Egomanien
Themen: SMS zum Tag undProsa[isch]
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Zorn, Wut, Scham, Scheu, Neid.
Wie vielfältig kann uns verletzter Stolz verleiten, die nächste Begegnung zu verpassen oder vom Leben nichts Neues zu erwarten!
Und wie oft verleitet mich mein Ego dazu, Dingen anzuhaften, die längst passé sind – also mindestens eine Sekunde lang schon Vergangenheit sind. Die Dinge, von denen ich nicht bereit bin zu lernen, sollte ich dann doch wenigstens wirklich hinter mir lassen…
Ikkyu · 16. Oktober 2007, 04:56 · #
Es gibt kein Ego. Das Ego ist nur ein Gedanke. Mit jedem Vorsatz wie “Die Dinge, von denen ich nicht bereit bin zu lernen, sollte ich dann doch wenigstens wirklich hinter mir lassen…” vertiefe ich den Glauben an die Existenz des Egos.
Tina · 16. Oktober 2007, 06:41 · #
Einen gewissen Schutz vor ständig neuen Verletzungen darf sich die Seele schon einräumen, genauso wie ein Lernprozeß eintreten sollte, nachdem man sich die Finger verbrannt hat.
Ein nachträgliches, gedankliches Anhaften und Durchspielen der Situation sollte dem Ego auch erlaubt sein, damit ich für die Dinge, die ich nicht bereit bin zu ändern, wenigstens nach neuen Lösungen suchen kann.
Das Fazit daraus darf jedoch nur nicht heißen, vom Leben nichts mehr Neues zu erwarten, zu resignieren, oder nie mehr ein Feuer zu entzünden, sondern sollte in vernünftigen Relationen zum Erlebten gesetzt werden.
@Ikkyu
Die Wikipedia ist da anderer Meinung:
Ego, (gr/lat. Ich), bezeichnet den Selbst-Sinn (Selbstbewusstsein und Selbstaktivität) und ist unter der Bezeichnung Ich Gegenstand der Psychologie, der Philosophie, der Soziologie, der Religion und weiterer Wissenschaften.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ego
Ikkyu · 16. Oktober 2007, 07:47 · #
@TINA
Psychologie, Philosophie, Religion und “weitere Wissenschaften” beschäftigen sich seit Jahrtausenden mit einem Gegenstand, der nur als Vorstellung existiert. Auch Vorstellungen können scheinbar Wirkungen haben. Wenn ich mir vorstelle, ich sei gekränkt, kann ich tatsächlich krank werden. Ich halte es da weniger mit besagten “Wissenschaften” als mit den christlichen Mystikern, den Taoisten, den Buddhisten und anderen, die sich die Mühe gemacht haben, nachzuforschen, ob dieses Ding, von dem wir alle sprechen, wenn wir “ich” sagen, überhaupt existiert. Und vollkommen unabhängig voneinander kamen sie alle zum gleichen Ergebnis: Da ist nichts zu finden außer Vorstellungen. Ich habe lange nach diesem Ich gesucht; ich konnte zu keinem anderen Ergebnis kommen. Das Ego ist ein selbsterschaffener Homunculus, der das Leben der meisten Menschen völlig zu beherrschen scheint. Die Geister, die ich rief …
Ikkyu · 16. Oktober 2007, 08:11 · #
Hier kann etwas ausführlicher nachgelesen werden, worum es mir in meinem Beitrag geht.
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/phh/17640.html
Gabi · 16. Oktober 2007, 09:05 · #
Lieber Thinkabout,
heute hast Du schon 3 JAHRE Weblog
hinter Dir ;-)
Ich gratuliere Dir herzlich(auch wenn ich keine Blumen hier reinstellen kann) und
ich freue mich auf die nächsten Jahre !!
Liebe Grüße
Gabi
Tina · 16. Oktober 2007, 12:13 · #
@Ikkyu
Danke für Deine erklärende Antwort und den Link, der – trotz interessanter Aspekte – allerdings auch nur eine persönliche Sichtweise widerspiegelt.
Ich halte des dennoch lieber mit der Wikipedia, nach der es das “Ego”, meine Individualität, den Selbst-Sinn und die Psyche des Menschen gibt, genauso wie ich auch glaube, daß es die “Luft” gibt.
Ich gehe sogar so weit zu behaupten, daß die Psyche des Menschen nicht nur existiert, sondern sie sogar von anderen wahrgenommen – und daß sie durch Pharmazeutika oder Psychostreß manipuliert werden kann….
