Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Das Daheim der Liebe

∞  8 Dezember 2007, 19:10

Dieses Mal war die Reise lang genug und weit genug, dass ich wirklich meine Zeit brauche, um wieder zu Hause anzukommen.
Ich bin noch immer nicht richtig „da“, fühle den Boden unter den Füssen nicht richtig. Natürlich gehört dazu auch, dass ich laufend am Sichten der Bilder bin und damit immer wieder eintauche in das Erlebte.

Aber ich habe auch den Eindruck, dass ich das Gefühl des Reisenden in seiner ganzen Sinnbildlichkeit viel tiefer und stärker in mir aufgenommen habe als bei den früheren Gelegenheiten.
Ich geniesse mein Daheim, bin gerne zurück gekommen. Und doch ist es, als wüsste ich tiefer in mir drin als zuvor, dass wir immer unterwegs sind, nichts wirklich Bestand hat ausser der Veränderung.

Das muss einen nicht erschrecken, denn auch darin liegt eine Regel, in der man sich wiedererkennen kann in seinem eigenen Erleben. Wenn alles der Veränderung unterworfen ist, der ständigen, unablässigen, dann darf man erst recht das einem Geschenkte auf offener Handfläche bestaunen und weiss, dass es keinen Sinn macht, die Hand zu ballen und an etwas sich festkrallen zu wollen.

In dieser Art Gelassenheit kann man auch ein verlässlicher Freund sein, uns sei es nur, dass man die Angst begreift, die Menschen angesichts dieser Sicht zuweilen ergreift. Denn wir alle wünschen uns Sicherheit, Beständigkeit, Geborgenheit, Bewahrung, Bleibendes.

Wie wäre es mit der Liebe? Diesem mächtigsten Gefühl und dieser stärksten Kraft, die uns umzutreiben vermag? Geben wir ihr auf unserer Lebensreise beständig Raum in uns und teilen wir sie, leben wir sie, um darin Seelentiefen zu erkennen und zu erfahren, die jenseits aller Mauern ein Fundament haben. Je näher wir unserer eigenen Menschlichkeit kommen, um so mehr sind wir daheim.





Hinweis: Bilder können nun oft grösser betrachtet werden, wenn mit der Maus auf das Bild geklickt wird. Oft werde ich speziell dazu einladen, indem die Bilder im Text wenig bis keine Farbe haben. Ausprobieren und sich freuen, wenn’s gefällt!

  1. Caro · 8. Dezember 2007, 20:15 · #

    Gratuliere zur erfolgreichen Lightbox-Installation!

  2. Caro · 8. Dezember 2007, 20:24 · #

    “Versagen wir uns die Liebe, müssen wir uns nicht wundern, wenn unser Ego verrückt oder sich in seinem Drang nach Anerkennung ständig in den Vodergrund spielt.”
    Werner ABlass

  3. Tina · 9. Dezember 2007, 06:28 · #

    Wunderschönes Bild, Thinky!

    “Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.” Chinesisches Sprichwort

    Auch ich zähle wohl mehr zu den Mäuerchenbauern, die wenig Begeisterung für Neues mitbringen, denen das Loslassen schwerfällt, und jeder Verlust in Sachen Liebe ist für mich letztendlich doch ein Ziel, das nicht gemeinsam erreicht wurde, eine Niederlage.

    Da hilft auch das ganze Schönreden nichts: alles hat seine Zeit, ....jeder Mensch gehört nur sich selbst, und darf entscheiden, wie lange er mich begleitet; ...oder wie Du schreibst: es macht keinen Sinn, die Hand zu ballen und an etwas sich festkrallen zu wollen….

    Ist alles richtig, dennoch möchte ich daran glauben, daß es möglich ist, mit jemandem bis ans Ende durch die Zeit zu wandern und gemeinsam alt zu werden, ohne sich nur zu ertragen. So wie es Dir und Thinkabouts wife ja auch gelingt! Beständig, wie diese zwei Felsen in der Brandung auf Deinem Bild…..

