein “knackiger Mann” geworden oder der Gedanke eines Vaters, seine bald erwachsene Tochter hätte sich zu einer “reizvollen Dame” gemausert, nichts schlechtes. Das liesse viele Eltern zu Pädophilen werden… Wie sehen das andere?
Thinkabout · 10. August 2008, 18:46 · #
Ich bin Titus’ und Petras Spuren gefolgt und habe mich ebenfalls nochmals ausführlicher umgesehen. Die Gegenposition eines offensichtlich sehr intelligenten und auch über sich nachdenkenden Pädophilen sieht danach etwa so aus:
Wenn der Verstand über das Kind spricht, dann “weiss” Mann, dass es absolut schützenswert ist und unantastbar.
Bauch und Gefühl aber “empfinden” mehr als sorgende Zärtlichkeit angesichts eines Kindes. Die Gedanken und Gefühle, die das Kind erzeugt, werden durchaus als erotisch bis sexuell empfunden. Und jetzt kommen wir zum Punkt:
Die Tatsache, dass diese Gefühle erlebt werden, sieht der Mann nicht als problematisch an. Sie sind quasi so rein wie das Kind, werden nicht gesucht, sind einfach da.
Dagegen kann der Pädophile nichts und muss er auch nicht, so wenig wie andere Gesellschaftsmitglieder mit anderer sexueller Präferenz gegen ihre Neigungen ankämpfen müssen??
Hier liegt der Knackpunkt: Denn die Gegenseite wird von einem Kind besetzt, das gar nicht auf gleicher Ebene kommunizieren kann, die gleiche Regung gar nicht besitzt. Und bei einer Tat bekommt es in jedem Fall lebenslänglich.
Wenn wir für unsere Empfindungen tatsächlich nichts können, so ist auch nicht zu garantieren, dass in jeder Lebenssituation der Verstand über die Emotion siegen wird. Keiner von uns kann das für sich ausschliessen.
Jede andere angeführte Situation zweier Sexualpartner hat aber eine andere Grundvoraussetzung mit zwei erwachsenen Partnern, die wenigstens biologisch die gleiche Entwicklung mitbringen. Und unter der Vorbedingung, dass keine Notlage ausgenützt wird, mischt sich die säkulare Gesellschaft zumindest vordergründig in keine Begegnung egal welcher sexueller Präferenz ein.
Es ist dem Herrn zugute zu halten, dass er ganz offensichtlich gewillt ist, sein Leben ohne Tat zu meistern, und dennoch ist man komisch berührt, wenn man liest:
[Zitat:] Die Frage bleibt dann aber: Muss ich weiter in meinem Versteck bleiben und ein Doppel- und Mehrfachleben führen, oder darf ich in “ausgewählten Kreisen” auch etwas offener über mein Privatleben sprechen, damit auch in dieser Problematik, die es nun einmal gibt, gesellschaftlich differenzierter umgegangen werden kann?? [Zitat Ende]
Sie haben “in dieser Sache” ein Privatleben? (Natürlich hat er eines, es geht gar nicht anders). Wie sieht denn Ihr Doppel- und Dreifachleben aus? Wie befriedigen Sie Ihr Begehren real?
Das Problem des fehlenden Unrechtsbewusstseins ist fatal: Der Betroffene fühlt sich in seinem Gefühlshaushalt wohl, er will auf diese Empfindungen nicht verzichten (Frage an die Psychiatrie: Kann er es überhaupt?).
Versuchen Sie einmal, ihre eigenen sexuellen Regungen nicht aufkommen zu lassen, zumal, wenn sie sich dabei durchaus wohl fühlen…
Wie weit lässt sich präventive Therapie anbieten, zwingend verordnen? Kann sie überhaupt greifen? Wie gut oder schlecht funktionieren Verhaltensregeln, Krücken, die von Pädophilen, die in keinem Fall straffällig werden wollen, im Ernstfall angewandt (und auch abgerufen) werden können?
