Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Der neue oberste Schweizer Pöschtler

∞  16 August 2008, 21:07

Die Schweizer Pöschtler bekommen einen neuen Chef. Der ist ja so was von auf Zack.


Interview im “Migros Magazin, Printausgabe 33/2008, mit Claude Béglé, dem designierten neuen Verwaltungsratspräsidenten der Schweizer Post. Zitate von Herrn Béglé:


“Ich bin ein Macher, ich bin aktiv, ich bin ein Leader.”

*


“Ich bin total abhängig von diesem Gerät und verbringe mehrere Stunden pro Tag damit: Der BlackBerry macht es mir möglich, rund um die Uhr an jedem Ort der Welt zu arbeiten. Aber es geht manchmal zu schnell. […] Man muss zwanghaft auf jede Mitteilung antworten und erhält das Gefühl, etwas verpasst zu haben, wenn man nicht jede gelesen hat.”

*


[Th.: Auf die Frage des MM, ob er, mit sechs Kindern genügend Zeit für die Familie habe, meint er:]


“Ja. Ich mache es wie mein Vater, der Manager bei Chocolat Suchard war. Auch er hat die ganze Welt bereist. Wenn er mal zu Hause war, widmete er sich voll und ganz der Familie. Für uns Kinder war das immer sehr speziell.”

*


“Ich arbeite 16 Stunden am Tag, bis Mitternacht ist Arbeitszeit. Mein Leben ist wie ein guter Roman. Es ist immer spannend.”



Immerhin hat er nicht behauptet, die Familie wäre ihm das Wichtigste.
Eigentlich möchte ich jetzt noch einmal tief Luft holen und dann loslegen.
Aber ich lasse es bleiben. Fast ohne weitere Worte.
Nur noch dies:


Lieber Herr Béglé,
wenn Sie auf dem Weg, Ihre Zeit weiter zu optimieren, manchmal das Gefühl beschleicht, sie kämpften sehr allein…: Die Chance ist leider gross, dass dem nicht so ist.
[Dies erklärt Ihnen hier John Whelans ]




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Einen Egomanen mit Arbeitswut als Chef?


  1. Titus · 16. August 2008, 21:40 · #

    Herr Béglé scheint sich häufiger zu widersprechen als er sich bewusst ist:
    a) Wer von einem BlackBerry abhängig ist, ist kein Leader. Der lässt sich führen durch das, was ihm via BlackBerry alles zugestellt wird – und vergisst dabei vielleicht den Blick fürs Wesentliche?

    b) Über den Begriff “Macher” kann man diskutieren. Aber mit einem BlackBerry “macht” man nicht, auch wenn das Konsumieren von Informationen auch zur Arbeit gehört. Ein Macher krempelt die Ärmel hoch und löst etwas Neues aus. Das geht aber nicht mit einem BlackBerry…

    c) Wenn er 16 Stunden am Tag arbeitet, wann hat er dann Zeit für seine Familie?

    Ob er vielleicht Die Post mit Swisscom verwechselt?

  2. Zappadong · 17. August 2008, 14:11 · #

    Ich unterschreibe jedes Wort von Titus.

    Wenigstens scheint er (der Pöstler, nicht Titus) nicht den absolut unseligen Spruch von “Meine Kinder sind mein Hobby” von sich gegeben zu haben. Dabei wird mir nämlich regelmässig übel. Und er hat – so scheint es – auch nicht den absolut bescheuerten Spruch von “Quality time” von sich gegeben. Trotzdem scheint alles genau darauf hinauszulaufen. Nun ja, wenn es das Gewissen beruhigt ….

    Kleine Ankedote am Rande: Meine Tochter hatte Informatikunterricht bei einem recht kritischen Lehrer. Bevor jeweils der Computer hochgefahren wurde, sagte der Lehrer jedes Mal: “Denkt daran: Ihr seid stärker als die Maschine.”

    Was meine Tochter in der ersten Oberstufe gelernt hat, scheint der oberste Pöstler nie gehört und schon gar nicht verinnerlicht zu haben. Wer zwanghaft auf jede Nachricht gleich antwortet, hat sich der Maschine untergeordnet, lässt sich leiten. Und das tut ausgerechnet einer, der leiten sollte? Oha lätz!

  3. Tina · 18. August 2008, 06:44 · #

    Wie auch immer….

    Interessanter Eintrag über einen alles andere als langweiligen Menschen! Gerade weil sich sein Leben von meinem ganz krass unterscheidet bewundere ich diese Energie und Lust auf Neues mit immerhin 58 Jahren!

    150 Länder bereist, in 15 Ländern gewohnt,
    Mit dem Auto fuhr er von Lausanne nach Nepal, um den König zu beraten; in Nigeria wurde er zum Stammeshäuptling gekürt, ­in Indien lebte er ein halbes Jahr in einer Jainistenfamilie, mal abgesehen von den beruflichen Wechseln….6 Kinder…aber Hallo!

    (Hab übrigens nicht rausfinden können, wieviel Länder es insgesamt gibt, zwischen 198 und 209 wohl?)

    Ich schaue ganz gern solchen Paradiesvögelchen zu, sie zeigen mir, daß da gar keine Grenzen sein müssen, wo ich welche vermute und meine setze. Daß viel mehr geht als man denkt. Daß ich mehr aus meinem Leben machen könnte….


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