Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Leben und darüber Schreiben. Zeugnis statt Werbung.

∞  3 Dezember 2012, 16:12

Bloggen ist Schreiben übers Leben. Es ist aber nie das Leben selbst. Und die Verlockung, in allem der eigene Herr zu sein, hat auch ihre Tücken.

istockphoto.com/koun

Es sagt sich so leicht: Das Leben leben, ganz im Augenblick verweilen. Die meisten Blogger, die schon lange dabei sind, haben schlicht des Schreibens willen einmal angefangen: Dem inneren Antrieb, der tiefen Freude, sich mit Sprache auszudrücken, Raum gebend. Wer schreibt, weil er des Schreibens willen “muss”, wer diese Kreativität braucht, um sein Leben zu fassen und darin aufzugehen, sich mit seinen Talenten zu spüren, der lebt wenn er schreibt und schreibt für sein Leben. Für den Moment, den nächsten Satz, ein Thema, einen Text, eine Geschichte, ein Ganzes, das Herz, die Seele, für den freien Kopf, für sich.

Doch Schreiben im Internet ist auch Publikation, Verbreitung, Verlinkung, Antrag, Ansprache, Mittel zu Zwecken. Und dann ist Schreiben eben nicht wirklich das Leben. Dann ist es nur Werbung.

Ist ein Tun eine Sache des Herzens, erträgt es im besten Fall keine Ablenkung, drängt immer wieder zu seinem Kern und sammelt sich bei sich selbst. Kommt der Satz aus dem Herzen, der Seele, dem eigenen Verstand, oder eilt er voraus und will andere Herzen erobern, anders Denkende umstimmen, Gleichgültige aufschrecken? Die wahrhaftige Form, von nichts anderem zu reden, als von sich selbst, und doch mit den Worten ein Fenster zu bilden, durch das andere sehen und teilhaben können, ist, einen Satz so zu bilden, dass Leser ihn zu ihrem eigenen machen können. Oder wollen. Wenn ein Text darum wirbt, dass sich Herzen öffnen, weil er von der eigenen Wärme spricht, dann ist er auch ein Stück Werbung: Aber eine, die sich darum bewirbt, zu allererst wahrhaftig gegenüber sich selbst zu sein.

In spielerischer Form drückt dieses Video etwas ähnliches aus:
Der Bettler kann einfach auf sen Schild schreiben: Ich bin blind. Oder er kann …
Aber sehen Sie selbst:

Nun ist das wohl Marketing. Spezialisten und Werbende arbeiten mit unseren Gefühlen, unseren Kapazitäten an Empathie. Und doch schreibt jeder nur wahrhaftig, wenn er nicht nur sagt, dass es ihm dreckig geht. Sondern offenbart, wie sich das wirklich anfühlt. Damit ist nicht Larmoyanz gemeint, aber das genauere Hinhören und -fühlen in Tiefen und manchmal auch Abgründe der eigenen Seele. Wir suchen alle. Nicht nur den guten Text im Internet, den befreienden Gedanken, oder, viel öfter, die bare Zerstreuung.

Und wir Blogger verzetteln uns viel zu oft und viel zu sehr mit den Gedanken, wo wir welche Spuren hinterlassen wollen, um gefunden zu werden. So, wie uns das Leben findet, finden uns auch Leser. Das ist naiv? Ja. Aber wer behauptet das Gegenteil? Wer hatte nicht schon oft den Eindruck, ein Buch “käme” gerade zur rechten Zeit? Erklären können wir das nicht. Genau so geht es uns mit Begegnungen mit Menschen. Und mit einzelnen Texten. Sie, die Leser, bestimmen durch Ihre Achtsamkeit für sich selbst, was Sie finden, lesen und verstehen.



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