Krawall
Es kocht die Volksseele. Aber sie kocht wie Wasser, nicht wie Milch. Sie läuft nicht über, gefällt sich aber im Brodeln und in der Angst, die sie auslöst. Der Frust ist eine Art Verlust von Sinn, und so schlägt man denn auch drein: Wie von Sinnen.
Der Aufruhr ist planlos und findet sich doch in klaren Zielen: Wider die Obrigkeit, die Autorität, die nicht wirklich eine ist. In der anonymen Masse wird der Einzelne zum anonymen Schläger und haut auf die gesichtslosen Symbole des Establishments ein.

Das konsumierte Bier hat Mut gemacht zum Schlag gegen den Konsum, den Profit, die Verfielfältigung des gleichen Geldes, das man selber schneller ausgibt als einnimmt.
Das Elend liegt nicht zuletzt darin, dass man selbst lokaler Ignorant des globalen Irrsinns ist, davor und danach, und der Hohn ist einzig, dass ausgerechnet die Profiteure einen daran erinnern. Also marschieren und protestieren, nur wirst Du dabei genau so instrumentalisiert wie im Grau Deines Alltags, denn diese Gelegenheit der prickelnd fühlbaren Gefahr zieht die ganz blöden Halbstarken an, die neben Dir vermummt feige den Mutigen markieren.
Je sprachloser die eigene Hilflosigkeit, um so heftiger der Ausbruch. Und um so bitterer der pelzige Geschmack auf der Zunge. Danach. Wenn alles vorbei ist und nichts in der Zeitung die fettere Schlagzeile hatte, als die Zerstörung. Über sie wird Bilanz gezogen. Nur über sie. Der Rest versinkt im Schweigen und in der dadurch beschleunigten Agonie.
Dabei könnte Protest doch auch so aussehen, eine Art Sinneskrawall eben:


Antoine Johannes Kuske · 6. Juni 2007, 05:35 · #
Manchmal muss das Alte zerstört werden, damit das Neue entstehen kann. Andere male muss das Alte umgewandelt werden, um den Weg für das Neue vorzubereiten.
Nur weiss man das im Augenblick noch nicht, erst später, wird der Blick ins Geschichtsbuch zeigen, was Gut und was Schlecht war.
Caro · 6. Juni 2007, 10:16 · #
Man spricht immer vom System. Vom System, in welchem man gefangen ist wie in einem Spinnennetz, jeder Selbstbestimmung beraubt.
Dabei ist dieses System zweierlei: eine Weiterführung und Regelung gemeinschaftlichen Lebens, wie sie in den Anfängen der Menschheit ihren Lauf genommen hat und darin durchaus eine Schutzfunktion einnimmt, die jedoch mittlerweile von wirtschaftlichen und politischen Interessen verdeckt wird und in Beachtungslosigkeit geriet.
Andererseits ist das System sehr wohl Gefäss für Machtmissbrauch und Korruption. Die Möglichkeiten des Aufbegehrens sind gering. Warum sich nicht einem wütenden Aufschrei hingeben, so ohnmächtig er am nächsten Tag auch auslaufen wird wie eine müde Welle am Strand von Heiligenstadt.