Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ein wenig E-Mail-Knigge, please...

∞  21 Dezember 2010, 14:53

Seit wann mailen wir eigentlich? Auf jeden Fall ist es eine Technik aus dem letzten Jahrhundert, und man könnte meinen, sie müsste langsam professionell genutzt werden. Dazu würde gehören, dass man eine gewisse Diskretion walten lässt. Doch weit gefehlt:

In der Schweiz werden die Mehrwertsteuersätze per 1.1.2011 leicht erhöht. Dies ist für manche Firma Grund genug, ihre Lieferanten betreffend dem Wechsel und den Modalitäten in der Fakturierung zu instruieren. In solchen Fällen wird dann ein Massenmail versandt. Das ist praktisch. Alle sind so gleichzeitig auf dem neuesten Stand.

In diesen Tagen habe ich mehrere solche Mails bekommen. Und jedes von ihnen hätte die rote Karte verdient: Die Mail enthielt jeweils sämtliche Empfänger im Adressaten- oder im CC-Feld.

Liebe Geschäftspartner

Ich verstehe ja, dass wir als Ihre Lieferanten so was wie eine Community bilden, die sich im Ziel vereint, Ihnen einen guten Service zu bieten. Dennoch haben wir nicht darauf gewartet, unsere e-mail-Adressen auszutauschen, obwohl es natürlich grundsätzlich ganz interessant ist, mal zu prüfen, wer denn sonst noch so zu ihren Lieferanten gehört.

Kurz gesagt, liebe Geschäfts- und Privatleute:

Massenmails, Rundmails gehören so verschickt, dass die Empfänger im BCC aufgeführt werden – es sei denn, es ist eine geschlossene Gruppe, in der sich eh alle gegenseitig per mail kontaktieren. Dieser simple Grundsatz wird von praktisch niemandem befolgt – und das bleibt ein Unding.

—-

Ein kleiner Exkurs zur Geschichte des elektronischen Postversands (Quelle: Wikipedia )

Der, die oder das E-Mail?
Standardsprachlich hat sich in Deutschland die feminine Form („die E-Mail“) des grammatischen Geschlechts weitgehend durchgesetzt, in der Schweiz hingegen das Neutrum („das E-Mail“), während in Österreich und in Teilen Südwestdeutschlands beide Formen Verwendung finden.

E-Mail, Email, email, eMail, e-Mail, e-mail, E-mail oder mail oder was?
Gemäß Duden, Wahrig und dem amtlichen Regelwerk der deutschen Sprache ist „E-Mail“ die einzig richtige Schreibweise.

In Deutschland wurde am 3. August 1984 um 10:14 MEZ die erste Internet-E-Mail empfangen.

Die erste große E-Mail-Diskussionsgruppe entstand 1994.

Mehr Vergnügliches und Wissenwertes bei Wikipedia (Link oben).




  1. Maria · 21. Dezember 2010, 15:13 · #

    Genau.
    Ich hab schon vor zehn Jahren auf “allen antworten” geklickt und eine E-Mail zurückversandt mit genau diesem Inhalt. Mit entsprechend pikierten Reaktionen, woher ich denn nun bitteschön die Adresse hätte.

    Es ist ja nicht nur ein Diskretionsproblem. Eigentlich sollte man es bei geschlossenen Gruppen auch nicht machen, der Viren wegen, die sich munter verbreiten können…

    Gruss und gesegnete, frohe Weihnachten Dir und Thinkabout’s Wife.

  2. Chräcker · 21. Dezember 2010, 17:55 · #

    Es ist für mich unglaublich, wie stilistisch schlampig auch sonst immer auf Akkuratesse und Umgangsformen wert legende Zeitgenossen eMails schreiben.

    Letztendlich ist es nicht selten eine Verweigerungshaltung, zu viel vom technischen “Kram” zu lernen. Betreffzeilen? Unnötiger Ballast. Man übernimmt die, die da gerade steht, auch wenn das Thema des Betreffs schon lange erledigt ist. (vor lauter re re re re re kommt man eh nicht mehr zum lesen des alten Betreffes)

    E-mail wurde komplett zitiert? Na dann schreiben wir einfach unten drunter weiter, soll der Empfänger den Anfang des neuen Inhaltes mal eben suchen.

    CCC? BCC? Ach egal, drücken wir den Knopf, der am nächsten scheint. (CCC)

    Absatz? Groß und Kleinschreibung? Gruß? Alles Ballast. Da kann man sich später mit beschäftigen… nur: ich befürchte, die neuen Kommunikationswege sterben ja schneller wieder aus, wie man das Wort “Stilfragen” buchstabieren kann. Da kommt kein Knigge mehr hinterher.

    eMails? Alter Kram, jetzt schreibt man nur noch “PNs” in den jeweiligen sozialen Netzwerken oder twittert gleich die Nachricht herüber. Da hat Stil ja eh keinen Platz.

  3. Roberto + Veronika · 21. Dezember 2010, 19:05 · #

    Mein lieber Küde
    Du sprichst mir aus der Seele. Ein absolutes no-go im Business-Mail-Alltag. Es ist schon sehr erstaunlich, wie viele Geschäftsleute noch heute nicht in der Lage sind, ein Massen-E-Mail (wenn es denn sein muss) korrekt zu adressieren.

    Tabu sind jedoch herkömmlich – an einen Empfänger adressierte Geschäfts-E-Mails mit BCC an einen weiteren Empfänger (z.B. vorgesetzte Person, untergebene Person oder anderen MA).

    Ach ja – dann hätten wir da noch die unverbesserlichen *.pps-Versender. Unsägliche PowerPoint Meisterleistungen mit dem Schlusswort, diese geschichtsträchtigen Bilder, kombiniert mit literarischen Elaboraten an alle seine Freunde und Geschäftspartner weiterzuleiten… und ja – selbstverständlich sind alle Empfänger im [An]-Feld aufgeführt.

    Liebe Grüsse
    Roberto


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