Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Eine Million willige Roboter

∞  31 Juli 2011, 16:42

Arbeitskräfte bieten ein enormes Störungspotential. Und wo diese Kraft automatisiert geleistet werden kann, geschieht eben “das Automatische”. Die Rationalisierung.


Foxconn – In Taiwan ansässiger weltweit grösster Hersteller von Computerbauteilen für Apple, Dell und HP und viele andere.
Anzahl der Beschäftigten: rund 1.2 Mio Menschen; davon 1 Mio in China.
2010 nehmen sich innert weniger Monate mehr als zehn Angestellte das Leben.
Kolportiert werden lange Arbeitszeiten, hoher Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin und schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. Berufsschüler werden von ihren Schulen praktisch zu Zwangspraktikas “verkauft” – 3 bis 6 Monate unter widrigsten Bedingungen.

Die Firma zeigt Journalisten regelmässig Vorzeige-Wohnheime, Swimming-Pools für die Belegschaft, veranstaltet Partys für Angestellte und verteilt T-Shirts mit “I love Foxconn”.
Sie erhöht die Löhne in mehreren Schriten bis um 66% auf bis zu 240 Dollar pro Monat.

Nun plant Foxconn die Einführung von einer Million Industrierobotern innert drei Jahren. Die brauchen keine Pausen, keine Swimmingpools und statt Lohn ein bisschen Schmieröl. Und eine Lobby wie eine Menschenrechtsorganisation haben die auch nicht hinter sich.

Und wer hat nun welche Schuld? Apple und andere, welche enorm hohe Margen erzielen, aber auf Grund ihrer Bedarfsmengen grossen Druck auf die Produktion ausüben können? Wir Konsumenten, welche ständig geil auf die neusten Hardware-Endgeräte sind und teilweise mehr als drei Handys im Gebrauch haben – bzw. sie funktionsfähig zur Seite legen – oder gar fortschmeissen?

Man mag mal träumen – oder sich fragen:

Wenn sich alle mit weniger zufrieden gäben, was dann wäre? Zu wenig Arbeit für alle? Oder gerechter verteilte? Ist es ein Recht, zu schuften bis zum Umfallen, um sich einen Bruchteil unseres Konsums leisten zu können und auch an der Tafel zu sitzen, an der wir uns nach und nach die Erde unter dem Hintern weg konsumieren?
Was in dem Artikel, aus dem die obigen Zahlen stammen (via mycomfor ), zum Ausdruck kommt, ist nicht ein besonders schäbiges Verhalten eines Industriekonzerns, sondern die Wucht der Dimension:
Tatsächlich erlaubt sich die Firma wohl nur, das Gleiche weiter zu tun und zu Ende zu denken, wie alle anderen auch. Gewinne werden optimiert, wenn die Produktionskosten minimiert werden. Und wenn der Mensch zu teuer und zu störungsanfällig ist – oder so gesehen wird – dann geht die Entwicklung genau in diese Richtung.







  1. Infoliner · 1. August 2011, 01:03 · #

    Das ist die Wucht der Unmenschlichkeit, und vorwerfen kann man es nicht denen dort, sondern den Typen, die solche Gerätschaft eben ohne Maß und Verstand erwerben. Ich besaß noch nie ein Handy oder Dingspad und habe das auch nicht vor zu ändern. WIR sind es, die unsere Welt bestimmen und zu verantworten haben.

  2. Thinkabout @ Infoliner · 5. August 2011, 10:32 · #

    “Dingspad” finde ich gut!
    Ich will ja gar nicht so weit gehen, Abstinenz zu verlangen (halte ich selbst auch nicht ein). Aber es wäre ganz schön, wenn die Menschen nicht so schnell die Lust an ihren neuen Sachen verlieren und neuen Befriedigungsersatz “brauchen” würden…

  3. Seelenleerer · 18. August 2011, 13:35 · #

    Das Problem liegt viel tiefer verborgen.
    Unsere Wirtschaft MUSS Wachstum generieren.


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