Genesung, ganz ohne Wunder, und doch…
Ich bin wieder im Saft. Die Freude sprudelt wieder, die Unsicherheit hat sich verflüchtigt wie Dunst am frühen Morgen. Ich geniesse den Segen unbeschwerter Körpergefühle.
Ich weiss, es ist kein Wunder, und Thinkabouts Wife hat gerade in sich hinein gegrinst, als ich es ihr erzählt habe. Männer scheinen eben jeweils ein bisschen heftiger krank zu sein als andere Wesen… wohl dem, der eine Frau hat, die damit umgehen kann!
Ich pflege dieses Gefühl des Durchbruchs trotzdem gerne, halte die Dankbarkeit wach und die Erfahrung, dass Gesundheit nicht nur nicht selbstverständlich ist, sondern der Genesungsprozess immer auch eine eigene und persönliche Geschichte schreibt, für die Ungeduldige manchmal ein bisschen mehr Zeit brauchen.
Kurz: Ich habe heute ganz bewusst meine Genesung gefeiert. Ich habe wieder Saft, spiele nicht nur gern Tennis, sondern bewege mich auch gut, und plötzlich hat mein Kopf auch keinerlei Probleme mehr. Es ist einfach alles gut – und ich fühle mich gesund. Und das in einer Weise, die ich nicht herbei reden muss. Ich fühle mich einfach so. Empfinde gegenüber meinem Körper die Harmonie eines Bewohners, der sich in seiner Wohnung wohl fühlt.
Nun freue ich mich, die vielen kleinen scheinbar so selbstverständlichen leichtgängigen Momente im Alltag ganz bewusst zu feiern, zu bestaunen. Ich will die Dankbarkeit für alles, was da ist, wieder neu empfinden, die schlummernde Prinzessin namens Achtsamkeit, die immer wieder in den Tiefschlaf zu fallen scheint, wach rütteln und mir dann von ihr die vielen kleinen Wunder zeigen lassen, die jeder Tag bereit hält.
Es ist eben doch ein Wunder, in meinem Körper wohnen zu dürfen.

Relax-Senf · 18. Mai 2011, 02:16 · #
Lieber Thinkabout
“und plötzlich hat mein Kopf auch keinerlei Probleme mehr”
Das ist aber eine gute Nachricht, ehrlich! Gibt es doch auch für mich eine Hemmschwelle und gemäss dieser Einsicht ist einem leidenden Kopf nicht auch noch Senf zuzumuten. Hm ,jetzt komme ich aber doch ins Grübeln. Was war mit Deinem Kopf bevor Du obigen Satz freiwillig formuliert hast! War der Kopf leer, war er hohl? Hm, auch bei wiederkehrenden Gelegenheiten hat mein Testblick nichts ans Tageslicht bei Dir gebracht. Krank, nein es gab nie eine Spurt von krank. Der Kopf war Gedankenschwer, WEIL Du zu wenig Auslauf hattest. Schon wieder eine Stolperfalle, wenn Frau Thinkabout hier liest. Auslauf wird hier natürlich für den springenden und Becker- hechtenden Thinkabout benützt, dessen Energie in der roten Sandkiste so Spuren hinterlässt, dass der Platzwart anschliessend mit Wasserschlauch und Zehntonnenwalze die Einsatzspuren beseitigen muss.
Solche Spuren sind für den Geistesblitzproduzenten und –Verwerter sehr, sehr wichtig. Aus meiner Sicht leidet man als Geistesarbeiter immer wieder darunter, dass der Arbeitsprozess, der Arbeitsfortschritt, nicht zu einem physisch sichtbaren Resultat führt, das man anfassen und und/oder probenutzen kann. Schreibarbeit hinterlässt vorab für Dritte keinen erkennbaren Kräfteverschleiss. Gut Buchstaben werden produziert, aber für die Nichtdenker ist dies eigentliche kein Energieprozess, denn geschickte Fingerspitzen und das Computer Programm produzieren recht automatisch das Endresultat.
Der Einsatz auf dem Tennisfeld bewirkt dagegen mancherlei konkrete Spuren als Resultat der Energieverbrennung, Keuchen, Schweiss, Freude, ..uchen – in wechselnder Reihenfolge und immer wieder das Wahrnehmen von Muskeln an unbekannten Körperorten . Halbtote Zellen werden wach, Nerven- und Muskelstränge rufen sich in Erinnerung . Ja man hat noch mehr Muskeln ausser an den Orten, wo man sie gelegentlich weckt und zum Einsatz ruft. Was nicht bewegt wird, meldet sich mit Beschwerden. Bewegt man z. B. bei der Denkarbeit den Kopf nicht, kann das zu einem steifen Hals führen, was durchaus unangenehm sein kann. Tritt auch ein, wenn man im Denkvorgang auf der Stelle tritt und keine neuen Ideen entwickelt.
Der Tennisplatz ist dagegen die richtige Prophylaxe. Man blickt den Bällen nach, die einem der Gegner um den Kopf schlägt und nimmt allenfalls auch ausserhalb vom Feld hüpfende Bälle wahr. Den Kopf bewegen und mit den Augen unablässig in alle Richtungen spähen, mit dieser Bewegungstherapie ist de Kopf dann wieder frisch und frei, um sich dem Kampf mit dem Sortieren der Buchstaben zu widmen. Wimbledon Strawberries können wir dem Tennisthinky nicht bieten, aber es gibt eine Variante, die sorgt bei Deiner Vor- und Rückhand für eine Winner-Kante. In diesem Sinne, sehe ich Kraftspendende Spielereinen auf Dich zukommen.
Thinkabout @ Relax-Senf · 18. Mai 2011, 09:33 · #
Diese Kopfsache ist wirklich ganz entscheidend.
Nein, leer war er eben nie, der Kopf. Am Ende ist es wie mit vielem anderem auch: Was scheinbar unerwartet, leise, heimlich kommt, geht auch wieder in ähnlicher Weise.
Ich habe sicher über meine Krankheit häufiger gesprochen als andere – und hoffentlich dabei nicht zu sehr genervt. Aber jedes Gespräch half mir offensichtlich, ein Stück meiner Unsicherheit abzulegen.
Und plötzlich fehlt ein Rucksack, der überflüssig wurde, weil ich nicht einmal mehr brauchte, um über ihn klagen zu können.