Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Der Dreck an unseren Händen

∞  11 Januar 2008, 23:02

abgelegt in Themen SMS zum Tag
und Erdlinge


Wer auf die tritt, die schon im Dreck liegen (oder sich darin suhlen), hat weniger Selbstachtung als die Erniedrigten, denn er oder sie vergisst sich ohne Not.



Nochmals Pro Sieben: Sonya Kraus moderierte gestern „Simply the Best“, und gab darin die “Hitparade der 10 grössten Abstürze der Popstars” zum Besten. Mit welcher Lust dabei die traurige Verfassung von Michael Jackson und Britney Spears ausgebreitet wurde, besserwisserisch und von oben herab, von einer Person, die nur mit heisser Luft und einigen Rundung ins TV-Rampenlicht gespült wurde, war an Bosheit kaum mehr zu übertreffen. Degoutant, traurig, abstossend.

Wie armselig wir doch sind, wenn wir uns an den Abstürzen so genannt Prominenter delektieren. Müssen wir uns beweisen, dass Geld nicht alles ist, oder Erfolg? Trösten wir uns mit deren Unglück, oder ist persönliches Elend einfach so faszinierend? Oder töten wir damit sogar unseren Neid? Dieser Versuch wäre dann untauglich. Denn persönliches Glück ist eine private Angelegenheit und entsteht nicht durch äussere Vergleiche mit Nachbarn, Freunden oder fremden Ikonen.

Mit nichts verdienen die Medien so viel Geld wie mit unseren niedersten Instinkten..

Und jedes Mal, wenn wir solche Meldungen lesen oder solche Sendungen sehen, geht ein Stück unserer eigenen Selbstachtung verloren, denn immerhin haben wir nicht sofort den Sender gewechselt oder die Zeitung beiseite gelegt.


  1. m.m. · 11. Januar 2008, 23:34 · #

    Nicht nur die gefallenen Stars und Sternchen, lieber Thinkabout.
    Seltsam, aber das genau ist mir nun mehrfach aktuell aufgefallen
    Es macht sich leider auch schnell die “Meute” über Menschen her, die nicht der Einheitsmeinung zustimmen.
    Da wird ein Eintrag in einem Internet Forum zu einer regelrechten “Steinigung”. Die Wogen schlagen immer höher und es bleibt kein gutes Haar mehr an der Person.

    ...eine Kopf schüttelnde m.m.

  2. Richard · 12. Januar 2008, 08:23 · #

    zu “dreck… und moralische gesellschaft in verbindung mit gedicht v. 1.1.08”
    in der sz v. 11.1.08 ist eine interessante statistik über zuschauerstruktur und deren bildungshintergrund der privatfernseher in verbindung zu einer äusserung von öttinger.
    meiner ansicht nach ist nicht das problem die angebote der privatsender sondern die geldgeilheit der verantwortlichen in den öffentlich-rechtlichen welche zu den gebühren noch geldquellen in konkurenz zu den privaten anzapfen wollen und daher sich zu sehr nach einschaltquoten richten. siehe in nachrischtensendungen wie tagesschau oder heute hemmungslose werbung für maffiasportarten wie boxen oder radsport.
    trotzdem, mit beginn der alterstoleranz und dem bewussten verzicht des diebstahles von lebenszeit verstärkt sich die selektive wahrnehmung. die hoffnung leuchtet ja auch aus dem gedicht hervor

  3. Pascal · 12. Januar 2008, 22:42 · #

    Ich fühle mit. Mir gehen die selben Gedanken auch immer mal wieder durch den Kopf, wenn ich solche TV-Formate konsumiere.

  4. Thinkabout · 13. Januar 2008, 21:14 · #

    @ m.m., Richard und Pascal:
    Nun, gesteinigt werde ich ja nicht gerade, es wird z.B. hier sehr kontrovers weiter diskutiert.
    Dass die Alterstoleranz mit der Weisheit einhergeht, sich Lebenszeicht nicht länger stehlen lassen zu wollen, lässt mich frohgemut voraus blicken!
    Und Mitfühlende sind mir immer willkommen. Danke.


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