Hindurch gehen
Wir alle haben, wenn wir krank sind, nur ein Ziel: Möglichst schnell durch die Tür treten, die “nach draussen”, führt, “ins Freie”.
Doch das ist nicht für alle Menschen so. Wenn eine Krankheit lange andauert, wenn sie die mentalen Reserven angreift und ein langer Aufenthalt im Spital die eigene Welt scheinbar dauerhaft auf ganz rudimentäre Dinge verkleinert hat, dann wird die fehlende Bindung zur alten eigenen Welt, zum Alltag, der plötzlich so weit weg ist, zur Qual. Und plötzlich ist da Angst. Die Furcht, den Alltag nicht zu meistern, kann übergross sein – und wohl nie ist man dann so sehr auf Freunde oder gute Kollegen angewiesen, die einen ermuntern und einem auch die Anreize schenken, die einem neuen Lebensmut geben:
Wieder mal in der vertrauten Stammkneipe sitzen. Ein Bier trinken. Den Spaziergang machen, den man einmal gleich vor der Haustür hatte und der einem selbstverständlich war. Wieder einmal im eigenen Bett schlafen.
O Mensch – es gibt so viele Dinge, welche wo wunderschön sind. Und in ihrer vermeintlichen Banalität so schnell vermisst werden können.
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Persönliche Anmerkung:
Manchem mag meine spitallastige Bloggerei dieser Tage ein wenig auf die Nerven gehen. Niemand braucht sich um mich Sorgen zu machen. Aber ich habe keine Mühe, in jene Umgebung zurück zu kehren, der ich doch so gerne und dankbar vor wenigen Tagen adieu sagen konnte. Denn das Leben hat nie Halt gemacht. Ich habe einfach viele neue Menschen kennen gelernt und Anteil genommen – fern eines Pflichtgefühls. Ich mache Krankenbesuche aus Freude – und ich werde darauf acht geben, dass aus Mitgefühl nicht Mitleid wird, dass ich mich meinem Leben zugewandt verhalte – aber wenn ich jemandem zeigen kann, dass er nicht dankbar sein muss für einen Besuch, sondern dass er mir selbst dabei eine Menge schenkt, und wenn das ein kleines Bisschen hilft und ein paar Stunden ein wenig heller macht – dann mache ich das gerne. Und durchaus nicht ohne Egoismus.
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Marianne · 24. November 2010, 19:23 · #
Lieber Thinkabout, was auch immer Dein Leiden verursacht, ich wünsche Dir von Herzen gute Besserung. Die Tage im Spital sind am Anfang mühsam und schmerzhaft – aber sie gehen vorüber. Bald lernst Du tolle Menschen kennen, Mitpatienten, Pflegepersonal, Aerzte. Interessante Gespräche ergeben sich so, bleibende Freunde sind auch das Ergebnis. Ich war vor längerer Zeit während 10 Wochen im Spital, überstand 3 grosse Operationen und gab die Hoffnung nie auf. Ich wurde liebevoll betreut und denke gerne an diese Zeit zurück. So hat auch ein Spitalaufenthalt durchaus positive Seiten. Ich hoffe, dass auch Du zu dieser Erkenntnis kommst.
Kopf hoch – und liebe Grüsse.
Marianne