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Der Westler und der Muselman - Zwei Welten

∞  26 Januar 2013, 16:04

Der Westen sah im arabischen Raum im letzten Jahrhundert wohl vor allem das Öl, doch die Menschen blieben uns und sind uns fremd.

istockphoto.com/zbruch:

aus “Priests Of The World”


Rohstoffvorkommen und eine zudem noch fremde Religion – es braucht nicht mehr, um unüberwindbare Gegensätze und Unverständlichkeiten zu schaffen, und bei einem bestehenden Machtgefälle werden daraus Fakten, welche die Schwächeren unter die Knute stellen. Fragen nach dem Warum und “Wer bist Du eigentlich?” kommen da bald nicht mehr auf. Der Islam ist auf dem politischen Vormarsch. Kein Zweifel. Zumindest dort, wo regionale Macht durch religiöse Motivation geeint durchgesetzt werden kann, macht uns das Angst, nicht zuletzt deshalb, weil die Durchsetzung archaisch wirkt und auf Grundsätzen aufbaut, die rückständig wirken und Menschenrechte missachten.

Aber damit ist es nicht getan. Einem von seinem Glauben beseelten Fanatiker kann ein weltlich geprägter westlicher Staat, in dem die gesellschaftlichen Werte des Christentums nur noch als Teil der allgemeinen Menschen- und Mitbestimmungsrechte rechtlich fest geschrieben sind, nichts Überzeugendes entgegen halten. Abgesehen davon, dass einem Fanatiker mit der Ratio nie beizukommen ist:

Bei aller Abscheu, die wir ob der uns vorgezeichneten Missachtung von ganzen Bevölkerungsgruppen empfinden mögen, fragen wir uns manchmal wohl auch, wie denn ein rechtschaffener muslimischer Mann und Vater, ein Oberhaupt einer Familie aus dem islamischen Raum, mit jenen Bereichen unserer Toleranz zurecht kommen soll, in denen wir selbst offenbaren, dass wir zwar die persönliche Freiheit hoch gewichten, diese aber mit sexualisierten “Inhalten” füllen, die einen solchen Menschen von der Unmoral unserer Welt überzeugen müssen.
Abschottung vor den realen Bedürfnissen ALLER Menschen trifft auf haltlose Darstellung und Gewährung einer sexuellen Freiheit, die auch nur Leere erzeugt, wenn wir es recht bedenken.

Der Einwand, dass es unter den Roben und im Hirn der bärtigen Männer genau so viel oder noch mehr sexuelle Gewalt gibt als bei uns, sollte kein Vorwand sein:
Wir haben ein Problem mit der Moral. Mit der religiösen Moral wurden wir missbraucht, und die weltliche definieren wir unter den liberalen Anreizen einer Wettbewerbs- und Konumgesellschaft immer dehnbarer: Es fehlt uns das beständige, verlässliche Fundament. Wir bauen auch unsere Überzeugungen auf Sand. Angesichts der Sterblichkeit sind wir bereit, alles her zu schenken. Früher oder später.

Derweil stirbt ein weiterer Bärtiger für die Aussicht auf unzählige Jungfrauen. Die Welt also ist beidseits der Linien ziemlich verrückt geworden. Oder geblieben.

Und wer von uns versteht schon den überall immer wieder aufflammenden Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten? Es möge mich niemand für meine Unkenntnis schlagen wenn der Vergleich unstatthaft sein sollte: Auch das Christentum hat den Kampf bis aufs Blut gekannt, zwischen Katholiken und Protestanten, und nie wurde wohl wilder auf Köpfe eingeschlagen, als in diesen Auseinandersetzungen.

Aber es ist schon sehr quälend, zu sehen, wie sich der Konflikt dieser zwei Glaubensrichtungen in politischen Lagern widerspiegelt, über Länder hinweg, als Teil des weltpolitischen Spiels mit manchmal auch wechselnden Fronten und Unterstützungen – ohne dass z.B. westliche Machtpolitiker verstehen könnten, was sie langfristig mit der Unterstützung der einen Seite auslösen mögen?

Wenn ich dann noch auf die bedauernswerten Palästinenser schaue, die aus welcher Ecke auch immer im besten Fall mit Lippenbekenntnissen rechnen und auf keine geeinte eigene Führung zählen können, dann wird mir endgültig schwindelig.

Es ist kein Wunder, dass in solch vertrackter Lage eines am Ende am ehesten eint: Ein gemeinsamer Feind. Israel. Und mit ihm der Israel unterstützende Westen. Das ist Grund zum Hass genug für den muslimischen Selbstmordattentäter in Afrika. Oder wo auch immer. Die anderen sind das Böse und an allem Schuld. Die eigene Mission im Namen der Unfehlbarkeit ist des Fanatikers Zuflucht. Er sät, was er selbst geerntet hat: Die faltale Folge menschlicher Irrtümer.

Wir sind arme Geister in einer reichen Welt, die wir plündern, bis uns alles durch die Finger geronnen ist. Meiner persönlichen Meinung nach wäre daher keine unterstützende Hilfe so wertvoll wie jene für Projekte, in denen im Rahmen eines guten Bildungsangebotes für alle interkonfessionell und interreligiös unterrichtet wird. Wir müssen einander verstehen können. So weit, dass wir neugierig auf einander werden statt in Feindseligkeit Gefängnisse für den eigenen Geist zu schaffen.

Dass ich dennoch gegen die ungezügelte Zuwanderung aus ethnisch fremden Räumen bin, ist dazu kein Widerspruch, im Gegenteil: Wir fordern Integration, wir müssen sie aber auch anbieten. Man kann auch den guten Willen überfordern. Zuerst ist also nicht unsere Gleichmut für Einwanderer gefragt, sondern der Grad unseres Willens, diesen Einwanderern eine Infrastruktur zu bieten, auf Grund derer wir auch das Engagement der Eingewanderten und die Anpassung fordern können.

Italiener, Spanier und Portugiesen konnten wir einfach arbeiten lassen, lapidar auf die Freiwilligkeit und die ökonomisch für sie noch immer verbesserte persönliche Bilanz verweisend. Muslime und andere Menschen komplett unterschiedlicher Ethnien werden nur durch einen Job nicht zu angepassten Teilen der Gesellschaft. Die Schattengesellschaft, die sie naturgemäss auszubilden beginnen, bleibt uns fremd und ist auch Folge unserer nicht durchdachten, unehrlichen Ausländerpolitik.

Angenommen, unsere christliche Nächstenliebe wäre nicht theoretischer Teil einer tolerant formulierten Asylpolitik sondern gelebte Menschlichkeit, so könnten damit den falschen Erwartungen der fremden Einwanderer begegnet werden. Dies ist aber nicht der Fall, und daher ist eine rigidere Praxis einfach nur ehrlich, mag die dabei zum Ausdruck kommende Angst auch beschämend sein.




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