Genuss ist kein Anspruch, aber vielleicht Kunst
Themen: SMS zum Tag undAchtsamkeit
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Ist Genuss ein Menschenrecht?
Es ist mehr die Kunst offener Sinne
und des gelassenen Umgangs mit der Zeit –
und eine Gnade der Natur mit ihren Geschenken.
Den Satz, Genuss sei ein Menschenrecht, schnappe ich heute am Fernsehen auf. Er kommt natürlich von jemandem, der für sich in Anspruch nimmt, uns den wahren Genuss beibringen zu können – und dafür auch die entsprechend mundenden Produkte vorstellt.
Die wenigsten von uns essen nur, um sich zu ernähren, sehen nur, um sich zu orientieren. Unsere Sinne dienen meist nicht nur dem Überleben. Sie richtig einzusetzen und in der Balance zwischen Erfahrung, Erleben und Überdrehen zu halten, ist die grosse Kunst.
Meist sammeln wir jagend nach neuesten Eindrücken. Genuss beginnt aber da, wo wir ausatmen vor Glück, einatmen vor Freude, wo wir uns wohl fühlen in unserer Zeit, in unserem Augenblick. Genuss kann da erlebt werden, wo der Nachbar achtlos vorbei geht.
Wer geniesst, braucht kein Spektakel. Er balanciert den Wassertropfen auf der Fingerspitze, bevor er sich die Hände trocken reibt. Er beobachtet, sieht – und dankt.
Das alles sind keine einklagbaren Rechte – sondern Teile unserer Lebenskunst. Diese ist nicht einklagbar, aber sie üben zu dürfen, ist eine Gnade unserer sorgenbefreiten äusseren Lebensumstände.
Versuchen wir doch, jeden Tag eine verborgene Tür in einen neu wahrgenommenen Raum aufzustossen.

Seelenleerer · 31. August 2007, 03:51 · #
Derjenige im Fernsehen meinte wohl kaum
Deine Form des Geniessens,
denn Deine Form kann Dir Keiner streitig machen,
was die Frage hinfällig macht, ob es ein Recht dazu gibt.
Zu Deiner Form des Genusses sollte es eine Pflicht geben
und die Welt wäre ein schönerer Ort.
Doch vielleicht wollen wir das ja gar nicht?
Tina · 31. August 2007, 07:17 · #
Vielleicht können wir das aber auch nicht immer…
Das Genießenkönnen setzt voraus, daß wir mit uns im Einklang sind um dieses Glücksgefühl ungestört annehmen zu können. Dabei stehen wir uns oft selbst im Weg mit den Sorgen von gestern im Gepäck – oder Zeitdruck, Zweifel oder Minderwertigkeitsgefühle hindern uns daran, das positive Empfinden zuzulassen.
Wie Du sagst, Thinky, beruht das wohl mehr auf unserer Lebenskunst, den Wundern des Alltags mit offenen Augen zu begegnen – was Du mit dem balancierenden Wassertropfen so gut beschreibst.
Man muß auf Empfang dafür sein.
...Ist doch eigentlich sehr beruhigend, daß man nicht alles einklagen kann….
das Vertrauen, das Dir jemand schenkt,
den inspirierenden Eintrag eines Bloggers
und das Bällchen Tiramisu-Eis in der Sonne …aus purer Lebensfreude.:-)