Die Kunst, zu diskutieren
Ich bewundere Menschen, die einer Diskussion schweigend folgen können, obwohl sie glauben, bessere Argumente zu haben. Sie wissen, dass in einer solchen Situation nicht immer zugehört wird. Für und wider werden nicht ausgetauscht, sondern aufgebaut, die Positionen werden bezogen. Mit Zuhören hat dies wenig bis gar nichts zu tun.
Nach einer gewissen Zeit kehrt etwas Ruhe ein.
Jeder Einzelne hat nicht mehr in erster Linie das Echo der eigenen Stimme im Ohr.
Es kann sein, dass nun das Wort ganz natürlich ihm zufällt, der noch nichts gesagt hat, und wenn er zu sprechen beginnt, bleibt die Ruhe in den Zuhörern erhalten. Es gibt kein Aufbegehren gegen das Eindringen des anderen Standpunktes. Man sieht ihn sich an. Nicht zuletzt vielleicht auch, weil er ohne Ansprüche vorgetragen wird.
Ja, die Stimme wird am Ende sogar ein wenig angehoben, die zwei, drei letzten Silben schwingen oben aus, nicht schrill, eher leise, als bildeten sie ein bereits nachdenkendes, ja nachfragendes Echo.
Wie viele Diskussionen kennen wirklich die Frage: Und wie seht Ihr das?

Foto: Sepp Buob, Zürich, Fotocommunity
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Marianne · 14. Juli 2008, 19:08 · #
Sehr wenige Diskussionen kennen diese Frage. Da wird laut und lauter geredet, einer fällt dem andern ins Wort. Nur eben, das sind dann keine Diskussionen mehr, das sind Selbstgespräche. Und da keiner dem andern zuhört, lernt niemand etwas Neues. Diskussionen am Fernsehen sind, für mich, verlorene Zeit. Zurück bleibt nur Frust, da die, die am lautesten schreien, am ehesten zu Wort kommen.
Eine echte, gepflegte Diskussion aber ist spannend, interessant und lehrreich. Da bin ich sehr gerne dabei.
ThomasK · 15. Juli 2008, 18:34 · #
Der Versuch einer Aufstellung:
0.) Meist unecht, ungepflegt und vollkommen unspannend: Diskussionen im Privat-TV.
1.) Meist zu fanatisch mit latenter Eskalaktions-Gefahr: Diskussionen um Ernährungsgewohnheiten, Betriebssysteme, Musikgeschmäcker und Suchmaschinenoptimierung.
Zu festgefahrene Kontrahenten ohne Bereitschaft zuzuhören oder gar fremde Standpunkte gelten zu lassen.
2.) Diskussionen über Weltanschauung, Politik, Glauben und Wissenschaftliches oder darüber hinaus:
KÖNNEN sogar solche sein, bei denen man noch was mit nehmen kann… jedoch nur wenn a) kein Guru anwesend ist (meine Definition: mindestens ein selbstgeschriebenes Buch sowie eine Anzahl “Gläubiger / Jünger”) und b) keine “Gläubigen” anwesend sind und c) die Teilnehmer entspannt sind.
Achtung: Eskalationsgefahr.
Sichere Entfernung halten, Chips und Kaltgetränke bereit halten… verKALKt mitunter erträglich und köstlich: http://www.youtube.com/watch?v=qOVMVBdem-Y
apropos Pauschalissten:
3.) Schweiz-Deutsche Sympathie-Diskussionen….
seit heute würd ich die sogar als deutlich mehrwertig und interessant bezeichnen. Spätestens wenn der lecker Bergkäse libanesisch wird, der Blick europäisch und die Bewegung eine auf ein ander zu ist, dann machen Blogs viel mehr Sinn und Laune als platte Schlagzeilen… der beste Blick über den Tellerrand ist der, zum gesunden Menschenverstand und nicht zum Massenmedium.
Thinkabout · 15. Juli 2008, 18:43 · #
Tja, lieber ThomasK, und darüber wird noch zu bloggen sein…
Danke!
nicole · 23. Juli 2010, 08:26 · #
Ist es mit Diskussionen nicht nicht wie mit einem achtzig Prozent Job, obwohl man weniger da ist oder eben daran teilnimmt, ist man effizienter und ideenreicher.