Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Haltung kann einen roten Faden spinnen

∞  7 März 2011, 17:24

Wir erkennen in unserem Leben oft plötzlich einen roten Faden. Uns wird klar, „wie etwas gekommen ist“ – und warum. Und wie weiter? Wo liegt der Fadenpunkt in meiner Zukuft?


Steve Jobs zu Studienabgängern der Eliteuniversität Stanford :


You can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards.


Und die Übersetzung und Deutung von Volker Zastrow in einem bemerkenswerten Artikel auf FAZ.NET:


Ihr könnt euren Weg nicht vorher abstecken […], nicht alles durchplanen, berechnen: Ihr müsst darauf vertrauen, dass sich die Wegpunkte früher oder später von selbst verbinden.


Tja, wie würde es jeweils kommen, wenn wir danach leben würden?
Wir würden unsere Träume viel hartnäckiger verfolgen – aber auch ausdauernder dafür arbeiten. Wir würden danach fragen, ob wir das, was wir tun, auch wirklich lieben und was es überhaupt mit uns selbst zu tun hat?

Im Rückblick ergibt sich daraus Sinn und Vertrauen in die Richtigkeit der eigenen Überzeugungen – oder plötzliche Klarheit über Gründe für ein Scheitern. Es ist immer drin, das Scheitern. Doch in der Gegenwart und mit dem Blick voraus sollte das einzige Kalkül, gerade für junge Menschen, darin liegen, dass das, wofür man sein Herzblut investieren mag, auch existenziell tragfähig werden kann – also am Ende auch Geld einbringt.

Die Geradlinigkeit, die Ausdauer, die innere Freude – alles Aspekte meiner Haltung, mit der ich meine nächsten Schritte bestimme. Meinem unsichtbaren roten Faden entlang.




Kunstwerk von Peter Busch, gefunden bei Der Westen




  1. dirk · 8. März 2011, 11:48 · #

    “Das einzige Kalkül”? Ich rate meinem Sohn zum Gegenteil. Eine “tragfähige Existenz” ist nicht genug, dafür sein Herzblut zu vergießen. Menschen können so viel mehr.

  2. Thinkabout @ Dirk · 8. März 2011, 12:06 · #

    Wieder einmal beschämst Du mich – und ich beschäme meinen Vater, wenn ich dann spontan denke, was geworden wäre, mein Vater hätte mir solches geraten? Und dann schäme ich mich selbst und erst recht für mich, denn jedes andere Schämen ist gleichsam bigott, mag Fremdschämen auch noch so populär geworden sein, denn damit bin ich so was von ungerecht: Denn auch mein Vater hatte einen Vater, der eines lehrte, so nehme ich an, und sonst gar nichts: Die Pflicht sehen und erfüllen.

  3. Maria · 8. März 2011, 15:09 · #

    Viel Vertrauen, die ältere Generation würde dem Gottvertrauen sagen, ist dafür nötig. Wer hat das von denen, die am Start stehen? Sie sind jung und jeder lehrt sie das andere: Profit, Erfolg, Hauptsache: Geld, geniessen kannst du in der Freizeit. Ich weiss es. Meine Tochter steht vor der Berufswahl und möchte (bis jetzt) entweder Pferde bereiten oder Coiffeuse lernen. Beides länger gehegte Wünsche, nicht Mädchenschwärme. Ich bin schockiert, was die Verwandtschaft dazu sagt (und sie entmutigt), denn ich teile Deine Meinung.

    Liebe Grüsse wieder mal
    Maria

  4. Uwe · 8. März 2011, 17:59 · #

    Steve Jobs “Roter Faden” (?): Kleiner geldgieriger Gauner – großer geldgieriger Gauner – Geltungssucht – Krebs

    Bei “Wikipedia” steht u.a.: “Er (Jobs) beschaffte für Wozniak und sich einen Auftrag von Atari für das Spiel Breakout. Wozniak programmierte das Spiel in vier Tagen. Jobs behauptete, dass er nur 700 Dollar bekommen habe und gab Wozniak 350 Dollar, obwohl das Honorar 5000 Dollar betrug.456

    Während dieser Zeit entdeckte John Draper (alias Captain Crunch), dass man mit einer modifizierten Spielzeugpfeife, die sich in jeder Packung von Capt’n Crunch Cornflakes befand, den 2.600-Hertz-Ton erzeugen konnte, der bei AT&T von den Vermittlungsstellen verwendet wurde, um die Abrechnung der Gesprächsgebühren zu steuern. Wozniak baute daraufhin eine Blue Box, die diesen Ton erzeugen konnte. Er und Jobs begannen 1974, diese Kästen zu verkaufen, die es dem Besitzer ermöglichten, kostenlose Ferngespräche zu führen.”

  5. Thinkabout · 8. März 2011, 18:41 · #

    @Maria
    Wir habe alle Jura studiert. Aber ein Kollege meinte, er müsse unbedingt Archäologe werden – mit Ägyptologie im Hauptfach. Was haben wir geprustet! Und dann? Erstens war für ihn immer klar, dass er seine Ausbildung durchzieht. Und dann haben sie im Greifensee alte Pfahlbauten entdeckt. Ud weil der Kollege auch ein Tauchbrevet hatte, machte es flups, und er war der einzige von uns, der während dem Studium schon einen Job hatte – und auch noch einen verflucht gut bezahlten.
    Gruss an Deine Tochter: Sie soll auf ihre Mutter und vor allem auf ihren Wunsch vertrauen und ihr Ziel verfolgen. Heute geht es in jeder Generation des Berufsalltags ständig darum, sich darauf zu besinnen. Denn etwas tun müssen, zudem man überhaupt kein inneres Feuer mitbringt, das macht garantiert unglücklich. Und bei @Dirks Kommentar ruhig noch zusätzlich Power und Mut holen!

    @Uwe
    Den Faden über die Geltungssucht zum Krebs zu spannen, hat etwas viel Moralin in sich. Den Faden, den ich meine, muss jeder selbst für sich erkennen. Steve Jobs ist ganz bestimmt das Kind, das in die Welt passt, die ihn hoch gebracht hat.
    Selbst wenn er ein Gauner ist – was er mir über das Leben sagt, kann ich dennoch auf den mir persönlich zugänglichen Wahrheitsgehalt prüfen. Ich wäre dumm, ich würde das nicht machen. Denn so sehr bin ich selber Schelm, dass es mir relativ egal ist, woher die Weisheiten kommen, die mich tatsächlich weiter bringen. Ich muss ihm deshalb ja nicht wie ei Jünger nachfolgen.

  6. Uwe · 8. März 2011, 19:41 · #

    @Thinkabout
    Ich wollte nur zeigen, daß die Auswahl von Wegpunkten und das Zusammensetzen derselben zu einem “roten Faden” etwas problematisch und gewissermaßen willkürlich ist, vermutlich auch dann, wenn es jeder für sich selbst tut. :)


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