Kongo ist nur ein neues Beispiel
Ich würde unheimlich gerne wieder einmal nach Afrika reisen. Die schönste Ferienzeit meines ganzen Lebens war eine Zeltsafari durch Botswana / Namibia. In Afrika in freier Natur einen Fuss aus dem Jeep auf den Boden setzen, wenn möglich mit einer Schirmakazie im Blick, die ihren feingliedrigen flachen Schirm schützend vor der brennenden Sonne auseinander faltet – und Sie wissen, dass es wahr ist: Die Wurzeln des Menschen müssen auf diesem Kontinent liegen. Nirgends ist dieses “Wurzelgefühl” in meinen Füssen grösser, wenn ich auf der nackten Erde stehe…
Doch so sehr mich das Land mit seiner Vegetation und seinen wilden Tieren begeistert, so wenig erschliessen sich mir die Menschen. Natürlich habe ich viele sehr nette Führer kennen gelernt, die Fahrer waren zuverlässig, zuvorkommend, ja sogar fröhlich, doch ihre Kultur blieb mir stets fremd, und in grösseren Städten fühle ich mich nicht wohl.
Afrika – tatsächlich der verlorene Kontinent? Die Menschen sind nicht auf mein Verstehen angewiesen. Doch ich bin ja nicht allein:
Afrika – in der Weltpolitik und damit in den Nachrichten auch stets nur dann ein Thema, wenn ethnische Probleme oder Naturkatastrophen neues Leid über die Menschen bringen, ohne dass diese Völker dadurch wirklich je eine Lobby erhielten. Wir interessieren uns nur dort wirklich für sie, wo ihre Hütten auf oder in der Nähe von Bodenschätzen stehen…
Und so wiederholen sich denn die Dramen, sich gleichend wie ein Ei dem andern, quer durch den Kontinent. Heute lese ich in der NZZ online von den neuen Flüchtlingsströmen im Kongo. Auf der Seite wird auch eine Bildstrecke angeboten.
Beeindruckende Bilder habe ich aber auch in diesem Fall beim Boston Globe auf seiner Spezial-Fotoseite The Big Picture gefunden.


Caro · 6. November 2008, 18:22 · #
Viel perverser finde ich dagegen die Abermillionen, die für den US-Präsidentschafts-Wahlkampf ausgegeben wurden.
Marianne · 6. November 2008, 18:45 · #
Die Bilder sind erschütternd. Einmal mehr frage ich mich, wieso wir, hier in der Schweiz, so sorglos leben dürfen. Wir sind nicht besser, oder mehr wert, als die Menschen in Afrika. Immer trifft es die Aermsten, die so schon leiden. Warum?
SeelenLeerer · 7. November 2008, 03:55 · #
Liebe Marianne
In einem der (an Rohstoffen) reichsten Kontinente herrscht die ärgste Armut.
Dein Warum ist nur äusserst vielschichtig zu beantworten.
Ein Afrikaner sagte mal zu mir: Wenn in Europa einer etwas erreicht, animiert dies seine Nachbarn dazu, es auch zu erreichen.
In Afrika wird der Nachbar alles daran setzen, es zu zerstören. Weil er es sich nicht vorstellen kann, dies selbst zu erreichen und damit es keiner von beiden hat.
Warum genau die Psyche so unterschiedlich ist,
weiss ich leider auch nicht.
Das ganze Elend aber nur auf diesen Umstand ab zu wälzen würde sicher zu kurz greifen.
Zu erwähnen wären noch die tiefen Rohstoffpreise, der schlechte Marktzugang für deren Produkte und dass unsere Regierungen deren Regierungen so gerne Waffen verkaufen, damit die sich die fehlende Legimitation (zum regieren) erkämpfen können.
Dass nach solchen Einkaufstouren das Bruttosozialprodukt (nach Abzug der obligaten Schmiergelder und des in den eigenen Sack stopfen und in der Schweiz (ein Lob auf das vielgepriesene Bankgeheimnis) verstecken der Regierung) des Landes dummerweise aufgebraucht ist, ist dann wohl Schicksal, oder nicht?
In dunklen Nächten schlummert in meinem Hinterkopf auch der Gedanke, dass es schlicht nicht genug Energieressourcen hat, um allen den gleichen Lebensstandard zu vergönnen. Darum ist es schlicht einfacher, wenn einige auf diesem Planeten um ihr nacktes Überleben kämpfen, statt auf ein Auto zu sparen.
Die nächsten Jahre werden die Stichhaltigkeit solcher Gedanken zeigen, denn einigen Chinesen und Indern wird dieser Zugang nun zaghaft gewährt.
Sind wir dem Warum einen Schritt näher gekommen?
Vielleicht, aber vielleicht sieht die Wahrheit auch ganz anders aus..
Marianne · 8. November 2008, 17:46 · #
Lieber Seelenleerer,
ich kann Deinen Gedanken gut folgen, ich bin ja auch einverstanden damit. Was mir nicht in den Kopf will, sind perverse Dinge: in Europa und Amerika wimmelt es von Diätberatern, Turnstunden für sehr dicke Kinder – von den dicken Erwachsenen nicht zu reden.Warum muss zum Beispiel soviel Getreide etc. zu Völkern, die im Ueberluss leben, die einen grossen Teil davon den Tieren zum Frass hinwerfen oder Benzin daraus herstellen? Denkt denn wirklich niemand daran, dass von einem Teil dieser Ueberfülle Kinder ernährt werden könnten, die jetzt verhungern. Ich bin sicher, dass sich dieses Verbrechen bald einmal gegen die reichen Länder wenden könnte (müsste), dass die Massen der Unterprivilegierten sich erheben werden. Was dann?
SeelenLeerer · 8. November 2008, 23:15 · #
Liebe Marianne
Diesen Umstand verstehe ich auch nicht,
zumal ich sogar noch davon überzeugt bin,
dass jede Handlung auf uns zurück fällt.
Warum es “muss”?
Weil die Waren im Kapitalismus an den Meistbietenden verkauft werden “müsen”, sonst macht der Verkäufer ein schlechtes Geschäft.
Wie sollen sich die Massen der Armen denn erheben?
Ihr täglicher Überlebenskampf bindet sicher zu viel Kräfte.
David · 9. November 2008, 05:12 · #
Wenn es nur eine Frage des Geldes wäre, würde sich bestimmt jemand finden, der das einschiesst. Leider kann man dauerhaften Frieden nicht mit Geld kaufen. Frieden muss sich in den Köpfen durchsetzen.
Übrigens war es in Europa bis vor 60 Jahren mindestens so unfriedlich wie heute in Afrika. Und es gibt doch einige Länder in Afrika, die schon lange keinen Krieg mehr gehabt haben.
Thinkabout · 9. November 2008, 16:27 · #
Jede koordinierte Selbsthilfe wie auch ein Aufstand braucht erst einmal Kommunikation… Noch immer hat annähernd die Hälfte der Weltbevölerkung das ganze Leben lang noch nie telefoniert…
Die Probleme sind immens. Und wenn es auch nicht reicht, Reisschalen hin und her zu verschiffen und Milchpulver bereit zu stellen – würde der Geist des Respekts vor der Kreatur und das entpsrechende Mitgefühl für liebe- und friedvolle Gemeinschaft starkt genug sein – die Probleme wären wohl lächerlich gering.
@David:
Ähnliche Zustände vor 60 Jahren? Ich glaube nicht, dass wir selbst damals auch nur annähernd wussten, was Hunger und Armut wirklich bedeutet, mit Afrika verglichen.