Gesellschaft und Gemeinschaft
Immer wieder fühle ich die gleiche Beklemmung: In unserer Gesellschaft geht das Gefühl für Gemeinschaft total verloren. Je länger je mehr brauchen wir Gesetze, um uns überhaupt noch daran zu erinnern, dass nicht jeder so handeln kann, wie ihm beliebt. Dass wir freiwillig für das Gemeinwohl vorausdenken würden, wird immer seltener.
Immer weniger Menschen treffen ihre Präferenzen im Sinne eines grösseren Ganzen. Es fehlen ihnen schlicht die Reflexe, die sie überhaupt daran denken liessen.
Die Leistungsgesellschaft, die Globalisierung, der freie Markt, die Privatisierung – alles Schlagworte für Individualität, die Kraft des Stärkeren.
Innovation? Wird nur gefördert durch Wettbewerb. Einem anderen Antrieb wird die Kraft der Erneuerung gar nicht zugetraut. Da sind wir schon verflixt ehrlich geworden…
An der Basis dieses Wettbewerbs steht ja immer ein Wert, der nachgefragt wird, wie in diesem Fall… ja, was denn? Nennen wir es mal Zufriedenheit. Und wie definiert dies ein Mensch unserer Zeit? Welches sind seine Werte?
Man möge mal durch ein Neubauquartier in irgend einer Schweizer Siedlung gehen und mal darauf achten, wie viel Beton wir verbauen. Nein, nicht für unsere Wohnungen – sondern für unsere Garagen.

Bildnachweis: Aus dem Leistungsausweis eines ehrenwerten Schweizer Handwerkers: heinihofmann-maurergeschäft.ch

Roman · 26. Juli 2007, 13:22 · #
Ja, Deine Worte treffen. Sie beschreiben denn auch eines der wohl grössten Herausforderungen unserer Zeit. Und was können wir da als Menschen tun? Ich meine, den Wert der Gemeinschaft leben lassen, ihn selbst zum Zweck erheben. Nicht auf “Teufel komm raus”, sondern im Kontext des – wie Du sagst – Wohlfühlens. Auch in Zeiten, in denen wir leichter und unbeschwerter konsumieren können, ist die Gemeinschaft nicht wegzudenken. Auch wenn wir sie ab und zu vergessen.
Tina · 27. Juli 2007, 05:28 · #
Du schreibst:
“Je länger je mehr brauchen wir Gesetze, um uns überhaupt noch daran zu erinnern, dass nicht jeder so handeln kann, wie ihm beliebt. Dass wir freiwillig für das Gemeinwohl vorausdenken würden, wird immer seltener.”
Ich persönlich finde, daß der Gesetzgeber mittlerweile alles bis ins kleinste Detail geregelt hat, so daß für persönliche Gedanken an das Gemeinwohl gar keine Möglichkeit mehr bleibt…
Schau Dir mal beispielsweise diese Gartenverordnung des Schrebergartenvereins Rüsselsheim an…..
http://www.schrebergartenverein-ruesselsheim.de/10069.html?*session*id*key*=*session*id*val*
Da alles bis auf den kleinsten Krümel geregelt ist, bin ich fast schon mit Farbe der Zipfelmütze, die mein Gartenzwerg tragen darf ohne dem Nachbarn Depressionen zuzufügen, völlig überfordert!
Zechbauer · 27. Juli 2007, 16:32 · #
Wer nur noch rennt, verlernt irgendwann das Spazierengehen.