Mein Schreiben, mein Atmen

Manfred Hinrichs Ausspruch beschreibt meine Motivation für dieses Tagebuch meines Denkens und Fühlens.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Liefere statt Lafere, und nicht mal das zu früh, bitte

∞  9 Oktober 2008, 17:49

Der Schweizer Landesregierung ist ein dickes Lob auszusprechen, was die Kommunikation zu den eigenen Massnahmen in der Finanzkrise betrifft.




Ich glaube persönlich, dass es sehr weise ist, lieber weniger zu sagen statt zuviel, und stattdessen im Hintergrund zu arbeiten und mögliche Einsatzpläne vorzukehren. Dass dies ohne grosse Beteuerungen der Regierung doch im grossen Mass von der Schweizer Bevölkerung auch so angenommen (und geglaubt) wird, finde ich bemerkenswert. Es beweist, dass wir uns ein gesundes Mass an Gelassenheit so schnell nicht ausreden lassen.

Heute nun hat Bundesrätin Doris Leuthard in einem Interview mit Radio DRS zwar klar gemacht, dass man den Zusammenbruch einer der beiden Grossbanken bestimmt verhindern würde. Sie hat es aber so beiläufig und gleichzeitig selbstverständlich formuliert, dass niemand aufschrecken und sich fragen muss, ob der Zusammenbruch denn nun bald möglich wäre?

Tatsächlich gehören die Schweizer Banken, gehört die UBS, die viel mehr im Focus steht als die Credit Suisse (ob zu recht oder nicht wäre ein eigenes Thema), zu den am besten kapitalisierten Banken überhaupt. So wird das bestmögliche Mass an Informationsgehalt erreicht, mit dem beruhigt wird, ohne gleich noch mehr beschwichtigen zu müssen – und ohne dass Dinge versprochen würden, die vielleicht gar nicht zu halten wären.

Liebe SVP, die aktuelle Arbeit der Regierung zeigt, vergleicht man sie mit Deutschland, wie wertvoll es wohl ist, dass der Bundesrat eben nicht vom Volk gewählt wird. Sondern vom Parlament. So ist keiner der Magistraten, zumal als Teil einer Kollegialregierung vieler Parteien, versucht, in der Kommunikation zur Krise die aktuellen Probleme als Gelegenheit zum Wahlkampf zu missbrauchen. Es muss mit Arbeit überzeugt werden. Und man und frau kann sich darauf konzentrieren.

Wie sieht es dagegen in Deutschland aus? Wie umsetzbar ist das absolute Versprechen der totalen Garantie aller Geldanlagen durch Frau Merkel? Dieses Vorpreschen bringt andere Staaten in Zugzwang. Während Kollege Steinbrück seinen gerechten Zorn gegen die Manager dazu benützt, verbal die ganze Banken-Kaste zu geisseln, mit der er in der nächsten Stunde an einem Tisch wohl oder übel eine Lösung suchen muss. Da kann er noch so recht haben wie er will: Es ist der falsche Moment, um die eigene Empörung zu zelebrieren.

Also, mir sind da die vielleicht manchmal hausbacken scheinenden Schweizer Magistratinnen und Magistraten sehr viel lieber. Da produziert sich keiner. Was dazu führt, dass sie selbst mit hoch gekrempelten Ärmeln vor die Presse treten könnten, und man würde ihnen glauben, dass sie sich wirklich nur kurz beim Schuften unterbrechen lassen wollen.


°


PS: Naiv nennen Sie diese Sichtweise vielleicht? Nun, gut möglich. Aber in der fragilen Situation, in der sich viele wirtschafltiche und politische Netze befinden, hat die Symbolik einen ersten, ganz wichtigen Stellenwert. Das ist eine sehr reale Tatsache. Ganz nüchtern betrachtet.


[Bildquellen: Bundesratsfoto 2008, via eigent.li und Archiv der Bundesratsfotos ]




abgelegt in Themen
Politisch
und
Gesellschaft



Besonnenheit in stürmischer See: DAS ist Coolness swiss made


Kommentare

  1. andré · 9. Oktober 2008, 20:27 · #

    ...dann wollen wir mal von der prämisse ausgehen, dass die gloreichen sechs von bern tatsächlich was tun in den kulissen und nicht nur schweigen. und wir blenden wohl auch besser das schweigen zu bern zu zeiten des swissair-debakels aus.

    thinkabout: sorry, wenn schon wieder ein leiser zwischenruf aus der ferne eintrudelt; kann ja wohl nicht sein, oder?

  2. Thinkabout · 10. Oktober 2008, 21:36 · #

    @André:
    Oh doch, das kann und darf und soll sogar unbedingt sein! Es ist doch viel eher so, dass ich mich immer wahnsinnig darüber freue. Zeit ist für uns Alle kostbar, aber Ihnen dürfte sie oft noch knapper und kostbarer sein als mir. Also nur immer feste druff!
    Ich denke, es gibt da einen Unterschied: In der akutellen Situation haben wir es mit einer Bedrohung zu tun, die von aussen an die Schweiz heran getragen wird. Das UBS-Problem war quasi der Vorbote einer weltwirtschaftlich problematischen Situation. Bei der Swissair lohnte sich zu früh für viel zu Viele der politische Kampf nach dem Motto: Wer hat Schuld? Das war ein Schweizerisches Problem, das Innerschweizerisch eskalieren konnte, weil verschiedene Mentalitäten und Pfründe auf einander trafen: Zürcher gegen Basler (es soll mir niemand was anderes erzählen wollen), FDP gegen SVP, UBS gegen Credit Suisse, usw.
    Und irgendwie bin ich da auch ganz froh. Stellen Sie sich mal vor, der Bundesrat hätte damals reden wollen. Mit dem Ospel. Und hätte dann à la King Mario erzählen müssen: Der Herr Ospel war für uns nicht erreichbar, zwischen Zürich und New York verschollen.
    Der Bundesrat war einfach vorgewarnt. (Vorsicht: Ironie, zumindest am Schluss).


Kommentare dieses Blogs abonnieren: RSS-Feed
Bitte beim Absenden immer erst Vorschau anwählen, danach einmal auf Absenden clicken und etwas Geduld haben. Danke.

Textile-Hilfe