Die Veränderung zum (Un-)Glück
Charles Baudelaire
Ja. Dabei lebte Baudelaire noch in einer Zeit, in der man Gedichte schrieb. Und die Menschen hatten wohl mehr Grund, sich sonst wohin zu wünschen… Aber was liefert uns diesen Grund? Was treibt uns an? Wir glorifizieren sie ja schon fast, diese Gier nach Veränderung und materieller Verbesserung.
Umgekehrt erfindet unsere Gesellschaft Begriffe wie “Entschleunigung”. In der Verschlagwortung von Begriffen kriegt zum Ende aber die Seele nicht mehr Raum, aber das Marketing neue Märkte: Ganz schnell gibt es Wellness-Programme, die bei dieser Entschleunigung helfen. Immer weniger suchen und gestalten wir Lösungsansätze, die wir nicht nur konsumieren können.
Je beuemer wir sitzen, um so mehr scheinen wir uns dem Gedanken auszuliefern, dass es doch bestimmt woanders besser wäre. Die Fähigkeit, zufrieden zu sein, verkümmert in einer Konsumgesellschaft. Denn wer zufrieden ist, konsumiert nicht immer mehr. Das ist in einer Wirtschaftsgemeinschaft, die ihr Heil im Wachstum durch Konsum sieht, anders vorgesehen…
So soll Zufriedenheit ein unerfüllter Mythos bleiben, der ständig neue Investitionen von uns fordern will: Die Reise, das Auto, das Haus, das Markenprodukt, das Gourmet-Restaurant.
![]()

Carola Nadler · 26. Mai 2012, 22:32 · #
Dabei lebte Baudelaire noch in einer Zeit, in der man Gedichte schrieb.
Dabei hat doch Grass erst wieder was Neues zu Griechenland gedichtet.
Claudia · 27. Mai 2012, 14:15 · #
Ach, wie recht du hast! Und wie schwer es ist, dagegen zu halten!
Persönlich war ich immer eher “konsumbehindert”, denn “Shopping” macht mir keinen Spass, sondern ist eher Stress. Seit man nicht mehr vom Monitor weg muss, um sich alles Mögliche zu kaufen, bin ich ein Stück mehr gefährdet – versuche aber, auch weiterhin nichts zu kaufen, was ich nicht wirklich brauche. Trotzdem kaufe ich mehr als früher offline, weil es im Netz auch alle Produkte für sehr speziellen Bedarf gibt (z.B. künstliche Wursthäute, die ich mir für die Zubereitung veganer Würste bestellen konnte).
Ganz allgemein ist es aber ein Trauerspiel, wie sich Menschen von ihren jeweiligen Interessen weg in die entsprechenden Konsumwelten locken lassen, So kauft sich der Angler-in-spe erstmal eine umfangreiche Ausrüstung. Radfahrer begegnen mir auf ganz normalen Radwegen ausstaffiert wie für die Tour de France. Wer malen will, nimmt meist nicht das, was grade da ist bzw, einen einfachen Farbkasten, sondern steigt in die vielfältige Produktwelt der Öl- und Acrylfarben, der elaborierten Pinsel und Leinwandmaterialien ein, inkl. Staffelei, Reinigungsmittel und Lehrbücher ohne Ende.
Und dann hat man die Medien und Produkte zum jeweils neuen Hobby versammelt und merkt: eigentlich hab ich nicht so große Lust darauf…
So sammeln sich die Accessoires für die verschiedensten “wonna-be”-Produktwelten in den Schränken, Hochböden, Regalen und Kellern der Wohnungen und Eigenheime. Nie benutzt, ein bis dreimal probiert und dann vergessen.
Macht ja nix, Hauptsache, es wird GEKAUFT.