Mara · 10. August 2008, 20:58 · #
In solchen Momenten bin ich sehr froh, dass wir ein Tat-Strafrecht haben. Bestraft wird die Tat, bzw. die Vorbereitung zur Tat.
Auf diese Art und Weise ist alles im Vorfeld ein Thema zur Diskussion. – und man kann relativ offen- so wie hier- die Frage aufwerfen was gut und was schlecht/strafbar sein soll.
Und die Gesellschaft erwartet von dem Einzelnen, dass es sich dem Tatkodex der Gesellschaft anpasst -es besteht kein Zwang konform zu denken, denn dies Einzufordern ist illusorisch.
Titus · 10. August 2008, 21:04 · #
Da möchte ich doch noch betonen, dass ich im vorgängigen Kommentar nur erwähnt habe, was er schreibt und wie er denkt oder empfindet. Das war nicht etwa meine Meinung! Die folgt jetzt:
Ein Problem kann man erst behandeln, wenn man es akzeptiert. Wo etwas nicht akzeptiert wird, sieht man(n) auch keinen (Be-)Handlungsbedarf. Insofern ist es schon mal gut, dass er darüber schreibt, denn damit akzeptiert er seine Neigung.
Aber – er ist noch nicht soweit, seine Neigung auch als Problem zu sehen. Ist es ein Problem, wenn es sich ja “nur” im Kopf (oder meinetwegen im Bauch) abspielt?
Ich meine ja, denn: Wer gegenüber einer anderen Person etwas empfindet, erwartet irgendwann einmal Zuspruch, sonst “versauert” dieser Mensch auf die Dauer – oder es kommt zu einer Eskalation (resp. zu einem sexuellen Übergriff).
“Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne” bekommen wir in jungen Jahren zu hören, wenn wir gegenüber einer Person etwas empfunden haben, dies jedoch keinen Zuspruch/keine Erwiderung fand.
Im Fall oben wird das aber noch dramatischer, denn er weiss eigentlich schon im Voraus, dass er nie diesen Zuspruch erhalten wird. Von sich aus wird er deshalb entweder versauern oder – es kommt zur Eskalation. Oder aber er ist einsichtig genug zu erkennen, dass nur eine psychogische Behandlung helfen kann, seine Neigung zu verändern… Es wäre bestimmt auch eine Befreiung für ihn, wenn er diesen Schritt wagen würde.
Petra · 11. August 2008, 11:19 · #
Ich habe noch mal ein “thinkabout” gemacht; das Thema ist wirklich schwierig.
Es ist richtig, dass in der betreffenden Webseite nichts davon steht, dass die Betroffenen (Kinder) “es doch gewollt” hätten. Das dient in den meisten Fällen den Pädophilen als lahme Begründung, weshalb ich das erwähnt hatte.
Ich glaube eher, dass ein Pädophiler von der Art der bedingungslosen Liebe eines Kindes, die keine Forderungen stellt, so angetan ist, dass er sich dem nur schwer oder eben gar nicht entziehen kann. Ein Erwachsener, der auf gleichem Level stehen würde, verhält sich einfach anders. Und ich glaube, dass hier einfach in vielen Fällen die Ursache liegen könnte.
Ein Pädophiler ist dann vielleicht auch eher geneigt, die Liebesbedürftigkeit eines Kindes, die aber einen ganz anderen Hintergrund in sich trägt, für seinen sexuellen Trieb zu deuten (oder zu nutzen).
Ein “‘gesunder” Verstand mahnt einen rechtzeitig und erinnert einen daran, verantwortungsvoll mit einem ihm anvertrauten Kind umzugehen. Der “fehlgeleitete” (ich vermeide jetzt mal das Wort “krank”) fängt dann wohl an, zu sexualisieren.