  4. WerkRaumLebensArt · 9. Dezember 2007, 12:23 · #

    ... es ist einfacher, sich um jemand anderen zu kümmern, besorgt zu sein, als um sich selbst … uns allen wurde doch eingetrichtert, dass Egoismus etwas schlechtes, ungesundes ist, als guter Mensch ist man nicht egoistisch, sondern kümmert sich um andere, also tun wir es auch so in der Liebe, gerade in der Liebe, denn dieser Mensch, den wir lieben liegt uns doch besonders am Herzen, sein Wohl, das was er möchte, den Weg den er gehen möchte, wenn wir dies in Frage stellen würden oder uns unser eigener Weg wichtig wäre, könnte man uns unsere Liebe in Frage stellen und das wollen wir ja nicht … also geht man mit, statt selbst zu gehen …

    ... der Versuch egoistisch zu sein, dabei jedoch auch den und die Menschen, die einem wichtig sind, im Blick zu behalten … Beziehungen bewusst und aktiv im sich Selbst und mit dem Anderen zu leben, ist unglaublich komplex, herausfordernd und anstrengend und nicht immer gelingt es …

    ... so wie die Apostel der Brandung der Gischt entgegen strotzen … jeder hat sein eigenes Fundament, jeder steht für sich und doch gemeinsam an diesem Ort … jeder bricht einen Teil der Wellen und gemeinsam brechen sie die Brandung … doch ebenso umspült die Brandung sie auch … unterspült vielleicht gar eines der Fundamente … und der Eine kann den Anderen so mit seinem noch so starken Fundament doch nicht halten …

    ich dachte du bist es / nur ein Hauch liess mich dies vermuten / dieser Hauch der mich ins Wanken brachte / dieser Hauch der zum Sturm wurde / Wurzeln dem Erdboden entriss / Äste brach / den Baum zur Neige brachte / kein Strohhalm der jetzt hält
    die Wogen haben sich geglättet / das Rauschen ist verklungen / ruhe & glatte See / ein Ufer – Nord Ost Süd West / die Frische des neuen Windes gibt die Richtung an / sich treiben lassen und ans Ziel gelangen
    angekommen / mir Selbst bin ich Halt / schliesse die Arme / Geborgenheit / in der Ruhe finde ich Raum mich anzulehnen / umsorgt zu sein / in der von mir geschaffenen Stille
    (c) chrigü

  5. Thinkabout · 9. Dezember 2007, 16:51 · #

    Liebe Tina
    Dieser Glaube an die beständige Liebe ist auch das letzte, was ich Dir ausreden möchte. Nur werde ich Dir nie erklären können, was es dafür wirklich braucht – sie wird einem immer auch geschenkt. Und doch sind auch dreissig Jahre keine Ewigkeit und kein Selbstläufer für die nächsten dreissig Jahre. Gerade wenn man mit einander geht, sollte man ein gutes Gefühl dafür entwickeln, dass die Schritte des anderen immer auch seine eigenen bleiben müssen und sollen. Das Kümmern und Sorgen – es darf und muss immer einfach ein Angebot bleiben. Nichts davon lässt sich einfordern oder auch nur versichern.
    Und darum kann jede Person, egal ob in Partnerschaft oder allein, jederzeit dieses Gefühl der Begleitung neu entdecken – oder den Begleiter dazu!
    Wir sollten einfach nie den Fehler machen, in unserer Sehnsucht die Dinge zu verkennen, die in der Zwischenzeit zum Besten bestellt sind.
    Aber glaube mir: Ich verstehe Dich sehr gut!
    Vielleicht noch dies: Gerade die Attraktivität der 12 Apostel, die übrigens nur noch zu acht sind, fusst gerade darin, dass sie eben gar nicht so beständig sind. Das Meer zerstört sie nach und nach, mindestens das für uns von ihnen Sichtbare – und genau darin liegt im Grunde das Attraktive, so widersinnig es scheint: Die abgeschliffenen Riffe, Kanten, Unterspülungen – die Küste ist hier so rauh, dass Du mit jedem Wellenschlag ein Gefühl dafür bekommst, dass der mächtigste Berg im göttlichen Begriffsdenken wirklicher Ewigkeit nur eine Episode in der Erdgeschichte ist.

  6. Thinkabout · 9. Dezember 2007, 18:31 · #

    Chrigü
    Ich danke Ihnen für diese Gedanken. Das Sinn-Bild mit der Brandung finde ich besonders schön!
    Oder: Sich gegenseitig Baum sein, unter dem man bei seiner Wanderung immer wieder ruhen kann.


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