Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Der unreife Mann... ein bisschen verärgert

∞  25 Februar 2007, 17:33

Eva Herman will die Frauen wieder zur Entfaltung als Hausfrau ermuntern. Darüber ist hinlänglich diskutiert worden. Hü und Hot in einer Diskussion sorgen für Pointen, Fronten und entsprechende Provokationen. Lösungen und damit lebbare Lebensmodelle liegen dann in der Regel fern ab von extremen Positionen, dafür um so näher an den konkreten individuellen Bedürfnissen. Nun hat Iris Radisch, Literatur-Club-Moderatorin, Jury-Vorsitzende des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt, Literatur-Redaktorin bei der Zeit und dreifache Mutter ein Stück weit genau in diesem Sinn eine Antwort in Buchform geschrieben:
www.literaturfoto.net

Frauen sollen ihre berufliche Erfüllung finden und trotzdem Mutter werden und bleiben können. Dazu braucht es die Unterstützung der Gesellschaft, die entsprechende Einrichtungen fördert (und neue erfindet). Und neben der Familienpolitik beginnt die Suche nach dem Mann irgendwie neu. Das heisst, ich würde es mir wünschen. Denn das Hauptproblem in allen diesen Diskussionen und Modellen sehe ich in einer Grundhaltung auf beiden Seiten der Geschlechter:

Rollenverteilung und Problem wird als Widerstreit zwischen zwei Lebewesen gesehen, von denen man meinen könnte, es handelte sich um zwei komplett verschiedene “Arten”. Ich zitiere ein paar Aussagen aus einem Interview, das Iris Radisch für die heutige NZZ am Sonntag Susanna Heim gegeben hat:

Vatersein und berufliche Erfüllung zu haben, schliesst sich ja bekanntlich nicht aus. [...] Es geht nicht um das Alles-haben-Wollen, sondern um das Alles-gleich-Haben wie die Männer.

*
Jede Zweite Ehe in den Grossstädten geht in die Brüche. Und meist sind es die Frauen, die den Preis dafür zahlen. [...]

*
Man kann sich nicht mehr auf einen Mann verlassen.

*
Der Mann wechselt [wenn es ihm mit den geteilten Aufgaben zu kompliziert wird, wenn das erste Kind da ist] womöglich zu einer Frau, die weniger Ansprüche stellt. Das ist genau die Unreife, von der ich rede.

*
[...] ich kann die Männer nicht besser machen. Mein Buch richtet sich auch primär an Frauen, und ich sage denen: Ihr müsst euch die Männer, die ihr auswählt, genau anschauen. Ihr braucht Männer, die eure Stärke aushalten, die nicht fliehen, wess es mal unbequem wird [...]


Tut mir leid, aber da erkenne ich mich nicht wieder. Und vielen meiner Kollegen wird es wohl ähnlich gehen. Dieses Verharren in den Schützengräben muss endlich überwunden werden. Wann werden die Frauen umgekehrt lernen, dass dies hier nicht ihr Problem ist sondern ein Gemeinsames – und dass Männer sehr wohl ebenfalls eine emotionale Lebensmitte brauchen und auch suchen, die ausbalanciert ist?

Ich glaube, dass erst dann wirklich Lösungen gefunden werden, und damit meine ich praktische Veränderungen, wenn Männer wie Frauen einander darin ernst nehmen, dass sie gemeinsame Bedürfnisse zu entdecken und abzudecken haben.

Dazu gehört, dass endlich anerkannt wird, dass eine gescheiterte Ehe überhaupt keine Sieger kennt. Nicht nur die Frauen zahlen dabei einen hohen Preis, sondern auch die Männer. Die finanzielle Belastung kann enorm sein, und spätestens bei der Trennung endgültig auf die Rolle des Ernährers reduziert zu werden, macht es emotional für die Männer nicht einfacher.

Ob Frau sich auf Mann weniger verlassen kann als früher, weiss ich nicht. Vielleicht weiss Frau vielleicht besser als früher, was sie bräuchte, kann es aber in die Lebensplanung vor der Eheschliessung nicht einbringen und entwickelt erst im Lauf der Jahre die Erkenntnis, dass sie sich selbst in vielen Einschätzungen der eigenen Bedürfnisse (und derer Gewichtung) getäuscht hat? Würden wir Männer diesen Frauen in einem solchen Fall Unreife vorwerfen, so wäre aber so was von Radau im Karton!

Auch Frauen wissen zu Beginn einer Ehe vielleicht was sie sich wünschen, aber nicht unbedingt, was sie wirklich brauchen. Wir alle machen unsere Lebenserfahrungen und müssen dann unsere Korrekturen anbringen. Oder mit der Situation und den nächsten Menschen klar kommen, so wie wir und sie sich neu erkennen.

Wie viele Frauen bringen denn in eine kriselnde Ehe die Idee ein, ein zusätzliches Kind würde die Beziehung zum Mann beleben – und wie viele Scheidungskinder gehen daraus hervor? Ist das nicht auch Unreife? Natürlich ist auch hier die Frage auf beide Partner anzuwenden.

