Die Slowakei und die Pleite der andern
Die Slowakei legt sich quer. Zumindest droht der EU bei der Frage der Ausrichtung eines Rettungsschirmes quasi das Veto in Form eines Neins des slowakischen Parlaments. Die Slowakei wird als letztes Land über den Euro-Rettungsschirm abstimmen – und ihn wahrscheinlich ablehnen.
Grund genug für ein Interview der Frankfurter Allgemeinen mit Richard Sulik, dem Präsidenten des slowakischen Parlaments und dem “geistigen Vater” der einheitlichen Einkommenssteuer von 19% in der Slowakei (2004).
Ich verstehe wohl zuwenig von den tiefen wirtschaftlichen Zusammenhängen, aber wenn ich dem Herrn Sulik so zuhöre, dann bleiben ein paar Sätze bei mir hängen, von denen ich mir mehr wünsche: Glasklar formulierte Vernunft, will mir scheinen. Oder doch nicht? Klar ist: Jede Form von Widerspruch zur slowakischen Position spielt mit dem Argument der Zeit, will eine Dynamik ins Rollen bringen, die selbstreinigend alles zum Besseren kehrt. Man kann auch sagen: Wir sehen gerade, wie es heraus kommt in diesem System, in dem alle mit Hilfe aller gemeint haben, Geschäfte ohne eigentliches Kapital machen zu können. Hier also ein paar Zitate:
Man kann nicht die Schuldenkrise mit immer neuen Schulden lösen. Das ist so, als würden Sie Feuer mit einem Ventilator bekämpfen. Was die Eurozone und den Euro bedroht, ist der Rettungsschirm selbst.[…]
Was die Staaten garantieren müssen, sind die Spareinlagen. Das ist billiger, als ganze Banken zu retten.
[…]
Die Eurozone wird nur funktionieren, wenn Staaten pleite gehen können und alle Investoren das wissen.
[…]
Darüber [eine Wirtschaftsregierung, Th. ] können nicht Politiker entscheiden […]. Man muss die Bürger fragen in Referenden oder bei Wahlen.
[…]
Natürliche Entwicklungen [das Zusammenwachsen in Europa, Th.] darf man nicht stoppen, aber man sollte sie auch nicht künstlich beschleunigen.
Der Mann muss mit den Schlüssen, die er aus seinen Grundsätzen zieht, ja nicht richtig liegen. Aber: Ist irgendwas an den obigen Zitaten falsch?

babbinski · 4. Oktober 2011, 20:26 · #
Mit dem Euro ist es Hopfen und Malz verlohren. Da ist nix mehr zu machen. Die sollten die Währung an den Nagel hängen…
Alice Gabathuler · 5. Oktober 2011, 06:02 · #
Da denkt wieder einmal ein Land eigenständig. Wie damals die Iren. Die liess man dann abstimmen, bis sie so stimmten, wie man wollte. Würde mich interessieren, welcher Druck gegen die Slowakei aufgebaut wird.
Ich finde ja, dass der Mann absolut recht hat. Nur: So einfach ist das alles nicht. Egal, was man tut, es wird grausame Konsequenzen haben.
Stefan Wehmeier · 5. Oktober 2011, 13:02 · #
„Der von uns aufgedeckte Konstruktionsfehler des kapitalistischen Systems bedingt aber nicht nur diese periodisch wiederkehrende Schädigung des Unternehmertums, sondern er führt auf lange Sicht zu einer ernsten Gefährdung seiner Existenz durch die immer brennender werdende soziale Frage. Solange diese nicht endgültig gelöst und bereinigt ist, werden die Angriffe aus dem sozialistischen Lager gegen das Unternehmertum mit wachsendem Erfolg fortgesetzt in der Gewerkschaftspolitik, in den Kämpfen um Lohnerhöhung und Mitbestimmung, in den Sozialisierungsbestrebungen, die sich erfolgreich des staatlichen Machtapparates bedienen. Das Ziel ist die vollständige Sozialisierung der Produktionsmittel mit Vernichtung der freien Unternehmerinitiative – im genauen Gegensatz zu der von uns vorgeschlagenen „Sozialisierung“ des Kapitals mit Erhaltung des privaten Besitzes und des vollen Verfügungsrechtes über die Produktionsmittel. Diese sozialistische Entwicklungstendenz begegnet sich mit merkwürdiger Einmütigkeit mit der vielleicht noch gefährlicheren kapitalistischen Tendenz einer staatlichen Investitionspolitik, welche die Vollbeschäftigung um den Preis einer verlustreichen Investition ermöglichen, dem Staat das Risiko aufbürden und dem Kapital den ungeschmälerten Zinsertrag auch bei abnehmender Rentabilität zu Lasten des Steuerzahlers garantieren soll. Das Ende dieser Entwicklung kann nur sein, dass jedes freie Unternehmertum in der überwuchernden staatlichen Bürokratie vollends erstickt!“
Dr. Ernst Winkler („Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung“, 1952)
Alle wesentlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge wurden bereits 1916 in dem makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ von dem Sozialphilosophen Silvio Gesell vollständig und widerspruchsfrei beschrieben. Alles, was davon prinzipiell abweicht, sind Vorurteile und Denkfehler, die sich aber bis heute besser verkaufen ließen, als die einzig denkbare Möglichkeit des zivilisierten Zusammenlebens. Denn der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) setzt die Überwindung der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor) voraus:
http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/08/die-7-plagen.html
Thinkabout @Alice · 5. Oktober 2011, 16:47 · #
Wahrscheinlich sind die Konsequenzen am Ende um so härter, je länger man die harten Konsequenzen scheut.
Und zur Slowakei:
Vielleicht steht hinter allem auch hier nur ein Kalkül: Man kann sich eine am Ende doch erfolgende Zustimmung auch mit anderen Zugeständnissen erkaufen – auch ohne dass diese so ganz genau öffentlich werden. Vorläufig aber kann man sich an die Diskussion halten und sich fragen, wie sehr der Mann wohl recht hat, wenn er denn auch meint, was er sagt?