Einfach eine Auskunft
Man kann von alten Menschen noch was lernen. Meine Mutter erzählte mir kürzlich, wie sie einen ganzen Morgen lang versuchte, sich an das korrekte Wort für “diesen öffentlichen Garten in Grüningen” zu erinnern. Sie blieb immer am “biologischen Garten Grüningen” hängen, und wusste doch, dass das nicht korrekt war.
Beim Mittagessen bat sie dann die Nachbarin um Hilfe.
Die legte das Besteck aus der Hand, tupfte sich die Lippen mit der Serviette ab und sagte dann: “Also, wir haben als Kinder das einfach den ‘Botanischen Garten’ genannt.”
Kein “aber das ist doch” oder so ähnlich. Kein Triumph, dass man, obwohl älter, etwas für einmal besser erinnert. Nein, stattdessen lässt die Frau würdevoll ihrer Nachbarin deren Würde.
Eine völlig nebensächliche Anekdote? Vielleicht. Ich finde sie bemerkenswert. Gerade im Internet herrscht oft ein rhetorisch lustvolles Hauen und Schlagen, auch hier, von mir ausgeführt. Oft ist der einzige Zweck dafür, ein Besserwissertum zu zelebrieren, oder, nicht viel günstiger, einen Wissensvorteil genussvoll egoman auszubreiten.
Diese Frau hat Klasse. Egal, wie zittrig sie danach Messer und Gabel wieder aufgenommen haben mag. Aber das brauche ich wohl nicht zu betonen, denn ich bin sicher, alle verstehen, was ich sagen will.
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Caro · 3. Mai 2009, 18:33 · #
Was für ein feiner Umgang miteinander… Danke, dass Du diese Geschichte hier erzählst, was für ein Juwel! Und wieviele Scheibchen können wir selbst uns davon abschneiden in unserem täglichen Hickhack um die treffendste Formulierung.
Christine · 4. Mai 2009, 11:49 · #
Danke für die kleine Geschichte. Daran können wir schön üben.
d'Frou G. · 5. Mai 2009, 09:26 · #
dankeschön schön schön
Atlant Bieri · 19. Dezember 2009, 15:22 · #
Das Ding vor der eigenen Haustür – wie hiess das noch gleich? Ahh, ja: Garten. Dort kann man auch auf Entdeckungstour gehen. Wie das geht? Hier steht’s: Wilder Garten