Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Das globale Dorf vor dem Kollaps?

∞  8 Juli 2007, 05:05

Aus den Zeitungsmeldungen der letzten zwei Tage:

Renault will für Indien / China und diverse Schwellenländer das 3000-Dollar-Auto bauen. Das soll durch den Verzicht auf tiefste Standards wie z.B. Katalysatoren möglich sein.

Der brasilianische Präsident sieht ein grosses Potential zur Herstellung von Bio-Treibstoffen in seinem Land. Nestlé veröffentlicht derweil die Prognose, dass die Lebensmittelpreise langfristig und dauerhaft weltweit eine Inflation erleben werden. Grund: Der steigende Bedarf Indiens, Chinas und die Produktion von Bio-Treibstoffen…

Die grösste Schweizer Bank UBS, so wird gemunkelt, macht Milliardenverluste mit einem internen Hedge Fund, der modernen Hydra menschlicher Geldgier, die sich jeder Kontrolle längst entzogen hat. Der Konzernchef wird ausgetauscht, der Verwaltungsratspräsident soll gegen den eigenen Wunsch weiter machen. Mit welcher Motivation? Der Aktienkurs steigt trotzdem… Aktionäre sind heute meist Spekulanten, die mit kurzfristig noch grösseren Zaubereien und Melkereien rechnen, die sich aus-zahlen…

Wanderarbeiter in China sind befreit worden – sie bekamen Monate lang keinen Lohn, dafür Schläge, als sie protestierten. Von 600 wurde berichtet, total gibt es 250 Mio. davon – ehemalige Bauern, die meisten systembedingt illegal und damit ohne einklagbare Rechte.

Die Schweizer Bundesrätin Leuthardt steht vor einer Asienreise nach China, Indien etc. Auf der Pendenzenliste steht ein bilaterales Handelsabkommen mit China, das offensiv Handelshemmnisse und -Bremsen weiter abbauen will. Die Schweizer Landwirtschaft befürchtet eine weitere Überschwemmung des Marktes mit Billigst-Lebensmitteln aus China, wie zur Zeit neu bei Obstsaftkonzentrat festzustellen.

Viele knapp gewordene Rohstoffe kennen einen höchst volatilen Beschaffungsmarkt. So leiden gerade viele chinesische Textilbetriebe unter extrem gestiegenen und auch noch höchst schwankenden Viskose-Preisen, so dass sie für ihre Produkte nur noch Angebote zu Tagespreisen abgeben können.

Die globale Welt wird zu einem abgewirtschafteten Dorf. Ich hoffe, ich werde es nicht mehr allzu heftig selbst erleben… Sorry, aber ich bin gerade ziemlich pessimistisch gestimmt…

Bildquelle: keystone Schweizer Tagesschau : Tokyo ist mit 35.2 Mio Einwohnern die Bevölerunsgreichste Stadt der Welt.

  1. zechbauer · 8. Juli 2007, 13:47 · #

    Ein tauber Pessimismus ist durchaus nachzuvollziehen. So ähnlich geht’s mir auch, wenn ich täglich die unzähligen Nachrichtenblätter durchforste. Optimistische Zeichen gibt es aber – und sie mehren sich: die Proteste beim G8-Gipfel ebenso wie Live Earth. Das ist sicherlich nur ein Anfang, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch die große Flut – da bin ich mir sicher – wird kommen. Viele Tropfen, die zu einem reißenden Strom werden und diesen Planeten wieder zu einem Ort machen, in den man ohne Bedenken neue Generationen pflanzen kann. Die Macht der Vernunft ist letztlich größer als jedes Wirtschafts-Konglomerat, jede Diktatur oder jede militärische Weltmacht. Bin ich ein Idealist? Vielleicht. Aber ich bin auch eine Stimme. Eine von sehr vielen Stimmen. Das ist ein sehr mächtiges Instrument.

  2. Thinkabout · 8. Juli 2007, 19:08 · #

    Und ich wünsche mir, lieber Herr Zechbauer, dass Stimmen wie die Ihre sich nie zum Schweigen bringen lassen!

  3. Sam · 11. Juli 2007, 09:54 · #

    Idee für einen Beitrag, der zu solchen Gedanken passen könnte:

    http://www.steinis.ch/index.php/2007/07/01/verlosung-von-chf-50-an-blogger/

    Und man kann erst noch (für jemanden, ders nötiger hat) CHF 50 gewinnen.


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