Eine Riesenwut treibt mich, dies zu schreiben, auch wenn ich versuche, es so vorsichtig wie möglich zu formulieren. Ich glaube, das wichtigste wäre in meinen Augen, seinen Kindern eine stabile und gesunde Basis im eigenen Elternhaus angedeihen zu lassen. Starke Persönlichkeiten aus kleinen Menschen machen, die sich wehren können, die ein entschiedenes Nein klar formulieren können, die ein gesundes Gefühl für Recht und Unrecht in sich entwickeln können (alles unter der Obhut der “gesunden” Eltern).
Kinder, die ihren eigenen Eltern nicht trauen, oder gar von ihnen verraten wurden, sind dann schon erste potentielle Opfer.
Marianne · 11. August 2008, 14:36 · #
@petra
Kinder mit einem gesunden Selbstvertrauen und einer starken Persönlichkeit sind ganz sicher im Vorteil. Was aber ist mit den Babies, die solchen “Tätern” in die Finger fallen. Die können sich noch nicht wehren. Ebenfalls Kinder bis 4 Jahre. Die begreifen doch gar nicht, was da vor sich geht, die leiden und können sich in keiner Art und Weise verteidigen. Wenn ich dann noch lese, dass solche Männer in Kindergärten angestellt werden, dann kommt mir die Galle hoch. Wenn die potentiellen Pädophilen erfasst und psychologisch betreut würden, brauchte es diese Betreuung nicht lebenslänglich für die Opfer.
Petra · 11. August 2008, 18:03 · #
an Marianne
ja, mir dreht sich gerade der Magen um und ich könnte fast heulen vor Wut, weil ich weiss, dass es das auch gibt; geheim gehalten unter dem Deckmantel der Elternschaft. Kinderärzte sollten auch hier genauer hinsehen, wenn dort Kleinstkinder in die Praxis gebracht werden mit “scheinbar unerklärlichen” Entzündungen im Genitalbereich. Übrigens gibt es auch Frauen, die sexuelle Übergriffe machen, nur sind sie eindeutig niedriger in der Zahl, als Männer.
Aber die psychologische Betreuung greift auch erst dann, wenn die Täter wirklich willens sind, aktiv mit zu arbeiten. Ich kenne leider jemanden, der das als Auflage bekommen hat und jetzt einfach seine “Pflichtstunden” abgesessen hat. Danach ging’s munter weiter. Deswegen bezweifle ich auch, das man solche Menschen jemals wirklich heilen kann. Ich spreche hier leider aus eigener Erfahrung.
Thinkabout · 11. August 2008, 18:29 · #
@Petra
Tausend Dank für Deine Kommentare – gerade auch, weil es so ein schwieriges Thema ist!
Ja, richtig, er schreibt nichts davon, dass “die Kinder es doch gewollt hätten” – weil damit das “Privatleben” auf praktische Erfahrungen schliessen würde.
Mittlerweile ist das aber sehr wohl erhellt – und leider so, wie es zu befürchten war. Das update folgt in Kürze (am Ende des Artikels).
Das Verfluchte ist das fehlende Unrechtsbewusstsein, das Berauschtsein am eigenen guten Gefühl der beschützenden Zuneigung für das Kind, das durchaus am Anfang stehen mag.
Ist allerdings dem Rausch mal stattgegeben und prallt das Ungeheuer ausbrechender Sexualität auf die Kindessprache einer körperlich nicht sexualisierten Zuneigung, so wird aus dem Begehren ein Rausch der nahen Erfüllung, die das Verhalten nur noch interpretiert, wie es in den Kram passt. Aus dem Erleben wird ein Anspruch auf Wiederholung, Ausbau etc.
Das Schönste aber sind Deine Sätze über das, was man Kindern mitgeben soll: Selbstvertrauen.
Eigentlich ist es DAS Ziel jeder Erziehung.
Und wahrscheinlich erziehen wir selbst nicht besser, weil wir selbst damit schon Mühe haben…
Was geschieht nun, wenn ein Pädophiler sein Selbstvertrauen daraus schöpft, Kindern ein guter Freund sein zu können?