Aber hier ist ja wie immer Platz für mehrere Meinungen…
Ikkyu · 16. Oktober 2007, 15:01 · #
@TINA
Vielleicht sind wir ja gar nicht so weit auseinander. Ich verwende möglicherweise die Begriffe anders und dann kann es natürlich zu Missverständen kommen. Ich leugne keineswegs die Einzigartigkeit jedes Menschen und dessen, was man seine psychische Struktur nennen könnte. Beispielsweise erkenne ich meine psychische Struktur in vielen Aspekten der Enneagramm-Neun.
Was ich meinte, ist das, was Thinkabout in seinem Thema “Egomanie” nennt. Aber möglicherweise versteht er unter diesem Begriff nicht dasselbe wie ich? Für mich hört es sich allerdings so an, als meinte er dasselbe. Ego-Manie könnte man ja vielleicht mit Ego-Sucht bezeichnen. Von der Eifer-Sucht sagt man beispielsweise, dass sie mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Und es immer das Ego, das Leiden schafft.
Thinkabout schreibt: “Und wie oft verleitet mich mein Ego dazu, Dingen anzuhaften, die längst passé sind – also mindestens eine Sekunde lang schon Vergangenheit sind.” Genau das meinte ich. Wenn ich nicht an Dingen hafte, die längst passé sind, ist das Ego verschwunden. Dann bin ich einfach gwegenwärtig mit dem, was ist. Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft kein Ego.
Tina · 17. Oktober 2007, 04:57 · #
@Ikkyu
Ich habe den Eintrag in seiner Gänze gesehen, losgelöst von dem einzelnen Wort “Egomanien” – und wie Thinky schon oft geschrieben hat, liest und interpretiert ja jeder die Worte und Botschaft in den Einträgen nach seinem persönlichen Verständnis. In diesem Eintrag geht es für mich um etwas viel Wichtigeres, als um den Begriff Ego. Es geht um den Umgang mit verletztem Stolz. Man könnte jetzt auch darüber nachdenken, ob das Wort Neid in dem Eintrag passt. Aber das lenkt nur ab vom Wesentlichen. Es ist unwichtig für die Gesamtüberlegung.
Wenn Du das Wort “Ego” in seinem Satz durch Individualität ersetzt, kommen wir vermutlich eher auf einen gemeinsamen Nenner.
Wir sind nicht alle gleich. Dem einen gelingt das Loslassen gut, der andere braucht seine Zeit und seine Schutzmechanismen um eine Niederlage zu verdauen. Das meine ich mit der Existenz des Egos, der einzigartigen Psyche eines jeden Menschen.
Ein Link, der Dir gefallen könnte:
http://www.oekosophie.de/html/body_vorstellungen_vom_menschen_.html
Ikkyu · 17. Oktober 2007, 07:07 · #
@ TINA
Danke für den Link! Ja, kann ich was mit anfangen.
Du schreibst: “In diesem Eintrag geht es für mich um etwas viel Wichtigeres, als um den Begriff Ego. Es geht um den Umgang mit verletztem Stolz.” Aber was ist denn Stolz anderes als ein Ausdruck des Egos?
Weiter schreibst du: “Wenn Du das Wort ‘Ego’ in seinem Satz durch Individualität ersetzt, kommen wir vermutlich eher auf einen gemeinsamen Nenner.” Für mich bedeutet Individualität das, was in deinem Link als echtes Wesen bezeichnet wird, während das Ego die falsche Persönlichkeit darstellt, ganz im Sinn des Zitats: “Jeder Mensch wird als Original geboren und fast jeder stirbt als Kopie.” (Aldinger) Alle Egos funktionieren im Grunde in gleicher Weise. Das Ego ist das, was ständig darum kämpft, dass sein Wille und nicht Sein Wille geschehe.
Tina · 17. Oktober 2007, 18:22 · #
@Ikkyu
Ich wollte damit sagen, daß ich mich nicht auf die Definition / das Sezieren des Begriffes “Ego” konzentrieren möchte, sondern nach Strategien und Lösungsmöglichkeiten suche, mit verletztem Stolz zielgerichtet umzugehen.
Ich dachte mir, daß Dir der Link gefällt, da er in in die Richtung der von Dir erwähnten Hausarbeit geht . Mir gefallen nur einzelne Passagen oder Zitate daraus, wie auch das von Aldinger :-)
Alles wirklich sehr interessant, aber so intensiv möchte ich mich damit nicht befassen, wie gesagt, mir gehts mehr um das Finden einer alltagstauglichen Lösung.