Vatersein und berufliche Erfüllung zu haben, soll sich nicht ausschliessen? Das kann Frau doch nur behaupten, wenn sie von Anfang an unterstellt, dass auch die tieferen Bedürfnisse des Vaters nichts damit zu tun haben, das eigene Kind beim Aufwachsen erleben zu wollen.

Ich bin sicher: Wäre es möglich, mit Teilzeit-Modellen oder alternativen Arbeitsformen gesellschaftlich anerkannte Arbeit zu machen (Karriere, was immer das heissen mag…), so glaube ich sehr wohl, dass viele Männer diese Gelegenheit ebenso gerne annehmen würden, wie Frauen. Und dann besteht wirklich eine grosse Chance, dass sie auch umgesetzt werden!

Tatsache ist: Wir alle werden älter und reifer. Und es mag vielleicht die Chance unserer Erfahrungen sein, eine Gesellschaft zu schaffen, die Lebensmodelle anbietet, mit denen es leichter ist, seine Bedürfnisse zu verwirklichen und sich menschlich und als Familie zu entwickeln, individuell und in der Partnerschaft. Das wird uns aber nur dann gelingen, wenn beide Geschlechter darin eine Chance sehen, bestehende Defizite abgebaut zu bekommen.

Dazu würde dann auch gehören, dass Frauen ihr Muttersein auch gerne mit Männern teilen mögen, die wirkliche Väter für ihre Kinder werden und damit nicht nur Ansprüche befriedigen, sondern auch Aufmerksamkeit und Einfluss bekommen – von den und für die eben nicht nur “eigenen” Söhne und Töchter der Mütter.

  1. Gabi · 25. Februar 2007, 18:49 · #

    Also mich als Frau haben Deine aufgeführten Zitate, die doch von einer Frau sind, zum Kopfschütteln gebracht.
    Mit Deinem Beitrag hast Du sehr gut meine Gedanken hierzu formuliert Thinkabout!
    Da kenne ich viele Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, die auch Frau Radisch nachweislich widersprechen könnten!
    Wann hat dieser Unfug ein Ende?
    Wann wird dies Anspruchsdenken reduziert und stattdessen erkannt, dass es nie nur schwarz oder nur weiß geben kann?

    Danke Thinkabout und Grüße
    von Gabi

  2. Tina · 25. Februar 2007, 20:41 · #

    Ich bezweifle, daß man zu diesem Problem eine Lösung so locker aus dem Ärmel schütteln kann.

    Die Buchbeschreibung läßt vermuten, daß sich Iris Radisch in ihrem neuen Werk anscheinend nicht in den fast schon ermüdenden Vorwürfen fehlender Gleichberechtigung verliert, sondern neue Fakten auf den Punkt bringt – was sich in den von Dir aufgeführten Interview-Aussagen allerdings nicht widerspiegelt….

    Auszug aus der Amazon-Buchbeschreibung:
    “Die Schule der Frauen. Wie wir die Familie neu erfinden, Iris Radisch”:
    Unser überkommenes Familienmodell funktioniert nicht mehr. Ein neues aber haben wir auch noch nicht gefunden. „Was wir aber heute schon haben, und was die Vorhut der drohenden Kinderkatastrophe ausmacht, ist eine Liebeskatastrophe.“ Dies habe viele Gründe, vor allem aber „das völlige Fehlen von Vorbildern gelingender Liebe in modernen Lebensverhältnissen“.

    Die Scheidungsstatistik gibt ihr Recht und spricht natürlich Bände: Scheidungsrate 2005: fast 52 %!!!
    http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/tabellen/scheidungen_eheschliessungen.htm

    Liebe braucht Vertrauen und Verläßlichkeit, aber auf einen Grantieschein hofft man beim Geben des Ja-Wortes auch vergeblich. Es gibt keine Geling-Garantie wie bei den Backmischungen von Dr. Oetker….:-)

    Das Mißlingen des Zusammenlebens liegt meiner Meinung nach am neuen stark ausgeprägten Egoismus, den man sich dank der Gleichststellung erlauben kann, und den man von Kind an gewohnt ist. Wer will denn auf etwas verzichten? Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Alle Rechte werden eingeklagt und durchgesetzt. Ja, irgendwie bräuchten wir neue Vorbilder, Muster, die uns zeigen wie es nach den neuen Spielregeln gelingen kann…..und erstebenswert ist…ja, am Ende vielleicht sogar Spaß macht ! :-))

  3. Elke · 26. Februar 2007, 10:23 · #

    Das Ganze ist ein sehr komplexes Thema und Vieles was ich dazu schreiben könnte, finde ich bei Tina wieder. Gerade geht mein neues Buch in Druck, in dem ich auf mein berufliches Leben zurück blicke, wobei das private nie außen vor bleiben konnte. Beim Schreiben habe ich mir ebenfalls über dieses Thema Gedanken gemacht, denn es betraf (betrifft) mich sehr. Und ich denke, dass sich keine hundertprozentigen Lösungen aus der Politik heraus finden lassen, auch wenn es gut wäre, wenn Frauen noch mehr Unterstützung finden könnten. Denn zunächst mal – und das wird gerne vergessen – bleibt das Kinderkriegen und damit oft auch Aufziehen ein weibliches, weil biologisches Problem.
    Herzliche Grüße
    Elke


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