Für Kampfjets spenden
Der Schweizer Bundesrat will neue Kampfjets kaufen. Das ist politisch schon immer ein schwieriges Geschäft gewesen. Dabei hat alles mal mit ganz anderer Prioritätenlage angefangen. Oder könnten Sie sich heute vorstellen, dass Sie in einer Sammelaktion um eine Geldspende für die Finanzierung von Kampfjets gebeten würden?
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Die ersten Flugbewegungen in der Schweiz fanden 1910 statt. Dies, nachdem man lange der Meinung war, solches wäre nur auf Meereshöhe möglich und in Alpennähe undenkbar. Kaum aber waren sie da, die ersten Flugobjekte, überlegte sich auch die Armee, wie die Entwicklung militärisch zu nutzen wäre. Die SP war schon damals dagegen und wollte entsprechendes Geld zum Aufbau einer AHV verwenden.
Klar war schon damals: Das Geld war knapp. Das veranlasste die Schweizerische Offiziersgesellschaft schliesslich, in der ganzen Schweiz eine Sammelaktion bei der Bevölkerung durchzuführen. Am 1. Januar 2013 wurde zur Nationalspende aufgerufen. Man konnte Marken erwerben und an eigens organisierten Flugschauen Geld spenden. Dabei kamen nicht weniger als 1.73 Mio CHF zusammen, was 54 Rappen pro Kopf der Bevölkerung entsprach und fünf Mal mehr war als in anderen Ländern, die ähnliche Aktionen durchführten. Die sechs Doppeldecker-Maschinen, welche der Bundesrat von dem Geld im Ausland kaufen wollte, wurden dann allerdings nie angeschafft: Der erste Weltkrieg kam dazwischen. Die Schweizer Luftwaffe wurde dennoch gegründet. Die Aviatikpioniere rückten eben mit ihrem eigenen Flugmaterial ein, mit dem damals ganz allgemein im besten Fall Aufklärungsflüge denkbar waren. Zudem wurden anlässlich einer Flugschau die ausgestellten Maschinen kurzerhand “aquiriert”.
Es sollte bis 1930 dauern, bis die ersten wirklichen Militärflugzeuge gekauft wurden, weshalb man die Gründung der “richtigen” Schweizer Flugwaffe auch auf dieses Jahr terminiert.
So ändern sich die Zeiten. Was seither aber immer gültig blieb: Jede Anschaffung von Kampfflugzeugen oder auch nur schon deren Diskussion treibt die Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn der Landesverteidigung auf die Spitze – und Auschreibung, Evaluation und Beschaffung der Flugzeuge ist immer ein politisches Minenfeld, in dem die Skandale oder auch schlichtes Unvermögen nicht ausbleiben.
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Basisinformationen aus dem Mittagsgespräch von Radio DRS 1 von heute Mittag mit dem Historiker Roman Schürmann (Buchautor: “Helvetische Jäger”).

zentao · 16. Februar 2012, 17:24 · #
es ist auch heute, immer noch überfüssig, mit dem Geld kann man besseres machen
LG zentao
Weder · 16. Februar 2012, 19:05 · #
Genau so lange, wie es damals dauerte, bis sich auch in der Schweiz die Überzeugung breit machte, wonach Kampfflugzeuge zum militärischen Handwerkszeug gehören, genau so lange dauert es heute, bis bei uns die Erkenntnis eine Mehrheit findet, diese Art von Flugzeugen seien in unseren Breitengraden obsolet geworden.
Thinkabout · 17. Februar 2012, 17:45 · #
Braucht die Schweizer Armee (neue) Kampfflugzeuge? Ich weiss es nicht, und wage dazu kein Urteil. Eines weiss ich aber genau:
Wenn wir eine Armee haben und unsere Jungs da einrücken lassen, dann muss man ihnen auch eine vernünftige Ausrüstung in allen Belangen zur Verfügung stellen.
Zu meiner Zeit, so weiss ich noch genau, war es ein ziemlich besch… Gefühl, sich als robbende Kampfs… durchs Gelände zu wühlen und zu wissen, dass aus der Luft im besten Fall mit Aloutette-Helikoptern zu rechnen wäre – auf der eigenen Seite. Von Kampf- oder leistungsfähigen Transporthelikoptern war noch keine Rede.
Da fragt man sich dann auch, ob man bei den Pfadfindern gelandet ist….?
Fazit: Ein bisschen Armee geht einfach nicht.
Ganz unabhängig von der persönlichen Einstellung zum Thema Landesverteidigung muss man auf Grund der Statements unseres Armeeministers Ueli Maurer allerdings Gänsehaut kriegen: Die Art, wie er einseitig Richtung Frankreich kokettierte, man würde eine billigere Offerte schon prüfen, wäre sie denn länger als nur eine halbe A4-Seite, stellt mir die Nackenhaare auf: Mein lieber Mann, hier liegt eine öffentliche Ausschreibung vor mit einem entsprechenden Bieterverfahren. Zu diesem Zeitpunkt so offensichtlich politische Ränkespiele anzuleiern, muss die anderen Anbieter mehr als hellhörig machen und wirft ein lausiges Licht auf den Bundesrat.