Das Paar
Ich weiss Dich neben mir. Du ruhst, gehst und eilst mit mir. Ich bin Dir selten zu schnell, und Du mir auch nicht, Gott sei Dank. Ich ertrage die Ruhe in Dir und um Dich, ja ich befriede mich selbst darin.
So sitze ich da und lasse es Abend werden. Ich kann Dich nicht bitten, meinen Stuhl einzunehmen. Kann nicht verschmelzen mit Dir und muss in meinem Alter lächeln, wenn ich an solche Regungen früherer Tage denke. Ich bin ich und Du bist Du. Manchmal ist es genau so schön, neben Dir in die Welt hinaus zu schauen, wie im nächsten Moment Deinen Augen zu begegnen.
Wir werden älter, und irgendwann ist die Sonne häufiger untergegangen, als sie wieder aufgehen wird für uns. Für uns Beide oder für einen für uns.
Und darum bin ich unendlich dankbar, dass wir zusammen auch lernen durften, dass die Verbindungen nicht Bindungen sind, sondern Stärkungen, dass wir uns begegnen, um uns zu entdecken und dabei uns selbst besser zu spüren. Wenn Dein Stuhl einmal leer bleibt, wird meine Trauer gross sein. So gross wie meine Dankbarkeit, dass Du mich gelehrt hast, in jeden Schlaf zu finden. Und das tun wir ja immer für uns alleine, nicht wahr?
Wir haben mehr an uns entdeckt und einander gezeigt, als wir je von uns wussten, und wir freuen uns gegenseitig, wann immer wir dazu ein weiteres Steinchen ins Mosaik unseres Begreifens der Eigentlichkeit unseres Wesens legen. Dieses: „Schau mal da!“ wird weiterhin Staunen bescheren und Freude.
Wer sagt denn, dass dem Kern unseres Bewusstseins das Entdecken und Forschen, das Entwickeln, sich Wandeln und darin Fortbestehen je verloren geht?


WerkRaumLebensArt · 10. Dezember 2007, 14:04 · #
grad noch einer Ecke lässt sich nieder des letzten Sonnenlichts Schein dieses Tages
am nächsten Morgen aufgehend im jetzigen Schatten
nimmt seinen Lauf um zu scheinen zunächst ins deine
uns dann erhellend gemeinsam ins Licht zu stellen
bevor es über uns untergeht
Tschüge · 11. Dezember 2007, 16:09 · #
Wow… Das Paar hat mich fast vom Stuhl befördert. Ich weiss nicht ob ich einfach alt oder senil werde, aber die Tränen kamen sehr nahe an die Oberfläche! Vielleicht war ich auch nur so völlig erstaunt wie jemand mein ganz persönlich empfundene Gefühle, geradezu unheimlich und beängstigend genau, in Worte zu fasse versteht. Wenn du nichts dagegen hast möchte ich dieses Werk auch mit dieser Person teilen. Danke das du deine Gedanken anderen zugänglich machst.
Thinkabout an Tschüge · 11. Dezember 2007, 16:24 · #
Lieber Tschüge
Es ist für mich immer wieder wunderschön, erleben zu dürfen, dass Worte plötzlich tragen.
Und teilen tust Du schon, indem Du hier von Deiner Reaktion erzählst.
Für mich sind solche Reaktionen Mahnung und Freude zugleich: Worte sollten niemals banal sein. Und doch ist gerade Zuneigung vor allem einfach: Niemand braucht sich dann darzustellen. Man kann sich gleich setzen.