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Datenklau und Sicherheitsverlust - für alle

∞  3 Dezember 2010, 19:19

IT-Mitarbeiter einer Bank klauen Kundendaten und verhökern sie an unsere sog. Rechtsstaaten. Wikileaks werden entwendete diplomatische Depeschen zugespielt. Die Folgen hier wie da: Das Material wird benutzt. Der Staat verhaftet Steuersünder, die Presse veröffentlicht die Wikileaks-Dokumente. Diese sind in beinahe unüberschaubarer Zahl auch im Internet jedermann zugänglich.

Innert kürzester Zeit sind Staaten wegen Datenlecks von Profiteuren zu Geschädigten geworden. Und Jammern und Zetern ist irgendwie unglaubwürdig geworden. Es sind Dämme gebrochen…

In allen diesen Fällen steht am Anfang der Ereigniskette ein krimineller Akt, dem danach die Weihe zuteil wird, nach der das Ergebnis die Mittel heiligt.
Es sind hier heute Dinge allgemein akzeptabel, die vor zwanzig Jahren in keinem Fall geduldet worden wären.

Im Fall der Steuersünder mag die Meinung einigermassen zutreffend sein, dass niemand nass geworden werden dürfte, der nicht tatsächlich im verbotenen Teich anzutreffen war. Der Verdacht darf aber schon geäussert werden, dass auch mittels Daten-CD in erster Linie mittlere bis kleine Fische mit dem gehörigen Druck diszipliniert werden, während die ganz dicken Brocken allenfalls ein bisschen bröckeln dürften – und das vor allem auch noch diskret.

Bei Wikileaks sieht das wahrscheinlich ganz ähnlich aus: Kein Staatschef wird deswegen die Segel streichen müssen.
Gerade in der Presse ist häufig der Tenor zu hören, die Substanz des Materials würde massiv überschätzt. Gleichzeitig werden Aussagen unzähliger Diplomaten im mittleren Dienst zitiert. Die Folgen dürften darin liegen, dass kaum eine Regierung tatsächlich in ernste Schwierigkeiten kommt, unzählige Diplomaten aber einen Karriereknick erfahren, weil sie intern zurück gestuft oder vor Ort nicht mehr arbeiten können, weil Ihre Integrität nicht mehr gewährleistet ist; eine Verlässlichkeit, die nicht kleiner sein dürfte als bei Diplomaten, die mehr Glück hatten…

Die Presse kritisiert oder begrüsst alle diese Fälle, debattiert, ist selbst aber kaum mehr investigativ tätig. Unterstützt wird damit unter dem Strich nur, dass der Zweck heilig ist, die Mittel je länger je mehr unbedenklich sind. Bis sich diese Praxis das nächste Mal gegen einen selbst wendet…

Das verlorene Unrechtsbewusstsein ist ein sehr hoher Preis für ein bisschen Desavouierung oder Strafverfolgung. Wir alle verlieren damit Rechtsgüter. Stück für Stück. Und sie werden nicht mehr zurück zu bekommen sein.




  1. Claudia · 3. Dezember 2010, 22:14 · #

    Ich bin mir da nicht sicher, ob die Verluste wirklich die Gewinne überwiegen – insbesondere im Fall Wikileaks.

    Hierzu mal ein Artikel:

    Wikileaks: Wir Untertanen

  2. Andreas Stricker · 4. Dezember 2010, 09:53 · #

    @Claudia: Kann dir nur zustimmen. Danke für den Link zu diesem sehr wertvollen Artikel.

  3. JIm · 4. Dezember 2010, 11:48 · #

    MIt WikiLeaks haben wir einfach eine weitere Instanz gewonnen, deren Ziele und Mittel nicht für uns klar sind. Ob es ein Gewinn ist, wird sich zeigen wenn es genug Nachahmer gibt. Ein Monopol das Informationen zurückhält ist unwesentlich besser als ein Monopol, das sie rausrückt. Man weiß in beiden Fällen nicht, ob alles stimmt.

  4. Thinkabout · 4. Dezember 2010, 13:07 · #

    Ich halte es ein bisschen wie @Jim.
    Offenlegung, Transparenz sind wünschenswert, das Unbehagen gegenüber der Macht, die sich offensichtlich nicht in den Dienst jener stellt, die sie vertreten sollte, ist verbreitet.
    Nur: Wer etwas niederreisst, sollte auch einen Plan dafür haben, was daraus folgen soll Und wie. Und das ist das Dilemma.
    Nochmals: Erhellend bis ernüchternd ist für mich die Reaktion der Presse auf die Enthüllungen durch Wikileaks. Und die entsprechenden Bemerkungen von Augstein im von Claudia empfohlenen Artikel benennen ein grosses Problem: Die korrigierende Macht der Presse ist nur noch eine Idee, weil sie ihrerseits das Prinzip der Unabhängigkeit längst aufgegeben hat.


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