Blogstatistiken: Trostlosigkeit im Traffic-Gewühl
Und nochmals etwas zur Befindlichkeit von uns Bloggern.
Sie sind hinlänglich bekannt, die Diskussionen rund um den Beachtungsgrad von Blogs. Daraus werden Rankings gemacht. Es wird diskutiert, was aussagefähiger sei: Die Anzahl der Besucher Total, die Anzahl der neuen Besucher pro Woche, Monat, etc., der Besuch auf der Seite überhaupt oder der Besuch weiterer Unterseiten auf dem Angebot.
Je mehr Traffic auf einer Seite, desto besser. So lange es um die allfällige Generierung von Werbeeinnahmen geht, kann ich das ja noch – ein bisschen – verstehen. Welches andere Kriterium soll denn für diese Industrie im Internet gelten, wenn nicht die Masse? Es ist ja im Fernsehen auch nicht anders.
Aber dass die Blogger aller Art dem gleichen Hype verfallen, auch jene, die sich gar nicht an den Sauriern der Branche messen können und im Grunde es auch nicht wollen, das ist entlarvend. Kaum einer dieser Blogger fragt danach:
Wie lange bleibt denn ein Leser durchschnittlich auf meiner Seite?
Mit anderen Worten: Egal, ob der Hauptharst der Statistik nach dem Prinzip “Click und weg” verfährt – Hauptsache, “sie” waren da. Muckis will ich haben, sind sie auch voll Luft. Was für ein Verrat am eigenen Anspruch ist das eigentlich?
Jetzt könnte man meinen: Der Thinkabout schreibt so, weil er da auftrumpfen kann. Nee, mitnichten. Je nach Statistik sind es bei mir etwas weniger oder etwas mehr als 1 Min und 30 Sekunden. Viel zu wenig, um einen Artikel in Ruhe zu lesen, ich weiss. Das bedeutet im Wesentlichen, dass auch in rigoros streng selektierenden Statistiken noch immer so und so viele Maschinenabfragen enthalten sein können – oder eben Google-Abfragen, die nicht zum Ziel führen. Wie oft haben wir selbst kaum zehn Sekunden gebraucht, um eine Seite wieder zu verlassen? Haben wir eine solche je danach wieder aufgesucht?
Eben.
Darum mache ich zu Folgendem Mut: Die ganze Mucki-Diskussion um Statistiken begraben – und einfach bloggen, wenn man Lust dazu hat. Und sich an Zuschriften wie dieser freuen:
Wenn eine Frau mir schreibt, dass sie nun vier Stunden bei mir gelesen hat, dann ist mein Monat gerettet. Das ist so unglaublich schön, finde ich. Ich darf dann nur nicht den Fehler machen, auszurechnen, was dies nun für den durchschnittlichen Aufenthalt aller Übrigen bedeutet…
Bildquelle: Bangalore, thehindubusinessline.com

Mark Balsiger · 14. April 2008, 03:52 · #
Ich teile deine Auffassung, Thinkabout, die Mucki-Diskussion ist obsolet. Natuerlich gucke auch ich mir fast taeglich die Statistiken meines Blogs etwas genauer an. Aber die Anzahl “Hits” steht inzwischen nicht mehr im Zentrum. Mein Augenmerk richtet sich nach den Besucherinnen und Besuchern mit “Sitzleder”. In der Regel etwa 20 Prozent verweilen eine halbe Stunde oder sogar laenger. Ich stelle mir jeweils ein gut gefuelltes Klassenzimmer vor, das ist mein Publikum. Und das ist meine persoenliche Motivation, weiter zu bloggen. Die Rueckmeldung deiner Leserin, die vier Stunden bei dir verweilte, das ist in der Tat ein schoenes Kompliment.
Richard · 14. April 2008, 16:22 · #
was haben statistiken und bikinis gemeinsam?
sie enthüllen viel, verdecken aber das wesentliche!
darum schreiben, spontan, das ist ja das schöne für mich als leser, verweilen wenn es zum verweilen lohnt und eben auch mal nicht – ce la vie!
Thinkabout · 14. April 2008, 22:39 · #
Danke Richard. Das ist das einfältige und weise Glück.
Janna · 17. April 2008, 16:51 · #
..ich bin auch immer länger da….lese hier und dort…verweile…lese Kommentare…druck mir auch mal etwas aus….suche Bekanntes und Älteres…wie in einem schönen Buch mit ein paar Eselsohren( nicht persönlich gemeint:-), aber Vielgelesenes sollte Gebrauchsspuren haben…. – und auf die schnellen Seiten-hopper kannst du ja locker verzichten…:-) Janna