Gefühl - von gestern?
Es wollte sich einfach keine Geschichte finden, die zu erzählen ihm lohnend erschien, so sehr er auch danach suchte.
Also nahm er sich vor, die Geschichte in sich zu suchen.
Wenig später war ihm klar, dass er, wo auch immer, die Suche einstellen konnte.
Er wollte nurmehr vor ein leeres Blatt sitzen und sich fragen: Was fühlst Du?
Dass er nichts fühlte, das wusste er, war nicht wahr. Mit dieser Selbstlüge beginnt jede Oberflächlichkeit, die sich allenfalls in Konsum materialisiert. Kaufen wir Gefühl?
Schon schweifte er also wieder ab, fabulierte darüber, was auch Gefühl sein mochte oder konnte, statt bei sich selbst zu bleiben. Was fühlte er?
Es würde enorme Überwindung brauchen, über Gefühle zu schreiben, die eigenen, in Ich-Form, umgeben von einer Welt, die schwerelos schien oder viel eher bodenlos, wo kein Gefühl weiter reichen musste als bis zur nächsten Zerstreuung. Da wollte er über genau das schreiben, und damit vor allem auch über sich selbst.
Und dann schrieb er, auf der Zeile eingemittet, ins obere Drittel des weissen Blattes:


ChliiTierChnübler · 3. Oktober 2009, 08:25 · #
Schön geschrieben. Jedoch würde ich Dir generell widersprechen wollen. Denn Gefühle sind zeitlos. Ich sehe es manchmal als romantische Verklärung an, wenn man deren Beschreibung – in anderen Zeiten geschrieben – treffender findet. Der ewige Wunsch des Menschen, Gefühle in Worte fassen zu wollen, hält uns vielleicht auch davon ab, sie einfach schweigend zu erleben.
PS: Es war mir nicht möglich, via Safari-Browser zu kommentieren. Was mache ich falsch?
Thinkabout @Chlitierchnübler · 3. Oktober 2009, 12:28 · #
Ja, Gefühle sind zeitlos. Und der Wunsch, sie auszudrücken, auch. Was mich beelendt, ist ja gerade das eher gestörte Verhältnis zu diesen Versuchen, das ich in unserer Gesellschaft zu orten glaube. Und die Stille, um schweigend Gefühle sprechen zu lassen, die fehlt uns mehr denn je, mal abgesehen von der Hektik des Multitaskings und anderer moderner Zeiterscheinungen.
Wenn wir gleich diesen Kommentar angezeigt bekommen, dann heisst das, dass bei mir kommentieren über Safari funktionierte, allerdings auf einem PC. Ich werde Dein Problem auf jeden Fall meinem Web-Guru Dirk Hesse weiter leiten.