Buch, Zeitung oder Bildschirm?
Es wird nie dasselbe sein, einen Text am Computer zu lesen, wie wenn er auf Papier in Händen gehalten werden kann. Auf Papier entsteht eine ganz andere Sinnlichkeit, eine Konzentration, die den Augen viel mehr Ruhe erlaubt. Ich glaube auch, dass die Texte sich verändern, dass die Lettern mehr Gewicht erhalten. Jeder Leser liest ja seinen eigenen Text, daher ist das ganz logisch.
Die Form von Buch, Zeitung, Internet entsteht nicht von ungefähr. Und genau so werden die Texte auch wahrgenommen.
Die mehr oder weniger grossformatige Zeitung auf dünnem Papier darf nicht schwer sein und soll einen schnellen Überblick erlauben, der die Frage beantwortet: Wo steht das (für mich) Wichtige?
Das Papier des Buches, selbst des Taschenbuches, schützt sich mit einem verstärkten Einband. Nichts als Text fordert den Leser. Er wird unterstützt durch einen Schriftsatz, der mit Absätzen etc. mithilft, hoffentlich, sich auf den Text allein konzentrieren zu können.
Die Web-Site kämpft gegen unser Wegclicken: Sie ist animiert, will grafisch überzeugen, klammern, verführen, kämpft hektisch dafür, dass die Hektiker bleiben, und das tut sie immer auch mit Versprechungen auf “noch mehr Inhalt”. Computer sind ein interaktives Medium. Wenn wir am Computer nur lesen, passiert es leicht, dass einem der Bildschirmschoner oder die Ruhe-Funktion einen Strich durch die Rechnung macht.
Und: Eine Seite, die am besten wenig Licht um sich herum hat, um besser gelesen werden zu können, kann nicht gleich auf uns wirken wie eine Seite, die das Licht sucht und braucht…
Trotzdem lese ich und schreibe ich auch am Computer. Er ist eben schon ein wunderbarer Transporteur meiner Botschaften und der gesuchten Informationen. Nur mit Mass sollte ich ihn einsetzen. Und vielleicht häufiger mal etwas ausdrucken und mich damit in einen Sessel fallen lassen…

Caro · 8. Januar 2008, 13:24 · #
Ich gehe Abends nie ohne Buch ins Bett. Bevor ich – ich gestehe es: die mit einem Eselsohr markierte Stelle aufschlage betrachte ich den Einband und versuche, das davor Gelesene zu rekapitulieren. Ich mag die Schwere eines Buches, wenn es mir in der Hand liegt, ich liebe es, meine Bücher beim Essen unter dem Tellerrand einzuklemmen.
Oh, und Bücher haben auch alle einen eigenen Geruch. Ich schnuppere hin und wieder daran, meist kommt mir ein Duft nach trockenem Staub und Heizung entgegen ;-)
Richard · 8. Januar 2008, 16:39 · #
Hatte vorher gerade in anselm grüns buch der antworten gelesen und nun dieser text. jawohl genauso ist es und ich bin dankbar für diese vielfalt. toll auch die hier den einzelnen medien zugeschriebene empathie .
Danke
Thinkabout · 8. Januar 2008, 16:52 · #
Hallo Richard
Wenn sich jemand für einen Text bedankt, wird mir immer ganz flau… danke zurück. Und Sie haben hiermit sowohl zwischen Buchdeckeln wie am Bildschirm aufmerksam gelesen!
Strandsteine · 8. Januar 2008, 17:06 · #
Lieber Thinkabout,
Steine
Deinen Zeilen stimme ich in allem zu und es berührt mich,
wie uns alles verbindet.
Liebe Caro,
wenn ich allein gegessen habe, wurde bei mir das Buch auch passend an der einen Seite unter den Teller geklemmt.
Aber dann habe ich mir eine Keramikente (welche viele Blessuren erlitten hat) angeschafft,womit ich die Seiten beschwerte…um ein umklappen zu verhindern…
Da ich in unserer Bücherei nach über 40 Jahren Mitgliedschaft zum lebenden Inventar gehöre….
könnte ich nicht auf die Bücher verzichten,
Obwohl jetzt gerade die Hörbücher ..in..sind,
möchte ich nicht auf das Buch in der Hand verzichten.
Es in der Hand zunehmen, durchblättern…Auszüge lesen….ist ein Genuß.
die in Büchern gerne
Malte · 10. Januar 2008, 07:57 · #
Zeitungen aus Papier lese ich abseits des Frühstückstisch so gut wie garnicht mehr. Ein Buch auf dem Nachttisch ist aber Pflicht!
Aber das mit Abstand meiste lese und schreibe ich am Computer. In Einem Buch kann ich nicht per Klick von Seite 4 auf 947 springen, das Buch nach bestimmten Schlagworten durchsuchen oder ein Dutzend Bücher gleichzeitig geöffnet halten.