Gemeindenachrichten in Serbokroatisch?
Können Sie “Ihre” Gemeindenachrichten verstehen? Wir nicht immer. Aber es geht uns ja auch nicht alles etwas an. Oder doch?
Wir bekommen in unserer Gemeinde regelmässig ein einfach gedrucktes Heftchen mit Nachrichten über das Dorfleben, Veranstaltungen, die geplant sind, Kurse, die ausgeschrieben werden, Öffnungszeiten von Bibliotheken etc., Sondergänge der Müllabfuhr und der Dinge mehr, die eine Gemeinde so am Laufen halten und gemeinschaftliche Aktivitäten fördern.
Neu daran ist, dass das Heft international wird… Vermehrt finden sich darin Artikel in fremden Sprachen. Auch in der aktuellen Ausgabe. Keine Ahnung, in welcher Sprache da geschrieben wird und über was. Es könnte serbo-kroatisch sein, aber sicher sind wir uns nicht.
Wir geben zu: Bei uns hinterlässt das zwiespältige Gefühle. Ich bin mir bewusst, dass es für die Organisation und die Verwaltung wichtig sein kann, ausländische Bewohner in jedem Fall informieren, ja “erreichen” zu können. Dennoch wirken solche Aktionen nicht gerade integrierend, zumindest nicht im Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung. Da es in diesen Informationen nicht zuletzt um Leistungen der Gemeinde gehen dürfte, ist es wohl eher kontraproduktiv, wenn der Hauptteil der Steuerzahler nur vermuten kann, über was hier informiert wird. Da es zu den Artikeln weder eine Übersetzung noch eine Information in unserer eigenen Sprache gibt, kann frisch gemutmasst werden – und wird dem Ärger derjenigen Vorschub geleistet, die vor der Überfremdung Angst bekunden.
Es ist der gleiche Reflex, wie wenn die Detailhandelsketten plötzlich türkische “Informationen” verteilen…
Der Kontrakpunkt: In Frankreich müssen 25% der im Radio gespielten Songs einen französischen Text haben. Am French Open wird der Spielstand bis heute nicht englisch, sondern französisch gezählt.
Skurril sind irgendwie beide Tendenzen. Allerdings muss ich sagen: Ich verstehe die Franzosen immer besser… Und habe auch nichts dagegen, im Ausland meine Fremdsprachen zu üben. Im Gegenteil. Und hier? Helfe ich jedem gerne, dass er mich besser verstehen lernt. Auf deutsch, rätoromanisch, französisch oder italienisch. Eine dieser Sprachen sollte er aber lernen wollen. Und als Bürger möchte ich in einer Informationsbroschüre der Gemeinde, die an alle Einwohner verteilt wird, auch alles lesen können. Zumindest in einer der obigen (Landes-)Sprachen.
:::
[Bildquelle: koerber-druck.de ]
♦

Titus · 10. Mai 2008, 11:44 · #
Hallo Thinkabout
Für eine erfolgreiche Integrationspolitik braucht es immer zwei: Der eine, der integrieren will und der andere, der sich integrieren lassen will.
In der Regel scheitert die Integration daran, dass sich “der zu Integrierende” nicht integrieren lassen will. Du zeigst uns nun ein neues Phänomen: Der “Integrierer” will gar nicht integrieren. Das ist keine Integrationspolitik, das ist eine Ausweichpolitik. Es ist eben einfacher, einen Text in eine fremde Sprache übersetzen zu lassen statt Ausländer davon zu überzeugen, sich z. B. mittels Lernen einer Landessprache (wenigstens teilweise) zu integrieren. Kürzlich habe ich gehört, dass in Deutschland Ausländer gar einen Sprachkurs besuchen MÜSSEN wenn ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichend seien…
Ich würd’ mal unschuldig auf der Gemeinde nachfragen: “Ich glaube, da ist beim Drucken der Info-Broschüre ein Fehler unterlaufen. Ich habe da eine gemischt-sprachige Version erhalten. Könnten Sie mir eine deutsche Version zustellen…”
Schönes Wochenende
Titus
P.S. Falls Du nachfragst, würde mich eine Fortsetzung interessieren.
Caro · 10. Mai 2008, 16:05 · #
I beaatrag en Njuusfied auf Schwääbisch, jawoll!
SeelenLeerer · 10. Mai 2008, 19:11 · #
Eine Zeit meines Lebens verbrachte ich in Frankreich.
Die Vorteile dieser rigiden Förderpolitik bestehen darin,
dass einheimische Musiker einfacher von ihrer Musik leben können
und dass es so ALLE Stilrichtungen auch als Homegrown gibt.
Besonders angetan hat es mir seither der Französiche Rap. Irgendwie charmanter als das USA Original und dabei doch kraftvoll bleibend.
SeelenLeerer · 10. Mai 2008, 19:37 · #
Integration ist immer heikel zu bewerkstelligen und deren Erfolg wird wohl immer je nach Standpunkt verschieden interpretiert werden.
Ketzerische Rückfrage:
Sind leichtbekleidete Touristen an Stränden in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Ländern, bloss schlecht integriert, oder müssen die nicht,
weil Geldpotenter?
Auf den zweiten Blick offenbart sich doch noch ein Zusammenhang zur Schweiz.
Eine Hilfskraft, die gut Deutsch spricht, will sicher mehr Lohn, als eine die dessen nicht mächtig ist. Wenn darin kein Körnchen Wahrheit stecken würde, gäbe es sicher keinen Markt für sogenannte Sans Papiers.
Damit will ich antönen, dass abgesehen von Flüchtlingen und Superreichen, die meisten Ausländer auf Grund ihrer Kentnisse (oder eben deren fehlen) gezielt angeworben werden.
Da sich viele Politiker ihren Lebensunterhalt durch Verwaltungsmandate versüssen, könnten sie dort wohl sicher stärker zur “Lösung” beitragen. – Doch wer will sich schon selber der narrensicheren Wahlkampfthemen berauben?