Mein Schreiben, mein Atmen

Manfred Hinrichs Ausspruch beschreibt meine Motivation für dieses Tagebuch meines Denkens und Fühlens.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Entspannung bringt Zeit bringt Rat

∞  8 Oktober 2008, 18:49

Die gestern hier angesprochene Finanzkrise, jedes gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen kann uns beschäftigen, unsere Gedanken binden, so dass sie ständig darum kreisen. Eine charakteristische Folge davon ist, dass wir uns immer mehr Information wünschen.




Je komplexer das Thema ist, je weltumspannendere Auswirkungen es hat, um so breiter wird es auch diskutiert. Und die Fülle und die unterschiedlichen Arten dieser Informationen sind unermesslich.

Der zivilisierte Mensch in Westeuropa ist wohl mehr als irgendwo sonst auf der Welt versucht, “sich informieren zu wollen über das Weltgeschehen”. Auch weit über das Mass hinaus, das er verarbeiten könnte, geschweige denn nötig hätte, um eigene Entscheidungen zu treffen. Denn genau darum geht es meistens nicht mehr: Wir sind mittlerweile sehr geübt darin, uns den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die wir nicht beeinflussen können.
Verbinden wir mit den Ereignissen das persönliche Schicksal, sehen wir unmittelbare Risiken (oder Chancen) für uns selbst, so wird dieses “Kümmern” zu einer “Kümmernis”, in der unsere Gedanken nicht nur um unser persönliches Schicksal kreisen, sondern sich immer schneller und wilder um Probleme drehen, die sehr viel weiter gefasst entstehen – und sich irgendwann lösen, oder auch nicht.

Wollen wir in solchen Situationen nicht verrückt werden, so müssen wir lernen, wieder loszulassen. Wir sollten uns mit einem Ereignis so lange und so intensiv beschäftigen, wie es für unsere persönliche Situation notwendig ist. Und danach sollten wir uns darin üben, den Dingen auch ihren Lauf lassen zu können und nicht nur im Denken zu leben, sondern im Erleben. Den Kopf auslüften. Eine Vorstellung davon bekommen, ein Gefühl, dass auch unser Denken, der ganze Verstand nur eine Art Organ unseres Körpers ist, und unser Werden, Wachsen und Empfinden sehr viel mehr enthält als das Sortieren oder Bilden von Gedanken.

Wie viel Zeit und wieviele Gedanken widmen Sie pro Tag Dingen, die Sie nicht beeinflussen können? Und wie oft ist dabei eine Art der Sorge mit im Spiel, die Sie weiter drehen lässt im Hamsterrad der rotierenden Gedanken?

Haben Sie heute schon nach den Herbstblumen geschaut? Ist der Baum vor dem Fenster schon gelb? Was machen Sie an den kommenden schönen Herbsttagen? Ist es die Schuld der Weltwirtschaft, wenn Sie keinen Schlaf kriegen? Wollen Sie sich solchen Mächten ausliefern, gegen die Sie ganz bestimmt nichts ausrichten können?
Nein, wollen Sie nicht. Sie wollen die Probleme für sich so lösen, wie es möglich ist. Und dann, wenn sie sich zeigen. Also ist sehr oft die Entspannung, das Loslassen eine wichtige Übung, die erst das Leben mit den eigenen Sinnen ermöglicht. Hier und jetzt und nicht in einer Zukunft, in der dann alles gelöst sein, besser werden wird.


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[Bildquelle: oster-fotoart.de ]





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es chunnt wie's mues


Kommentare

  1. andré · 8. Oktober 2008, 18:54 · #

    nicht beeinflussen können? vielleicht den vr der ubs nicht unmittelbar, der banker am schalter ist indess doch schon um einiges umgänglicher gegenüber dem kleinsparer als auch schon – beeinflussen, aber sicher! und zwar im hier und jetzt

  2. Mara · 9. Oktober 2008, 14:59 · #

    Ich bin jetzt mehrmals über deine Frage gestolpert inwiefern wir etwas nicht beeinflussen können. Die Frage ist doch eher zumeist das Mas das wir beeinflussen können, daher nicht das ob sonder das wieviel- oder etwas nicht? – und ob uns dieses in dem entsprechenden Moment wichtig genug ist unsere Zeit dafür zu “opfern” oder nicht. – und dann macht es auch wiederrum Sinn, sich für Dinge zu engagieren, die auf den ersten Blick unverrückbar gelten. Aber eben auch nur unverrückbar, weil die meisten es dafür halten.

  3. Marianne · 9. Oktober 2008, 20:06 · #

    Lieber Thinkabout, ich bin absolut Deiner Meinung. Je älter ich werde, umso gelassener nehme ich das Leben. Einige Krisen liegen schon hinter mir. Die Probleme, die sich dabei auftürmten, waren, im nachhinein, sehr viel kleiner als erwartet. So lasse ich heute die Dinge an mich herankommen, bevor ich ausraste. Entspannt und mit Vernunft handelt man besser als von innern Aengsten angetrieben. Und hat erst noch Zeit, wie Du so schön sagst, die Naturschönheiten des Herbstes zu geniessen.

  4. Thinkabout · 10. Oktober 2008, 21:27 · #

    @André @Mara
    Was ich “mit nicht beeinflussen können” meine:
    Ich rate, dort die Energie zu konzentrieren, wo sie Wirkung zeigt: Das Beispiel mit dem Bankschalter-Angestellten ist durchaus gut. Den Hedgefond-Verwalter oder den Investmentbanker beeindruckt das aber ziemlich wenig. Zeige ich meinem Kundenberater aber, mit was ich nicht einverstanden bin und mit was schon, so wird er mir jetzt sogar dankbar sein und wenig Mühe haben, seinen eigenen Frust zu zeigen. In der Regel dürfte nämlich gelten: Das ist noch das ärmere Schwein als wir. Es ist kein Schleck, die Scherben aufzulesen, die andere drei Kasten höher mit ihren Steinwürfen verursacht haben.
    Wenn ich bei der Bank rauslaufe, einen Kundenberater hinter mir, der froh ist, dass ich ich zwischen Sache und Person unterscheiden konnte, und guten Informationen bei mir, die mir weiterhelfen, so habe ich aktiv etwas getan – und kann mich, eben, wieder anderem zuwenden.


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