Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Geld allein...

∞  25 September 2007, 22:55

Themen: SMS zum Tag und
Achtsamkeit


Geld allein macht nicht unglücklich.
Aber zum Glück gehört mit Sicherheit, nicht an Geld denken zu müssen. Nicht aus Not und nicht aus Gewinnsucht oder Gier.



Der erste Satz ist ein Bonmot von Peter Falk, nicht mehr ganz neu, aber immer noch gut.

Über die Not jener, die in unserer Konsumgesellschaft jeden Franken umdrehen müssen, brauchen wir nicht zu streiten. Es ist hart, in der Schweiz arm zu sein.

Das Grau unserer Welt kommt aber nicht zuletzt von jenen, die im Rausch des Gewinnens Gewinn zum Elixier machen und an nichs anderes mehr denken können, als an Ausdrucksformen des Geldes. Wann ist man reich? Vermögend? Sicher? Es ist nie genug. Wie quälend das werden muss, auch wenn es nicht bemerkt wird. Lange nicht.

Wir kennen alle das Mehr, und wenn wir es bekommen, wollen wir ein Nochmehr. Das ist ohne Ende und völlig sinnlos. Denn dabei geht Zeit verloren, die nicht mehr wiederkommt.

Bildquelle: Mailänder Einkaufsparadies via fernweh.com


  1. Tina · 26. September 2007, 05:48 · #

    Ich denke, auch ich kann nicht wirklich ermessen, was es bedeutet, so arm zu sein, daß das Geld nicht für den unteren Level eines “normalen Lebens” reicht. Meine Vorstellungskraft mit den damit verbundenen nötigen Improvisationen reicht sicher nicht dazu aus….Den Hauch einer Vorstellung davon geben mir manchmal die Nichtsesshaften in unserer Stadt.

    Ich bin mir dessen bewußt, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, weil ich noch nie ernsthafte finanzielle Sorgen hatte. Zufall, Glück, Engagement?

    Ich spende nicht an wohltätige Organisationen, das ist mir zu weit weg. Aber ich bin froh, einzelnen Menschen wenigstens finanziell in einem bescheidenen Rahmen helfen zu können, die mich berühren, bei denen ich erkenne, daß es notwendig ist. Nicht nur an Weihnachten ;-) Das gibt meinem beruflichen Tun einen tiefen Sinn und vermittelt mir den unschätzbaren Wert der Unabhängigkeit und persönlichen Freiheit.

  2. werner · 26. September 2007, 17:37 · #

    Ja, das “Mehr und immer noch mehr”, das beschrieb – wenn auch in anderem Zusammenhang – auch C.F. Meyer:

    Fülle

    Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
    der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
    Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
    der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.

    Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
    Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
    Die trunknen Wespen summen in die Runde:
    “Genug ist nicht genug!” um eine Traube.

    Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
    schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
    das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
    Genug kann nie und nimmermehr genügen!

    —-
    @ Tina

    Nicht nur deine Vorstellungskraft reicht nicht aus. So geht es wohl den allermeisten. Und auch solche Versuche, mal einen Monat mit Hartz IV auszukommen (wie ich neulich inder Zeitung las) können das nicht wirklich nachfühlen lassen, wie einem zu Mute ist, dem es am notwendigsten fehlt – weiß man doch, dass nach der “Versuchszeit” alles wieder “normal” ist.
    Dass du nach deinen Möglichkeiten in deiner engeren Umgebung hilfst, statt an Organisationen zu spenden, finde ich ganz in Ordnung. – auch wenn ich einen anderen Weg gehe und in der Bolivien-Partnerschaftsarbeit unseres Bistums mitarbeite und Misereor unterstütze.
    Dabei weiß ich natürlich, dass es überall sonst in der Welt und auch vor der eigenen Haustüre viel Not gibt. Aber ich kann mich mit guten Gewissen auf diese beiden Dinge beschränken, weil ich weiß, dass andere anderswo helfen.
    Diese “arbeitsteilige” Hilfe ist es, die unsere Zeit braucht. keiner kann halt überall da sein und helfen, wo Not ist. Aber wenn jeder seinen Teil übernimmt, dann kommen wir voran in der Bekämpfung von Not, Krankheit und Armut in der Welt.

