Eine Tasse Achtsamkeit
Den Espresso, irgendwann nach dem Essen, trinken wir beide verschieden. Ich mit Milch und Süssstoff, meine Liebste schwarz, aber auch süss. Das ist nicht schwierig zu behalten und seit zwanzig Jahren immer gleich. Aber Sie halten es kaum für möglich, was ich dabei alles falsch machen kann: Ich vergesse den Süssstoff bei beiden oder in einer Tasse, ich giesse Milch in beide. Ich stelle Thinkabouts Wife die Tasse mit der Milch unter dem Espresso-Schaum hin.
Dazu bringe ich es fertig, für 4 Espressi mindestens drei Tassen in Betrieb zu nehmen, obwohl wir beide problemlos aus der gleichen Tasse mehrmals trinken – und nicht gerne Spülmaschinen befüllen, geschweige denn abwaschen.
Für die alltäglichsten Dinge gilt für niemanden wie für mich:
Würde ich sie endlich und gerade eben diese Dinge mit wirklicher Achtsamkeit tun und dabei nicht an Kreti und Pleti und alle unwichtigen sonstigen Dinge denken – keiner hätte so sicher wie ich die Chance, das Banalste wirklich als Sensation zu erleben: Den Händen zuschauen, mit allen Sinnen, also auch den Gedanken, wie geschickt sie eigentlich sind, nur so zum Beispiel. Wie selbstverständlich wir mit ihnen arbeiten können. Und was wir damit alles zu tun vermögen.
Und am Ende sässe ich auch tatsächlich vor der richtigen Tasse, also meiner, und die würde auch noch enthalten, was sie soll.
Geniessen allerdings tue ich meinen Espresso so oder so. DIESEN Teil der Achtsamkeit habe ich intus. Vielleicht ist also noch nicht alle Hoffnung vergebens, sofern die Alters-Schusseligkeit sich noch ein wenig Zeit lässt… Oder ist am Ende DAS… Nein, so einfach komme ich mir selbst nicht davon.
Ja, ich bin ein Schussel. Aber darin auch noch so lebendig. Es ist wirklich fürchterlich.

Ines · 21. April 2009, 21:04 · #
Ich sag immer: Leise rieselt der Kalk. Dürfen wir nicht hin und wieder ein wenig schusselig sein? :-) Das gehört zum Leben egal ob mit Zwanzig oder Hundertzwanzig.
Dein Eintrag hat mir jedoch gefallen und aus dem Herzen gesprochen. :-)
Martha · 22. April 2009, 12:49 · #
mir spricht Deine “Schusseligkeit” , wie Du sie nennst, aus dem Herzen. Ich bin so schusselig, und stelle eine heisse Pfanne auf ein Abstellbrett, dass nix heisses ertägt. Was passiert: diese Brett zerspringt in 1001 Splitter. Aber Scherben bringen ja Glück, also ist noch nicht alle Hoffnung tot, oder?
Sei lieb gegrüsst, wieder einmal, Martha