Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Angst, die doofe

∞  18 August 2007, 23:29

Themen: SMS zum Tag und
Prosa[isch]

Angst vor Versagen?
Pein und Scham wegen dieser Angst?
Wie gross aber wird Ihr Stolz sein,
wenn Sie diese Angst überwinden.
Es lohnt jeden neuen Versuch!



Womit schon gesagt wäre: Mir geht es wie Ihnen. Sie kommt immer wieder, diese blöde Angst. Sie lässt mich vorneweg erleben, mich mir ausmalen, was mir vielleicht gleich widerfahren wird. Ich male mir mein Scheitern aus, seine Lächerlichkeit, und während dessen fühle ich mich schon lächerlich in meiner Angst. Richtig vorauseilend ist diese Angst. Und so dominierend, dass ich dann natürlich genau so untergehe, wie ich mir das ausgemalt habe.

Ach, Sie möchten nun also das Beispiel haben. Bitteschön. Beim Tennisspielen z.B.: Ich nehme mir jedes Mal vor, nicht zu verkrampfen, wenn es nicht nur Training ist, sondern ein Punktspiel. Und ich verkrampfe IMMER.

Ich sehe den Ball kommen, ins Halbfeld, ich kann angreifen. Nein. Ich denke: Au weia, jetzt MUSS ich angreifen! Alles ist offen. Die Winkel sind optimal. Ich kann auswählen, wie ich den Punkt abschliessen will. Wie peinlich, wenn ich verschlage.
Was ich dann auch prompt mache.

Sie möchten mich fragen, ob ich wirklich keine anderen Probleme habe? Natürlich haben Sie Recht. Aber Sport oder auch andere Hobbys geben die Gelegenheit, anhand von einzelnen Verhaltensmustern seiner eigenen inneren Art auf die Schliche zu kommen. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie man sich ergründen kann.

Ich zum Beispiel mache mir neuerdings meine Eitelkeit zu Nutze. Ich überlege mir, wie es in genau dieser Situation wäre, wenn ich fotografiert würde. Und automatisch stelle ich mich richtig zum Ball – und konzentriere mich nur noch auf das: Aufs Hinstellen und den Schwung. Und damit ist die Bewegung flüssig und der Punkt zumindest mutig gespielt. In diesem Fall gewinnt der eitle Gockel vielleicht einen Punkt, den der negative Realist ganz sicher verliert.

Die Psyche – schon interessant, wie sie – auch – die Motorik schmiert oder hemmt.




  1. Seelenleerer · 19. August 2007, 03:27 · #

    Genau genommen haben die Meisten
    Angst vor der Angst. aber die Angst
    ist nur in unserem Nacken sitzend stark.

  2. Thinkabout · 19. August 2007, 07:34 · #

    Wunderschöner GeDanke, Danke!
    Stelle ich meine Angst, indem ich Ihr in die Augen schaue, so habe ich schon fast gewonnen, weil ich sie dann auch bezwingen will und den Mut dazu auch finden werde.
    Was nicht weniger bedeutet, als dass es für alle unsere Ängste eine in uns wohnende Antwort gibt, die jedes Argument der Angst zunichte machen kann.

  3. Caro · 19. August 2007, 07:44 · #

    Angst ist auch ein Überbleibsel einer Vergangenheit – sei es unmittelbarer oder Steinzeit.
    Wir haben Erinnerungen in uns und darauf programmierte Empfindungen. Mir hilft es meist, diese Mechanismus zu entlarven und zu erkennen, dass diese Art der Angst unbegründet ist. Denn eine Erinnerung gestaltet nicht mein Morgen.

  4. Tina · 19. August 2007, 08:51 · #

    @Caro
    Du hast Recht: man muß aufpassen, daß man nicht selbst immer wieder in die alten Verhaltensmechanismen verfällt….und eine Enttäuschung nicht die erneute Angst vorm Versagen, sondern das Wissen wie es besser geht nach sich zieht.

    Dein Kommentar vom 30.Juni ,
    (SMS zum Tag: Die Versuchung zum Versuch nicht abschütteln)
    zum Thema “Angst sich zu blamieren” hat mir so gut gefallen, daß ich ihn behalten – und eben nochmal gelesen habe!

    Manches an Einträgen und Kommentaren, die hier verfasst werden bleiben im Gedächnis und helfen mir wirklich, den Alltag gelassener anzugehen…..


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