Mein Schreiben, mein Atmen

Manfred Hinrichs Ausspruch beschreibt meine Motivation für dieses Tagebuch meines Denkens und Fühlens.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Gut, sind wir Mensch geblieben...

∞  5 August 2008, 20:56

Eine Gesellschaft, die einen “Gutmenschen” wie einen dummen August verlacht, hat selbst nicht länger viel zu lachen.


D as Wort birgt den eigenen Schimpf irgendwie in sich – ich weiss nicht, ob es überhaupt dafür gedacht ist, auch neutral benützt werden zu können. Man muss es ja nur aussprechen, schon bekommt die eigene Stimme einen spöttischen Klang. Es geht irgendwie gar nicht anders.

Es gibt so Worte, die eine Gesellschaft entlarven. Ich finde, “Gutmensch” ist ein solches Wort. Es konnte sich erst da ausbreiten, wabernd in alle Ecken dringend, gerade auch im Internet, wo jede altruistisch-selbstlose Initiative eh gleich den Trauerflor des verlorenen, hilflosen, utopischen Idealisten, dem nicht mehr zu helfen ist, umgehängt bekommt. Von da ist es nicht mehr weit zur Verunglimpfung, die daraus erwacht, dass diese Idioten von Idealisten mit ihrem selbstgerechten (jawoll!) Tun eigentlich diejenigen beleidigen, die doch nix anderes tun, als die Sachzwänge zu erkennen und das Beste für sich aus dem Leben zu machen.

Und noch perfider: Dem Wort wird immer auch der Verdacht mitgegeben, die so etikettierten Menschen wären dabei ertappt worden, sich für etwas Besseres zu halten.

Pfui Deibel. Nichts hat mich in meinem Bloggerleben so schockiert wie die Entdeckung dieses Wortes. Darin überhaupt einen Vorwurf erkennen zu müssen, macht mich schon sprachlos. Und das will was heissen…
Dabei könnte man dem, der vor allem Worte braucht, noch die Freude an der Theorie vorwerfen, seinen Schöngeist verspotteen; aber es genügt schon die Gefahr, sich einem Moment des Nachdenkens stellen zu “müssen”.

Darum gehört das Schlusswort einer Linken und anerkannt Netten mit praktischem Leistungsausweis, die gewissermassen dem heimischen Blocherschen Karren von der Ladekante gefallen ist:

Der Begriff Gutmensch ist etwas ganz Schlimmes. Damit diskreditiert man pauschal soziale Arbeit, Mitgefühl, Solidarität. Früher war es undenkbar, für soziale Arbeit ausgelacht zu werden.
Judith Giovanelli-Blocher, Woz-Artikel vom 24. Juli 2008.


°


[Bildquelle: hegewald.wordpress.com ]

Der Artikel wurde nicht zuletzt durch einen Beitrag von Zappadong inspiriert – wo sich auch Titus Hinweis auf das Zitat von Frau Giovanelli-Blocher findet (Kommentar ), mit dem Link auf das Woz-Interview, das ich selbst beim Erscheinen schon gerne gelesen hatte.




Beitrag abgelegt in Themen
Gesellschaft
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dabei will ich nicht gut, nur lebendig sein!

Kommentare

  1. Elfe · 6. August 2008, 22:04 · #

    Danke für den Beitrag. Das Wort “Gutmensch” ist für mich schon lange das Unwort des Jahrzehnts oder einer Gesellschaft, die sich entlarvt, wie sie es gekonnt ausdrücken. Endlich mal jemand, der genau ausdrückt was ich schon lange darüber denke. Danke auch für den Link zum Interview, das ich gleich noch lesen werde.
    Lieben Gruss in den Abend
    Elfe


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