Arbeit auf Zeit als vielschichtiges deutsches Prinzip
Die uns fremde Arbeitswelt Deutschlands: Unser Nachbar kennt ein sehr viel rigideres Arbeitsrecht, das einen sehr viel strengeren Kündigungsschutz für die Angestellten vorsieht. Das richtet sich aber, aus der Ferne betrachtet, je länger je mehr gegen die Arbeitnehmer selbst, weil sich die Unternehmen so lange wie möglich zurück halten, bevor sie daran denken, neues Personal fest anzustellen. Spitzen in der Arbeitsbelastung dürften wohl sehr viel rigoroser als bei uns auf die bestehenden Arbeitnehmer überwälzt werden, oder es werden Springer und Zeit-Angestellte verpflichtet. Nach Artikeln der afp und der Süddeutschen wird praktisch jede zweite Neuanstellung nur noch befristet ausgestellt.
Das führt zu einer schleichenden Entmenschlichung der Arbeitsverhältnisse, weil immer weniger Arbeitnehmer Grund haben, sich mit ihrem Unternehmen zu identifizieren und das “Humankapital” umgekehrt vor allem als Kostenfaktor gefürchtet wird. Deutschland findet sich in einer Falle wieder: Auf der einen Seite gibt es Hartz IV, mit den bekannten Auswüchsen und Sackgassen für die Empfänger, die von den Ämtern von Probeanstellung zu Probeanstellung geschoben werden, ohne Aussicht, von den Arbeitgebern je definitiv übernommen zu werden – oder dann nur in kleinen Teilzeitjobs (wie viele Tankstellen in Deutschland funktionieren mittlerweile seit Jahren nach diesem Prinzip?).
Und wer einen Arbeitsplatz mit Festanstellung hat, setzt alles daran, diesen zu behalten, geht kein Risiko ein, wagt keine Veränderung. Ich bin überzeugt, dass der massive Kündigungsschutz bei den Festanstellungen der Kern des ganzen Problems ist – und ich sehe keinen Weg, dies zu ändern, weil dieses Thema wohl keine Partei wirklich angehen wird. Zumindest nicht frontal. Nicht einmal die FDP, die hier ganz bestimmt gleicher Meinung ist, ihre potentiellen Wähler mit einer solchen Festanstellung aber nicht düpieren will. Hartz-IV-Empfänger aber sind nicht unbedingt die gesuchte Klientel, und darum wird der störrische Gaul namens Arbeitsrecht eben am Schwanz aufgezäunt.
Gerade bei diesem Thema erscheint mir ein Vorteil der Schweizer Wirtschaft eminent zu sein: Noch haben wir einen relativ stabilen Arbeitsfrieden – und es ist im Interesse aller Beteiligten, dass dies so bleibt.
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Michael Kostic · 17. März 2010, 22:03 · #
Diese Aussage: “Ich bin überzeugt, dass der massive Kündigungsschutz bei den Festanstellungen der Kern des ganzen Problems ist[…]” ist ein Teil des Problems der enorm oberflächlichen Debatte. Letztlich ist es doch so das Unternehmen die nicht hoch spekulativ “unterwegs” sind, eine gesunde Personalplanung realisieren. Die stehen natürlich nicht im Fokus der Herren Spekulanten und Pseudokaufleute. Die Bahn beauftragt Dienstleiter zum “Schutz” ihrer Bahnhöfe und Züge, welche ihrem Personal gerade einmal € 5,50 die Stunde BRUTTO durchreichen. Nun sollte man, im kapitalistischen Sinn der Sache meinen: “Klug von dem Unternehmer. Er bezieht mehr Geld pro Mitarbeiter als die Bahn ohnehin ihren eigenen Mitarbeitern bezahlt und macht durch geringe Löhne einen guten Schnitt!”. Nur ist dies zu kurz und daneben geschossen. Die Deutsche Bahn versucht lediglich über billige Bilanztricks wie die sog. Auslagerung von Arbeitsleistung ihre Zahlen zu Schönen (Börsengang). Was dann auch klappt, weil die Masse der Börsianer teils noch so grün hinter den Ohren ist, dass Mama ihnen noch immer die Hemden bügelt…
Der “Sicherheitsdienstleister” macht auch keinen guten Schnitt, weil der “Chef” in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle mit dem Synonym Kosten/Leistungsrechnen nichts anfangen kann und daher selbst “Von der Hand in den Mund” lebt.
Aber genau diese Sorte Leute schreien dann auch wie die Rohrspatzen. Sie sind es die sich in ihren “Interessenverbänden” am lautesten über klare Regeln aufregen. Deren Beschwerden werden dann gedruckt, gefilmt, genetzt.
Jeder der etwas über ordentliches Unternehmertum lernen möchte soll mal Menschen wie z.B. die ehrenwerten Herrn Grupp (Textilien), Hoff (manufactum) oder Wecland (Baurückführung) fragen wie das geht.
Nur müssen dann die 30jährigen “Yuppie” Schnösel höchst wahrscheinlich auf ihren SLK Dienstwagen verzichten…
Ökonomie ist nicht nur ein Spiel für die ganze Familie, sondern auch recht komplex…
Menachem · 18. März 2010, 21:05 · #
Als erstes was mir bei deinem Beitrag einfällt ist, und das meine ich wirklich sehr nachdenklich für mich, was mich daran hindert, mich mit deinen vielen tollen Beiträgen der letzten Zeit intensiver hier auseinander zu setzen.
Zu nahezu einem Sport ist hier geworden, das, wenn du einem AN kündigst, als erstes mal obligatorisch ein Arbeitsgerichtsverfahren ansteht. Da diese in der Regel für den AN kostenlos sind, kann er eigentlich durch die arbeitnehmerfreundliche Grundrichtung nur gewinnen, weil, wie ja Marx schon sagt, der Kapitalist grundsätzlich …..
“Und wer einen Arbeitsplatz mit Festanstellung hat, setzt alles daran, diesen zu behalten, geht kein Risiko ein”..
Seltsam, ich fuhr jetzt in Sindelfingen an diesem großen Autowerk vorbei, mit dem Stern, und als ich das Werk und die Parkhäuser sah, dachte ich zuerst, das ist ein Gefängniss. Schmale Lichtschächte, die nicht hinaus- oder hineinblicken lassen wollen, können doch in ihrer Architektur nur von denen vorgeschlagen und befürwortet werden, die diesen Geist wollen, leben. Ich glaube, das das früher kein Gefängnis war, aber mittlerweile zu einem geworden ist.
Share holder value.
Eins treibt mich bei alledem noch um, was glaube ich auch, in seiner Ursprünglichkeit heute missverstanden wird: “Das Recht auf Arbiet” – was immer mehr als ein Gebot auf Gottes Gnaden gesehen wird, nicht als eins, wo auch morgens um 6:30 Uhr der Wecker rappelt.
Ich spüre meinen etwas wehleidigen Ton in diesem Kommentar, und denke, toll, hier darf und kann ich das-
blogs haben eben eine andere zwischenmenschliche Qualität als Bücher.