Internetsuche in grau
Das erste Herbstwochenende, das mir das Faulenzen leicht gemacht hat: Die Nebeldecke blieb geschlossen, die Kälte hatte was Grobes – da durfte ich getrost zuhause bleiben. Und was habe ich also getan? Ich habe mich im Netz rum getrieben und mal wieder in verschiedenen Anwendungen die unterschiedlichsten Dinge ausprobiert – oder Lösungen gesucht.
Ich habe gegoogelt, was das Zeug hält, und geforscht und gepröbelt und verworfen und wieder probiert, usw. Am Ende wird man mit dem immer gleichen Gefühl bestraft: Wie lange hast du dich nun vor dem Computer im Netz rumgelümmelt, und was ist dabei heraus gekommen?
Die Bilanz ist verheerend. Heute. Irgendwann aber, wenn wieder mal einer jener lieben Mitmenschen, die nicht verstehen können, “wie man so ausdauernd so viel Zeit am Computer vergeuden kann” ein Problem hat, das ich zu lösen vermag, und es dann heisst:
Boah, so einfach ist das?
Dann weiss ich es wieder: Es ist nicht vergeudete Zeit. Nicht wirklich. Und wenn man an einem solchen Tag EINE Lösung findet, die man danach immer wieder answenden kann, ist die Zeit im Nu amortisiert. Es liegt wohl an der stickigen Luft im eigenen Kopf, dass sich dieses Gefühl, nein, diese Überzeugung, jetzt gerade nicht einstellen will.
Da fällt mir ein: Der Sonntag war nicht vergeudet. Denn, tatsächlich, wir waren auch (noch) spazieren. Genau: An diesem grauen Tag. Kommen Sie mir also nicht mit dem Stubenhockervorwurf, ja? Und davon mal abgesehen: Die Gedanken sind frei – und an einem solchen Tag nutzen sie diese Freiheit sehr viel besser, als wenn sie allzu stark von Tagesaktualitäten eingebunden und gefangen gehalten werden.
Die Werktage können dann also kommen. Wenn dies die Schlussfolgerung eines Tages ist, bleibt doch eh alles in Ordnung. Gerade so, wie es eben seine Ordnung behalten muss.
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Nachsatz: Das war ja heute auch noch: Die Gestaltung einer Fotoserie über eine Dachstockerkundung
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Claudia · 18. Oktober 2011, 21:20 · #
Ich kann mich kaum erinnern, wie viele Themen, Gespräche und Google-Suchen ich heute “durchsurft” hab. Jedenfalls waren es viele, sehr sehr verschiedene. Oft genug bemerke ich das und denk mir ebenfalls: bin ich verrückt, soviel Zeit so “ziellos” mit dem Netz interagierend zu verbringen? Mich einfach treiben lassend, teils von den äußeren Impulsen und Anreizen, teils von den “von innen” strömenden wechselnden Ideen und Bedürfnissen.
Gruslig! Dein Artikel haut zu Beginn genau in diese Kerbe…. wie unfruchtbar das alles, Zerstreuung pur, wie kann man nur? Wie kann ICH nur?
Und dann wieder du: Wenn man nur EINE Lösung findet…
Da fiel mir ein: weil ich heute früh mit allergischem Schnupfen erwachte, nachdem ich gestern das Bett neu bezogen hatte, googelte ich “Waschmittel für Allergiker”. Fand allerlei Infos, die mich bald auf den Faktor “Weichspülmittel” aufmerksam machten.
Nun erfuhr ich, dass Weichspüler an sich schon eine immense Umweltbelastung darstellen, die Saugkraft der Stoffe mindern und viele Allergie-Auslösende Substanzen beinhalten. Na sowas…
Ich las über die Alternativen nach und fand – neben vielerlei “Waschbaukästen” und “sensitiven” Allergiker-freundlichen Produkten – auf einem Frage-Antwort-Portal den schlichten Hinweis, dass 100ml Essig statt Weichspüher denselben Dienst tun.
Also machte ich mich daran, alle Bettwäsche nochmal ohne Waschmittel und Weichspüler, aber mit Essig zu waschen. Die Wäsche riecht trotzdem gut und ist auch “normal weich”.
