Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ein Tag, zwei Ansichten

∞  28 Juni 2007, 17:49

Was für ein Tag ist das? denke ich. Der Handwerker schaut sich unsere Türe mit einer Mine an, als wäre der von uns gewünschte Rollladen die personifizierte Zumutung. Schon am frühen Morgen, auf dem Spaziergang, war der Himmel wolkenverhangen. Die Arbeiter auf der Baustelle sind mürrisch, keiner sagt guten Tag. Die Frau mit dem Dackel ist auch wieder da, fährt her mit ihrem Auto, um dann mit dem Hund Gassi zu gehen in der ach so herrlichen Natur. Die Mitarbeitern beklagt die schlechte Verbindung zu meinem Handy. Bei der Arbeit komme ich nicht vorwärts und muss immer wieder in den Unterlagen blättern. Mein Zahlengedächtnis war auch schon besser! Die wenigen Minuten, die Roger Federer spielt, verpasse ich natürlich und jetzt ist das Wetter keinen Deut besser als am Morgen, so dass mein Tennismatch wahrscheinlich wieder ins Wasser fällt. Und schon jetzt stinkt es mir gewaltig, dass ich bis Mittwoch eine Verpackung kreieren muss, nur weil der Kunde zu faul ist, den Auftrag intern so zu formulieren, dass er umgesetzt werden kann.

*

Was für ein Tag ist das! rufe ich. Der Handwerker ist scheu, schaut uns kaum in die Augen, schleppt schwer an seiner sperrigen Tasche. Nicht einfach, als scheuer Mensch auf Kundenbesuch zu gehen… Am frühen Morgen, auf dem Spaziergang, hat sich der Regen zurück gehalten. Nur von den herrlichen Himbeeren tropfte er… Die armen Kerle auf der Baustelle könnten fürs Betonieren auch trockenes Wetter gebrauchen und stehen wohl mächtig unter Zeitdruck. Die Frau mit dem Dackel bewegt sich schwerfällig, ihr Übergewicht plagt sie. Gut, dass ich die Mitarbeiterin gleich erwische, als ich zurück rufe. Schon angenehm, dass ich mir für meine Arbeit Zeit lassen kann, wenn es mir mal nicht so läuft. Roger Federer verpasse ich. Aber es ist gut, dass er so wenig Kraft lassen muss und so schnell gewinnt. Das Wetter ist nicht besser geworden, aber es regnet noch immer nicht. Vielleicht wird es doch noch was mit dem Tennis. Und so nebenbei habe ich einen schönen Auftrag bekommen. Da muss ich halt jetzt durch die mühsame Verpackungsgestaltung durch, auch wenn der Kunde dafür die besseren Instrumente hätte. Der Kunde ist König.


Nachtrag um 20h22:

Doch noch ein passendes Bild gefunden:


Bildquelle: Pressemeldung von Procter & Gamble: blend-a-med Whitestrips sind Testsieger! Stiftung Warentest ist überzeugt: Nichts hellt Zähne so gut auf

Diese wertvolle Information wird Ihnen hiermit ganz gratis zur Verfügung gestellt, um Ihnen neben der positiven Sicht Ihrer eigenen Dinge auch noch das strahlendste Lächeln zu ermöglichen.

Wobei, P&G stellt das Bild vor lauter Freude so gross zur Verfügung (zum Download!), dass ich einfach nicht widerstehen kann, auf die Gefahr hin, dass ich doch eher in den Verdacht gerate, ein Miesmacher zu sein:
Am besten gefällt mir dieser Ausschnitt, wahrscheinlich, weil er mich schon jetzt an meine geliebten Semmelstoppelpilze im Frühherbst erinnert. Vergleich bitte selbst hier anstellen.



  1. Caro · 28. Juni 2007, 18:08 · #

    So leicht ist das also, bei Dir zum König zu werden schmunzel

  2. Gabi · 28. Juni 2007, 18:21 · #

    Da hast Du ja sehr gut und trefflich eine meiner Übungen beschrieben lieber Thinkabout!
    Ich nenne sie “Umwandlung”.
    Seltsamerweise mag sie nicht immer so gut funktionieren, wie ich es gerne hätte!?
    Aber Theorie und Praxis gehen sich halt mal lieber aus dem Weg.

