Entfettete Knochen-Kleiderständer
Die Weltwoche sendet öfters mal Beilagen mit, welche den Glanz der weiten und vor allem hohen Welt verströmen. Den Hochglanz. Die Welt der van Huisselings und seiner Jünger und Jüngerinnen, und ich habe das jetzt durchgblättert.
Ich könnte, tschuldigung, kotzen. In der Stil-Beilage Nr 2/2010 der Weltwoche über PRADA bin ich an einem Kleid von Burberry Prorsum oder Bruberry Posthum oder so ähnlich hängen geblieben. Oder besser an dem Model, das dieses Kleid trägt, im Inhaltsverzeichnis auf Seite 16. Das Arme Kind hat Oberschenkel, die fast dünner als die Waden sind, dafür knicken die Kniescheiben fast nach hinten durch die Kniekehlen durch…
Also, an dem Anblick könnte man sich auch vorbei blättern, ganz zufällig, wenn man Glück hat. Aber auf Seite 69 wird das schwierig. Das ganzseitige Foto zeigt ein Model, May Andersen, das einen Leopardenstring von Les Folies d’Elodie (Folien für Elodie?) trägt. Sie bricht darunter nicht gerade zusammen, aber das Mädel ist so dürr, dass es die Hüften eines elfjährigen Knaben hat. Es ist einfach grässlich. Wenn ich ihr ins Gesicht blicke, möchte ich sie sofort ins Krankenhaus bringen, bevor die Auszehrung verhindert, dass sie auch nur noch eine Dörrfrucht essen kann, ohne gleich wieder zu erbrechen. Früher habe ich solche Gestalten an der Zürcher Riviera angetroffen, mit einer einzigen Frage im Gesicht: Wo kriege ich den nächsten Schuss?
Aber eben, mit jeder Art von Sucht ist es bekanntlich so: So lange Du funtkionierst, kannst Du machen, was Du willst, sprich: Bist Du anderen egal. Wirst Du zum Kiesel im Radwerk, ist das zumindest nicht unerheblich, weil du die Ordnung störst (deshalb gibt es keine offene Drogenszene mehr in Zürich).
Derweil werden die Kleiderstangen ganz offensichtlich weiter gedrillt und entfettet.
Es ist wirklich grausam, wenn dies seine Ordnung hat.
![]()

LD · 15. April 2010, 22:10 · #
Richtige Männer lieben Frauen, die man richtig anfassen kann, ohne dass sie gleich auseinanderbrechen. ;-) Ich frage mich, wie man mit solchen hungernden, unterernährten Kleiderständern Werbung machen kann? Welcher Idiot spricht schon darauf an?
Titus · 16. April 2010, 02:48 · #
@ LD
Solche «Kleiderständer» sind LEIDER die Vorbilder von heute für viele Jugendliche – mit unterschiedlichen Folgen.
Die Einen «wollen auch so sein wie die da» und hungern sich halbwegs zu Tode, finden sich zu fett, das Hinterteil zu breit, die Brüste zu klein, usw…
Die Anderen haben das Feingefühl für die Figur nicht so, aber sie nehmen zur Kenntnis, was frau trägt. Die zwängen sich dann in Klamotten, die einfach nur ein peinliches Bild abgeben, so ganz nach dem Motto: Bauchnabelfrei is ja ganz nett, wenn’s aber aus der Jeans quillt, sollte frau es besser sein lassen…
Tina · 16. April 2010, 05:57 · #
Die Zeitschrift “Brigtte” hat da einen (leider etwas halbherzigen dafür aber äußerst medienwirksamen) Versuch gestartet, in ihren Zeitschriften ab 2010 ohne Models auszukommen.
Interessante Kommentare dazu:
http://www.brigitte.de/mode/ohne-models/ohne-models-1037114/
Mit der Sucht ist es aber auch leider so: solange du nicht ganz am Boden bist und Hilfe BRAUCHST, bist Du nicht bereit, Hilfe anzunehmen und dein Leben zu ändern….(Ausnahmen eingeschlossen)
Uwe · 16. April 2010, 08:34 · #
Warum ist diese ausgemergelte Form Schönheitsideal?
Meine Antwort:
Weil Leistungsbereitschaft bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe, weil die Bereitschaft zur Selbstversklavung in Beruf und Freizeit die Werte dieser Kultur sind.
Leute, die zufrieden lächelnd und wohlgenährt mit Buddhabäuchlein ihr Dasein genießen, sind out, gelten als faul und unfähig.
LD · 16. April 2010, 20:16 · #
Wenn sich Leute für ein pervertiertes Schönheitsideal zu Tode hungern, ist das auch eine Art von natürlicher Selektion. Only the fittest survive.
Relax-Senf · 17. April 2010, 01:32 · #
@LD Schön gesagt, I couldn’t agree moore!