Evtl. ändert diese “Lösung des Tages” mein ganzes zukünftiges “Waschverhalten”, inkl, der entsprechenden Konsumgewohnheiten.
Ja, dann hätte es sich gelohnt!
Thinkabout @Claudia · 18. Oktober 2011, 22:37 · #
Tja, liebe Claudia – anschaulicher hättest Du meinen Artikel nicht mit konkreten Beispielen unter-malen können. Das ist es genau. Danke Dir für dieses schlagende praktische Beispiel für eine Aussage, die tatsächlich jeder selbst für sich immer wieder überprüfen kann.
Wenn man Deinen Kommentar liest, der es verdiente, als Artikel zu erscheinen, wird man geradezu ermuntert, die Vorteile des Internets so zu nutzen, dass sie einen wirklich vorwärts bringen: Sprich, uns mehr Leben schenken. Ganz an-fassbar und erlebbar.
Chräcker · 19. Oktober 2011, 06:55 · #
Wie lautete doch sinngemäss eine Forderung in der ersten Konzeptthese zum Internet aus Cern? Der Nutzer soll auch Dinge finden, die er gar nicht gesucht hat.
Die Frage des Zeitverplemperns ist eh eine komische. Man hat ja nicht mehr Lebenszeit, wenn man etwas “anderes” macht. Man hat die (am Todestag im Nachhinein betrachtete) feste Lebenszeit nur anders verbracht. Die Frage der Sinnhaftigkeit ist hier vielleicht eher zu stellen und direkt dazu “der Sinn von Sinnhaftigkeit” und das ist ja dann gleich mal ein weites Feld.
Ich persönlich finde es ja “sinnlos” (naja, jetzt mal überspitzt natürlich für den Blogger hier ;-))), einen Ball über ein Netz mit einem Schläger zu dreschen. Da würde mir Herr Thinkaobout jetzt aber was husten! Er findet es ja vielleicht Zeitverschwendung, wie ich stundenlang mich durch Computerspiele erfreue. Und all das… sagt ja erst mal nichts.
Zurück zur Sache mit dem Internet: meine Seniorinnen, die ich am PC betreue, haben damit allerdings wirklich Schwierigkeiten und ich muntere diese dann immer damit auf, das, Claudia verzeih, dieses ganze Gedöns nun mal auch ein etwas männlicher sei. Frauen sind sehr zielgerichtet erzogen. (Naja: Haushaltsführungszielgerichtet…. wers nicht glaubt, vergleiche mal die Spielzeugbereiche bei ToysRUs.) – Die kommen zu mir mit ganz konkreten Fragen an das Netz. Wie komme ich am günstigsten mit dem Bus heute nach Buxtehude, zum Beispiel. Männer würden sagen: find ich raus. Surfen drei Stunden und haben dann stolz den neusten Audi-Prospekt ausgedruckt. (Meine) Frauen würden sagen: in der Zeit hätte ich das Essen gekocht, den Müll raus gebracht UND wäre im Reisebüro gewesen.
Internet ist eben immer noch etwas wie surfen. Den ganzen tag auf dem Wasser für die eine perfekte Welle. Und manchmal wird man auch nur naß.
Thinkabout @Chräcker · 19. Oktober 2011, 18:35 · #
Wenn man allerdings so locker und gelassen auf dem Brett steht beim Surfen, lieber Chräcker, findet man die perfekte Welle vielleicht nicht leichter, aber man kann schon bei der Suche manchmal das Surfen ganz bewusst und doch losgelöst geniessen.
PS: Computerspiele? Pah. So was Doofes. Ich bewege mich beim Tennis wenigstens. Na ja, mal habe ich mir dabei den Knöchel gebrochen und im Rücken zwickt’s manchmal. Aber Hauptsache, übers Netz. Das Thema ist doch wirklich sauwichtig, dass es sich also lohnt, auch im Netz, also hier, immer wieder davon zuschreiben…
Herrlich, dem Unwichtigen nachjagen zu dürfen, nicht wahr, und die Zeit versinnplempern zu dürfen!
Chräcker · 30. Oktober 2011, 13:03 · #
Pah, Computerspiele kann man auch übers Netz spielen! zwinkert