Ein paar Gedanken zur Verbindlichkeit
Bin soeben im Bücherregal über ein kleines Büchlein gestolpert.
Ich liebe die Feinheiten der Sprache, und was sie manchmal zu offenbaren vermögen – auch wenn es erst beim dritten, vierten Mal hinsehen der Fall ist – oder längst nachdem ich das Büchlein gelesen habe.
Eines, das ich immer mal wieder zur Hand nehme, nie aber von vorn bis hinten lese, sondern mich meist von der Zufälligkeit überraschen lasse, sind die Regeln des heiligen Benedikt.
Nun will ich gleich Entwarnung geben, denn ich spiele nicht mit dem Gedanken, ins Kloster zu gehen.
Ein solches Buch über die Lebensregeln einer Klostergemeinschaft, eine Art Hausordnung für den inneren und äusseren Hauskehr, gibt aber einen Einblick in die Verbindlichkeit eines Klosters, die fern aller Romantisierung und Verklärung schlicht Respekt abnötigt – und auch ein bisschen nachdenklich macht, wenn man sich die eigene Willfährigkeit gegenüber so mancher Nachlässigkeit vor Augen hält.
Und jetzt kommt es: Das Büchlein heisst:
Die Regel des heiligen Benedikt.
Und nicht „Die Regeln“.
Ein deutlicheres und feineres Zeichen dafür, dass das Regelwerk als Einheit und ein Ganzes zu verstehen ist, gibt es nicht. Trotz 73 Artikeln kommt allem die gleiche Bedeutung zu, jedem Gewichten und Bevorzugen wird die Grundlage entzogen, es gibt vor der eigenen Prüfung kein Taktieren und Gewichten.
Wer laviert, schlingert. Wer verbindlich sein will, wird oft scheitern. Aber wachsen.
Die Regel des heiligen Benedikt
Beuroner Kunstverlag, 4. Auflage, Beuron 1990
ISBN 3-87071-060-8

m.m. · 18. Dezember 2007, 19:27 · #
Lieber Thinkabout,
die “Feinheiten”, ja die liebe ich ebenso. Manches ist so geschickt ausgedrückt, das es nicht auf den ersten Blick erkannt wird.
Aber dazu gehört eben auch das Hinsehen beim Lesen oder aber das Hinhören beim gesprochenen Wort. Viel zu oft hören wir im wahrsten Sinne des Wortes “zu” – nicht hin.
Die Sprache bekommt oft so wenig Beachtung. Und doch drückt sie unbewusst unser Innerstes aus. Achten wir auf unsere Sprache, können wir viel über uns erfahren..
In meinem Beruf ist die Sprache das Hauptthema. Erst wenn wir ohne Sprache leben müssen, weil eine Krankheit uns nicht erlaubt zu sprechen, bemerken wir dieses kostbare Gut.
Durch die Arbeit mit meinen Patienten, werde ich tagtäglich daran erinnert und mein Interesse an Worten, Zitaten und Geschichten bekommt stetig neue Nahrung.
Wieder ein Eintrag von dir, der immer neue Gedanken zulässt und soviel beinhaltet…
Vielen Dank dafür!
...schreibt und grüßt m.m.
WerkRaumLebensArt · 19. Dezember 2007, 15:40 · #
Oh schöne Herausforderung Herr Thikabout und so Gelegenheit über mich selbst zu schmunzeln – dachte ich doch, ob meinem “neidvollen” Hinüberschauen – “alle Zeit zum Schreiben der Herr Thinkabout, Plätzchen backen nach Lust und Laune in trauter Zweisamkeit mit seiner Liebsten und nun auch noch ein Bücherregal so gross, dass er darin über Büchlein stolpern kann … ja Herr Thinkabout, ich stells mir wahrlich bildlich vor … die Feinheit der Sprache, des Wortes, des aneinanderreiens von Worten, den sich manchmal so daraus ergebenden Doppelsinn, dann geflügelte Worte, wie Engel schweben sie uns zur Freude und huschen uns ein Lächeln ins Gemüt