    Liebe Grüße
    Gabi

  3. Caro · 28. Juni 2007, 18:44 · #

    Es geht doch Nix über eine gut zugängliche Verpackung!
    (stiller Hinweis einer rabiaten Verpackungs-Beta-Testerin …)

  4. Margit Farwig · 28. Juni 2007, 18:48 · #

    So weit muss es ja nicht kommen.

    Das Schicksal

    Schicksal tönt
    in hellen und in dunklen Farben,
    die per Nuance kommen oder geh’n,
    gefiedert fliegen sie so weit, so hoch,
    gefedert sinken sie dahin.
    Signieren den Erinnerungen
    blaue Flecken
    und grüßen grüngetunkt
    des Lebens heit’ren Sinn.
    Im Schattengrau verlieren
    sich Gedanken,
    verweben Nadelgrün und Himmelsblau,
    am Ende hebt ein selig Lächeln
    das Lebensband ins Morgengrau.
    Geselle dich, du lebst ja noch,
    du bist am Ende gar nicht tot.

    © Margit Farwig

  5. Tina · 29. Juni 2007, 03:44 · #

    :-) manchmal sollte man wirklich einfach nur noch einmal zur Tür hereinkommen….

    Dieser Sichtwechsel gelingt mir oft, wenn ich nach einem beknackten Arbeitstag voll Enttäuschungen bei meiner Mutter im Altersheim sitze und feststelle: es geht noch schlimmer! ;-)
    Wie mühselig und grau das verbliebene Leben dort spielt. Dann bekommt meins rückwirkend betrachtet richtig Farbe…und das Lächeln gelingt auch wieder :-)

    @Caro
    das Foto der gewissenhaften Beta-Testerin gefällt mir :-)

  6. Janna · 29. Juni 2007, 12:12 · #

    ...na ja – das ist eben die vielzitierte Sicht auf ein halbleeres oder halbvolles Glas….
    warum nur gucken wir immer wieder auf das Fehlende… –
    ich versuche immer wieder, meine Sicht zu ändern – und siehe da, es geht immer leichter!
    ...:-) Janna

  7. Werner · 29. Juni 2007, 12:32 · #

    Ich denke trotzdem, dass BEIDE Sichtweisen wichtig sind und erst zusammen ein richtiges Bild ergeben.
    Zumzweiten mal zur Tür reinkommen, kann sicher einen neuen Blick auf die Dinge ermöglichen, aber man sollte dann trotzdem nicht vergessen,was man zuerst gesehen hatte.

  8. Margit Farwig · 29. Juni 2007, 18:01 · #

    Pilze, ich komme auf die Pilze zurück, ah, als Pilzfan. Ich kenne Menschen, die aus lauter Angst, vergiftet zu werden, nicht einmal harmlose Champignons aus Gläsern verzehren, eine von jeglicherTücke befreite Pilzsorte. Insofern befreit, weil sie in Pilzbrutstätten heran reifen und selbst nicht den Hauch eines Todesgeruches in Gestalt von Knollenblätterpilzen ein-, geschweige denn ausatmen können. Ich muss zugeben, dass Unwissenheit und schon die leichtfertige Begierde nach Pilzen Menschen in die ewigen Pilzgründe geschickt haben.
    Im Lexikon steht darüber…

    Pilzfeindling:
    ist keine Pilzsorte
    bedauernswerte Person
    nicht ausersehen
    gänzlich fehlender angeborener Pilzbefall
    oder verkümmerter Geschmacksnerv
    lebenslänglich benachteiligt

    Cop. Margit Farwig
    ::::)))))::))))))))))

    Zu den Sichtweisen der Türen:

    Es empfiehlt sich, durch eine zweite Tür zu kommen und alles was man gesehen hat zu vergessen.

  9. Janna · 30. Juni 2007, 11:03 · #

    ...ich bin anderer Meinung und halte es mit Werner – der erste Blick ist oft entscheidend…aber man sollte den zweiten niemals vergessen – und daraus kann man lernen
    ...:-) Janna


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