  3. Janna · 26. September 2007, 22:37 · #

    ...wenn jeder in seinem “Raum” etwas beitragen würde….... – als mein erstes Kind gesund auf die Welt kam, habe ich beschlossen, für andere Kinder etwas zu tun – und seitdem bin ich zahlendes Mitglied von SOS-Kinderdorf e. v. – auch in Zeiten, in denen bei uns das Geld knapp war (ja, das kenne ich gut), hielt ich das durch…es sind nicht die großen einmaligen Beträge, sondern die vielenvielen kleinen, beständigen,die etwas bewirken – und heute les ich in der Zeitung, dass das Spendenaufkommen in Germany gestiegen ist – aber nur durch die sog. “kleinen Leute”, nicht durch die Wohlhabenden – ich legte die Zeitung sehr nachdenklich fort…..Janna

  4. Tina · 27. September 2007, 03:14 · #

    @Werner

    In welcher Form jeder einzelne hilft, ein bißchen das Gefälle zwischen Arm und Reich anzupassen und die Not zu lindern bleibt sich letztendlich gleich. Von Dir weiß ich ja, daß Du Dich persönlich an den Hilfsaktionen beteiligst, was ich sehr bewundere ! Gerade in diesen Organisationen kann letztendlich sehr viel bewegt werden. Du hast eine weitsichtige, positive Einstellung dazu. Vielleicht fehlt mir da das unmittelbare Erfolgserlebnis, jemanden mal glücklich zu sehen ;-)

    Eine Idee, die mir auch sehr gut gefällt ist die, eine Patenschaft für ein Kind in Armutsgebieten zu übernehmen. Mit einem lächerlich geringen Betrag kann man einem Kind Schule und Ausbildung finanzieren und bekommt dann ein Foto und einen kurzen Lebenslauf von “seinem” Patenkind, der einen direkten Bezug ermöglicht.

    @Janna
    Eine Lichterkette mit vielen kleinen Lämpchen erzeugt auch Helligkeit…
    Wichtig ist, die Augen für sein Umfeld überhaupt zu öffnen, ganz gleich ob mit großen oder kleinen Beträgen, in Bolivien oder vor der eigenen Haustür. Gesunde Kinder zu haben ist eine große Gnade und keine Selbstverständlichkeit, ein Leben mit einem vernünftigen finanziellen Hintergrund ebenso.

    “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”. (Erich Kästner)
  5. Thinkabout · 27. September 2007, 19:42 · #

    SOS-Kinderdörfer – und siehe da, Janna, da finden wir uns wieder!

  6. Strandsteine · 27. September 2007, 21:27 · #

    Lieber Thinkabout,

    wenn es nicht nur die Maßlosigkeit nach mehr wäre,
    wenn diese Menschen noch ein Auge auf die Schönheit und Verletzlichkeit dieser Welt hätten,
    hätte der Spruch der Cree Indianer keine Bedeutung mehr….aber so…
    ist er aktueller wie damals…

    Unsere Armut in der Kindheit habe ich nicht soo bemerkt, da wir Selbstversorger waren.
    Aber da ich die Schuhe der Nachbarstochter nachtragen mußte, habe ich die Zeit noch in schmerzhafter Erinnerung. Bei der heutigen Schuhgröße 42 / 43 ist es nachvollziehbar…?

    Nachdem meine Eltern tödlich verunglückt waren,
    mußten wir den ganzen Haushalt auflösen.
    Da der Kühlschrank und die Gefriertruhe voll waren,
    bin ich heute noch einer Familie mit fünf Kindern dankbar, das sie vieles gebrauchen konnten.
    Bei jedem Besuch freue ich mich, wenn ich heute die riesige Haushaltsmaschine, womit sie die Brotteige rühren, sehe.

    Auch werfe ich nie ein Buch in die Mülltonne,
    ohne hier ín der nächsten Umgebung zu fragen,
    ...wer mag es nehmen….

    Möge endlich nicht mehr soviel Armut auf dieser Welt herrschen…die Steine


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