Blog-Inhalte - selbst für Journis
Man könnte sich wieder mal über einen Journalisten einer etablierten Zeitung ärgern, weil er, Thomas Thiel, in diesem FAZ-Artikel ein paar kritische Bemerkungen über Blogger anbringt.
Blogger ärgern sich gerade bei der FAZ regelmässig darüber, weil der Fokus ein bisschen gar einseitig ausfallen mag.
Nun, die Journalisten hätten es viel schwerer, Blogs auf die leichte Schulter zu nehmen, wenn sich Blogger nicht meist masslos überschätzen würden. Auf die Gefahr hin, zum Nestbeschmutzer zu werden, so wünschte ich mir eben doch etwas mehr Realitätssinn in unseren Kreisen:
Ich will mit meinem Blog gar nichts anderes sein als eine Ergänzung der Online-Ausgaben von Printmedien, Fernseh-Anstalten und anderen Medien-Portalen grosser Verlage.
1) Mir fehlen Mittel und Zeit zur Recherche.
2) Ich will meine Themenvielfalt nicht beschränken.
3) Ich will umgekehrt auch nicht fragen, was mehrheitsfähig ist.
Ich bin also folglich
1) nicht einschätzbar.
2) Leser können nie wissen, was als nächstes kommt.
Es sei denn, man betreibt ein Blog, das in seinem Insider-Wissen für einen beschränkten Themenbereich für Informationssucher jeder Art eine erstklassige Quelle darstellt. Dafür ist krusenstern ein Beispiel. Allerdings haben solche Blogs auch ihre Neider und wenn sich gesteuerte Kritik auf sie einschiesst, können die Ressourcen schnell knapp werden und die Kräfte nicht mehr ausreichen. Nur schon deshalb braucht es AUCH die grossen Players.
Also: Ich bin doch glücklich, wenn ich manchmal eine Überraschung sein kann, eine Art externe Beilage zum täglichen oder vielleicht auch nur monatlichen Medienkonsum.
Aber ich kann mit meiner persönlichen Sorgfalt eine Qualität anstreben, die sich im objektiven Urteil sehen lässt und vielleicht manchmal sog. Profis beschämt. Und dann lege ich schon auch mal einen Finger auf ein Elaborat, das aus vermeintlich professioneller Feder eine Frechheit ist.
So ist mein Blog ein Instrument der freien Meinungsäusserung, das ich in einem freiheitlichen Land nach Lust und Laune nutzen kann. Das ist doch phantastisch.
Der Artikel in der FAZ bringt in seiner Schlussfolgerung eine zentrale Kritik auf den Punkt: Wir Blogger sind viel zu sehr mit der Technik der Verbreitung beschäftigt als mit den Inhalten. Damit werden eindeutig zu viele Ressourcen gebunden, die für Inhalte notwendig wären.
Bildquelle: studentconsult

Caro · 7. April 2008, 19:26 · #
Als Leserin – und huch, ich bin ja selbst Bloggerin – bin ich das wirklich? – also, nochmal von vorn: als Leserin habe ich schon längst keine vorhersehbaren Blogs mehr abonniert, auch nicht auf FACTS. Das Einzig Konstante, was mich an einem Blog interessiert, ist die Person dahinter.
Thinkabout · 7. April 2008, 20:13 · #
eine interessante Sichtweise, die sehr viel für sich hat und wohl ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Medien darstellt. Ups, da muss ich ja brav sein und immer schön der Linie meines Scheitels entlang denken, nicht dass Du mich plötzlich nicht mehr erkennst und mir abhanden kommst…
Caro · 7. April 2008, 20:24 · #
Was denn für ein Scheitel *fg
HG · 9. April 2008, 00:02 · #
Ein wohltuend unaufgeregter Beitrag zum Thema “Blogs und/oder Journalismus”!
Für mich liegt das wichtigste Unterscheidungskriterium im Verhältnis zum Pressecodex: Blogger sind niemandem verpflichtet, Journalisten müssen sich an Regeln halten.
Thinkabout · 9. April 2008, 07:02 · #
danke, HG! Und wie schön, Sie hier anzutreffen!
Ich möchte noch was nachschieben: Ihre Bemerkung ist völlig richtig – und doch wird sie oft pro-/contra statt als neutrales Merkmal notiert: Der Blogger ist unseriös, weil regelfrei.
Wer schreibt und versucht, eine lineare oder in jedem Fall greifbare Identität im Netz zu schaffen, wird sich immer an Regeln halten – einfach an solche, die ihm selbst Leitbild sind. Ansonsten braucht er sich nirgends abzusichern – und kann so genau das zur Stärke machen und doch verbindlich sein.
SeelenLeerer · 9. April 2008, 09:57 · #
Den Blogger bindet die Technische Ressource
und die Journalisten werden eingebunden.
Thinkabout · 12. April 2008, 20:36 · #
Manchmal kommt es mir so vor, als würden die Journis den Bloggern vorwerfen, sie machten nicht genügend aus ihren Freiheiten – womit sie dann zugeben, dass sie die eigenen Hemmnisse und Bindungen bedauern.
SeelenLeerer · 13. April 2008, 17:07 · #
Kann ein Journi eigentlich am Bloggen gehindert werden?
Aber vielleicht wollen sie ja gehemmt bleiben,
um nicht Stellung beziehen zu müssen?