Die Perversion des Überflusses
Wie gross ist der Anteil an Lebensmitteln, die überhaupt auf unsere Teller kommen können, weil sie „frisch“ genug sind?
Wieviel Prozent der Lebensmittel wandern in einem Qualitätsrestaurant vom Gast zurück in die Küche?
Ich habe heute eine Packung Nüsslisalat (Feldsalat) gekauft, auf 50% herunter gesetzt. Die Packung hatte einzelne Blätter mit braunen Fleckchen. Unter dem Strich, einmal gerüstet: Ausschuss weniger als 3%.
Wir rühren nicht an, was nicht mehr in den hellsten Farben leuchtet. Wir „sind uns die absolute Frische wert“. Umgekehrt rennen wir jeder Aktion hinterher und reklamieren, wenn das Joghurt 5 Rappen teurer wird. In Deutschland herrscht Ausnahmezustand wegen den Milchpreisen. Während sie bisher jahrelang unter den Gestehungskosten verkauft wurde.
Wir sind Pfennigfuchser und feine Pinkel in einem und haben gegenüber unserer Nahrung ein absolut pervertiertes, total gestörtes Verhältnis.
Wir halten Vorträge über gesunde Ernährung, haben alle schon gescheite Bücher darüber gelesen und wiegen bedeutungsschwer den Kopf, wenn wir davon erzählen. Daneben haben wir bald keine Ahnung mehr, wie man kocht. Mutters Hausrezepte? I wo. Die Sushi-Bar ist gleich um die Ecke. Und gesund ist das, sage ich Dir!
Ich liebe meine Frau gerade auch wegen ihres Sinnes für alles Lebendige. Es kann durchaus sein, dass der Pfirsich, der im Regal ein bisschen schrumpelig vor sich hin trauert, ganz bewusst in ihrem Einkaufskorb landet…
Keine Angst: Der Sinn für das Lebendige hört auf, wenn der Pfirsich zu kriechen beginnt!
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Janna · 2. August 2007, 18:09 · #
....:-) Janna
Tina · 3. August 2007, 04:31 · #
Also ich greife in der Käsetheke auch immer die ganz hinten einsortierten Produkte ab, bei denen das Verfallsdatum noch eine Menge Zeit aufweist. Und ich kaufe auch nur frisches Obst, das mich “anlacht”. Und ich finde dieses Kaufverhalten nicht unbedingt gestört…..
Ich nenne das einen bewußten Umgang mit meinem mühsam verdienten Geld. Ich handle somit nach dem ökonomischen Prinzip, kaufe jedoch Eier aus Freilandhaltung, bevorzuge Waren aus biologischem Anbau und Produkte aus dem eigenen Land, aber das wars dann auch schon an Zugeständnissen.
Ich unterstütze nicht das schlechte Management eines Geschäfts, das nicht in der Lage ist, die Umschlagshäufigkeit der Produkte richtig auszuwerten und sinnvoll zu disponieren.
Vielleicht resultiert mein wachsames Verhalten aus den vielen Lebensmittel-Skandalmeldungen, die man täglich lesen kann. Und aus dem Wissen, ziemlich allein da zu stehen, wenn ich beispielsweise mit einer Salmonellenvergiftung in der Uni liege und mir die Krankenkasse mitteilt, welche Leistungen im Bemühen meine Gesundheit wieder herzustellen alle NICHT im Budget enthalten sind…..
Thinkabout · 3. August 2007, 15:45 · #
das mit dem Management bei Frischprodukten ist so eine Sache… Wenn das konsequent angestrebt wird und man sich in die falsche Richtung verhaut, bist Du vielleicht die erste, die sich beschwert, dass gar nichts mehr da ist?
Da ich ein bisschen Einblick in die Hintergründe habe, kann ich nur sagen: Das Ausmass des in Kauf genommenen Ausschusses à Konto Schweinefutter (im besten Fall) ist enorm… um eben genau das nicht riskieren: Unzufriedene oder abwandernde Kundschaft.
Tina · 3. August 2007, 17:22 · #
Na aber bitte! – Ich und mich beschweren! ;-))
Ganz so krass bin ich ja nun auch nicht drauf, und da die Auswahl im Allgemeinen ganz schön vielfältig ist kann ich durchaus auf Alternativen ausweichen.
Bin ja erst 47 und wenn mein “Großer Bauer-Joghurt “ mal vergriffen ist steh ich nicht ratlos vorm Regal sondern probier halt mal eine andere Marke…:-)
Bevor das Verfalldatum erreicht ist und man die Ware wegwerfen muß kann man doch auch mit reduzierten Preisen den Absatz beschleunigen…um wenigstens auch einen Teil des Geldes zu erhalten.
Weißt Du, daß wenn im Sommer in Rewe oder Aldi Pflanzen angeboten werden viele davon auf dem Müll landen, nur weil das Personal keine Zeit/Lust hat sie zu gießen? Vertrocknet, weg damit! Das tut weh! Aber ich soll den Schrumpelapfel kaufen? Echt nicht!
Du hast da zweifellos mehr Einblick in die Möglichkeiten und Schwierigkeiten als ich. Und eins ist auf jeden Fall richtig: Um überhaupt abwandern zu können ist es erforderlich, daß sich auch kleinere Läden auf dem Markt halten. Wo soll die Kundschaft denn sonst hinwandern als zu Rewe oder Aldi…?
Frank Ansbach · 11. August 2009, 11:40 · #
@TINA: “Also ich greife in der Käsetheke auch immer die ganz hinten einsortierten Produkte ab, bei denen das Verfallsdatum noch eine Menge Zeit aufweist. “
Also bei Käse nehme ich immer die Produkte, bei denen das Verfallsdatum schon überschritten ist. Weil viele der verkauften Käsesorten erst dann DAS Stadium der Reife erlangt haben, das für Genuss sorgt (in Deutschland hält man Brie und Camembert offensichtlich für Schnittkäse).
Außerdem sei den Frischefanatikern gesagt, dass nicht frisches Fleisch das beste ist, sondern gut abgehangenes – wobei es bei diesem Problem nicht weiterhilft, das abgelaufene Gammelfleisch in den Einkaufswagen zu werfen…