Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Dort Armut, hier Geiz: Die andern hungern, wir essen Dioxin

∞  9 Januar 2011, 18:29

In Algerien geht die Bevölkerung auf die Strasse, weil die Lebensmittelpreise ständig steigen.
In Deutschland wird zur Zeit ein Dioxinskandal aufgedeckt – der nicht zuletzt auf den vermeintlichen Zwang, Lebensmittel immer billiger herzustellen, zurück zu führen sein dürfte.
Gezeigt werden in dem Zusammenhang dann Legehennen-Betriebe in NRW, Deutschland. Und ich frage mich einfach, wie lange man in Deutschland und anderswo noch diesen Umgang mit der Kreatur akzeptieren will.

So lange wohl, wie der Markenartikel quersubventioniert wird mit billiger Nahrungsaufnahme – und damit in vielen Schichten der Bevölkerung. So gesehen ist ein Dioxinskandal ein Stück weit nichts anderes als gerecht: Denn damit gelangt das Problem zurück zu den Verursachern. Und das sind eben, nicht zuletzt, auch wir Konsumenten.

Und wenn uns die Globalisierungsfolge hoher Lebensmittelpreise in armen Ländern schon nichts angehen will, dann droht uns wenigstens eine Konsequenz aus dem eigenen Konsumverhalten. Irgendwie ist das durchaus in Ordnung.




  1. Alice · 10. Januar 2011, 06:14 · #

    Einmal mehr genau auf den Punkt gebracht!

  2. dirk · 10. Januar 2011, 10:41 · #

    In Deutschland können sich Millionen drei oder vier Euro mehr am Tag für Lebensmittel nicht leisten. Darunter viele, die Arbeit haben. Die wollen vielleicht fair produzierte Ware kaufen, würden gerne gesünder essen, mögen gar nicht mitschuldig sein und können nur hoffen, dass sie keiner vergiftet. Es geht ihnen immer noch besser, als Milliarden in ärmeren Ländern – die aber auch kein sauberes Essen haben, es nur nicht wissen, weil es bei ihnen gar keine Kontrolle gibt.

    Wir leben im Westen so satt und reich und führen Kriege, damit es so bleibt, da mag es gerecht erscheinen, wenn uns wer mordet, aber der einzelne Arme weiß nicht, was er machen soll – der Welt? – sich zu helfen.

  3. Thinkabout @ Dirk · 10. Januar 2011, 18:48 · #

    ich prangere gewiss nicht das Verhalten, noch nicht mal den Reflex der wirklich Armen bei uns an, sondern die Tatsache, dass Nahrung im Verhältnis aller Lebenshaltungskosten immer weniger kostet – und ganz offensichtlich kosten darf. Ich werde dazu wohl heute auch noch separat einen Blog-Artikel nachschieben.

  4. Menachem · 10. Januar 2011, 20:54 · #

    Ich find im Moment keine stimmige Erklärung, welche Rolle der Verbraucher dabei spielt, wenn überhaupt.

    Der landwirtschaftliche Betrieb kann heute bestimmt nur noch dann exestieren, wenn er bestimmte Mindestmengen herstellt. Nur mit ein paar Bio-Hühnern und pestizidfreien Tomaten werden nicht die Umsätze erzielbar sein, um eine Familie über Wasser zu halten.

    Insofern verstehe ich auch den Schritt zur landwirtschaftlichen Großproduktion als Entscheidung zwischen “friß” oder “stirb”. Ist die Entscheidung vor vielleicht 10 oder 20 Jahren gefallen, so nehme ich an, ist heute nicht nur der Kapitaldienst zu leisten, sondern auch die Reinvestitionen, Reparaturen, Energie, Personal, und, und…

    Nun weiß glaube ich auch jeder, wenn ich mit täglich 10.000 Eiern irgendwo stehe und die verkaufen will, das niemand laut schreit, her, her damit. Die, die diese Mengen kaufen, kennen immer einen Lieferanten, der noch 1/10 Cent billiger verkaufen MUSS, oder sie kennen einen guten Bekannten!!! oder listen das Produkt auch schon mal raus.

    Wenn ich mir täglich die Werbeprospekte aus dem Briefkasten ansehe, so gibt für die Discounter meist nur ein Verkaufsargument: der Preis.
    Manchmal erscheint auch ein Bio oder ein fair trade, was ich aber mehr für Augenwäscherei halte als für ehrliches Verkaufsgebaren.

    Kurzum: Der Einkäufer in den Lebensmittelketten
    bestimmt massgeblich den Preis und der – wird immer gedrückt. Dann steht man als Landwirt wieder vor der Entscheidung: Friß oder stirb.

    Vor vielen Jahren hatte ich mal mit Einkäufern der ganz Großen zu tun. Wirklich sagen will ich dazu nur: Wer gestern Tatort gesehen hat, das Mädel und die Jungs gestern abend waren dagegen Anfänger.

  5. Seelenleerer · 11. Januar 2011, 10:08 · #

    Wann wird uns wohl endlich bewusst, dass wir am Ende der Nahrungskette stehen?

    Andererseits kann es auch ausgleichende Gerechtigkeit genannt werden und ist somit in Ordnung so ;-)


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