Das neue alte Leben und seine Zeit
Daheim.
Türe auf,
und das Leben hat mich wieder.
Das alte Leben.
Das Leben, das ich neu betrachten möchte.
Das einzige, das ich habe.
Das neu alte, irgendwie.
Es ist alles andere als schlecht, dieses Leben.
Ich kann es mir aber nicht verdienen.
Da ist niemand,
mit dem ich einen Vertrag darüber abschliessen könnte.
Ich kann es leben. Jeden Tag neu erleben.
Ich kann atmen. Wirklich atmen.
Ich kann Sinn suchen mit Sinnen.
Ich kann. …?
Ich könnte so viel.
Sie auch.
Würden wir nur daran denken,
was sein könnte,
würden wir unglücklich werden.
Denken wir daran,
was wir sehen, erleben, fühlen können,
gerade jetzt – dann… ist das Leben ganz nah.
Und jenseits des Gedankens,
jenseits der Zeit,
fühlt sich ein Lufthauch an,
als wäre er immer schon da gewesen
und käme er stets wieder.
In der Tatsache, dass ich ihn nicht festhalten kann,
liegt die wahre Beständigkeit.
Wenn ich nichts mehr erreichen muss,
mich aber überraschen lassen kann,
wenn ich staunen darf
aber nichts fordern muss,
dann gibt es keinen Grund,
mich in eine knapper werdende Zeit zu zwängen.
Zeit ist kein knappes Gut.
Aber ein Gefäss,
ohne Boden und Deckel.
Wir passen hinein.
Wir passen hindurch.
Wir haben unsere Zeit.
Wie Wasser, das zu Tal fliesst.
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Bild:
chillitop bei pixelio.de
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Richard · 20. November 2010, 08:21 · #
zu diesem und dem vorhergehenden beitrag:
bin gestern bei der urnenverabschiedung meines jugenfreundes gewesen. 67 jahre 2 jahre blutkrebs. nicht geglaubt bis zu letzt daß es vorbei ist. wollte noch so viel reinpacken in sein leben und ließ doch seine frau hilflos zurück. daher hat der ansatz, umgang mit zeit mir jetzt gut getan zu lesen. zum umgang mit krankheit ist es ja nicht nur so daß das berufliche umfeld dann furchtbar brüchig wird sonder oft auch nahe familienmitglieder und freunde damit nicht oder nur schwer umgehen können. wir haben in unserer durchgestylten, visualisierten gesellschaft keinen platz für gebrechen. beispiel: wer hat heute schon noch die beschwerden des alters? die früher so akzeptiert wurden. heute wird daraus eine unbedingt zu behandelnde krankheit und wenn man sich in sein schiksal ergeben will ist die soziale ächtung nicht mehr weit. wer nicht kämpft hat verloren – warum muß man kämpfen und kann nicht annehmen?t
Volker Ernst · 20. November 2010, 09:13 · #
Gefällt mir sehr gut, gerne gelesen – dem ist einfach nichts hinzuzufügen.